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“Fairer einkaufen. Besser essen.”

Immer mehr Menschen wollen wissen, was in ihren Lebensmitteln steckt, wo sie herkommen und
wer sie herstellt. Was liegt da näher, als die Erzeuger während des Einkaufs einfach persönlich
danach zu fragen? Die Marktschwärmer-Idee macht’s möglich.
In Lindweiler entsteht in Kürze der erste Marktschwärmer-Wochenmarkt im Kölner-Norden. Zur Eröffnung der sogenannten Schwärmerei im Juni werden derzeit Menschen gesucht, die sich dem „Schwarm“ kostenlos anschließen wollen.
Die Schwärmerei Köln Nord wird von Helga Wagner und Dirk Bachhausen gegründet. “Wenn die Stadt sagt, es gibt keinen Wochenmarkt bei uns im Veedel, dann machen wir eben selber einen…”, sagen die beiden über ihre Beweggründe, Gastgeber/in einer Schwärmerei zu werden. Nach monatelanger Vorbereitung werden sie ab Juni den wöchentlichen Markt organisieren und so dafür sorgen, gute Lebensmittel aus der Region direkt in die Nachbarschaft zu bringen – und die Bauern gleich mit.
Eine einfache Idee: Online bestellen, um die Ecke abholen.
Marktschwärmer schafft eine direkte Verbindung zwischen den Erzeugern und Verbrauchern einer Region: Die Kunden bestellen bequem im Onlineshop ihrer Schwärmerei auf
www.marktschwaermer-lindweiler.de. Einmal in der Woche kommen Kunden und Erzeuger für zwei Stunden in der Schwärmerei vor Ort zusammen, um die Bestellungen persönlich zu übergeben.
Die Lebensmittel stammen ausschließlich von bäuerlichen Erzeugern, Lebensmittel-Handwerkern und kleineren Manufakturen aus der Region. Im Durchschnitt liegen zwischen Herstellungsort und Schwärmerei nicht mehr als 27 km Transportweg. Zum Sortiment gehören Obst und Gemüse, Fleisch und Wurstwaren, Brot, Honig, Käse und Molkereiprodukte sowie ausgewählte
Feinkostwaren.

In der Schwärmerei handeln Erzeuger und Verbraucher direkt miteinander: Der Kunde bezahlt seinen Warenkorb direkt nach der Bestellung online.
Fair, transparent und nachhaltig für Erzeuger und Verbraucher. Marktschwärmer erleichtert gerade kleineren Erzeugerbetrieben den Zugang zu Kunden, die Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit in ihrem Einkaufskorb legen: Die Erzeuger bestimmen die Preise für ihre Produkte selbst – weil sie selbst am besten wissen, was ein fairer Preis für ihre Arbeit und ist. Dank der Vorbestellung über den Onlineshop kann der Erzeuger exakt planen und vermeidet unnötige Kühl-, Transportkosten und die Verschwendung verderblicher Ware.
Die Mitgliedschaft in einer Schwärmerei ist für Kunden flexibel: Es gibt weder Mitgliedsbeiträge noch Mindestumsatz oder Bestellpflicht. Jeder Kunde kann bei bis zu drei Schwärmereien in seiner Nähe Mitglied sein. Am meisten schätzen Marktschwärmer-Mitglieder aber, dass sie die Herkunft ihrer Lebensmittel direkt nachvollziehen können. Der persönliche Kontakt mit den Erzeugern schafft Vertrauen in die Qualität der Produkte und ein gutes Gefühl der Gemeinschaft. Mit jedem Einkauf bei Marktschwärmer wird die regionale Wirtschaft gefördert. Marktschwärmer heißt Transparenz und fairer Handel – für alle.

Von Frankreich nach Chorweiler
Die Idee der Online-Direktvermarktung kommt aus Frankreich, wo seit 2011 unter dem Namen “La
Ruche Qui Dit Oui” (Der Bienenkorb, der Ja sagt) bereits über 800 Schwärmereien entstanden sind.
In Deutschland startete das Netzwerk im Herbst 2014. Derzeit sind schon mehr als 250 lokale
Märkte in 16 Bundesländern geöffnet, weitere 116 Schwärmereien befinden sich im Aufbau.

Marktschwärmerei Köln – Nord
Ort: Marienberger Weg 19, 50767 Köln-Lindweiler
Gastgeber: Helga Wagner & Dirk Bachhausen
Geplanter Start: Juni 2021
Marktzeit: Montag, 17-19 Uhr
Online: Direkt zur Schwärmerei www.marktschwaermer-lindweiler.de

 

Stumm und ausgeliefert: Das Milliardengeschäft mit Beatmungspatienten

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Hubert Kretz, pensionierter Chemiker mit Doktortitel, schwebt in einem Zustand zwischen Leben und Tod. Er liegt fast reglos da. Ab und an flattert das Lid an seinem rechten Auge. Er atmet ruhig und regelmäßig – ohne Kanüle im Hals. Sein Sohn Daniel, ein schmaler Mann, 33 Jahre, steht neben ihm in der Stille des Zimmers. Was sein Vater noch mitkriegt, weiß niemand. Aber er macht sich nichts vor. „Seine Kopfverletzungen waren so stark, dass er nicht mehr wach werden wird“, sagt er. „Er könnte so sicher noch 20 Jahre leben. Aber ich kenne ja meinen Vater, und ich weiß: In dem Zustand hätte er das nie gewollt.“

Das Loch in Hubert Kretz’ Luftröhre hat sich inzwischen geschlossen. Nur noch eine kleine Mulde in seiner Haut ist zu sehen. Erst vor wenigen Wochen holte ihn sein Sohn aus einer Einrichtung heraus, die mit seinem Vater unter Umständen noch jahrelang hätte Geld verdienen können, ohne dass es eine Aussicht auf eine Besserung seines Zustandes gab.

Als Daniel Kretz von dem Platz in der Beatmungs-WG hörte, war seine Erleichterung zunächst groß. Er hatte nicht gewusst, dass es das überhaupt gibt, Wohngemeinschaften, in denen nur Schwerstpflegefälle leben, rund um die Uhr betreut von einem Intensivpflegedienst.

Er fuhr zu der Adresse am Rand von Köln, von ihm zu Hause ist das nur ein kleines Stück, sah helle Zimmer, saubere Flure, freundliche Pflegerinnen, draußen ein Gärtchen und fand: Das wäre vielleicht das Richtige für meinen Vater. Dort könnte er gut aufgehoben sein.

Jedes Jahr zwei bis vier Milliarden Umsatz 

Der Vater war 70 Jahre alt, als er im Sommer 2019 schwer auf der Autobahn verunglückte. Seither liegt er im Wachkoma. Gleich vor Ort öffneten die Rettungskräfte seine Luftröhre, damit er trotz der Schwellungen genug Luft kriegt. Viel deutet darauf hin, dass er den Schnitt im Hals, Fachbegriff Tracheostoma, aus medizinischer Sicht nach kurzer Zeit nicht mehr braucht; das geht aus Unterlagen und Aussagen hervor, die CORRECTIV und Frontal21 vorliegen. 

Die Öffnung im Hals macht Kretz zum Teil von einem gewaltigen Markt. Mit der ambulanten Versorgung von Beatmungspatienten werden in Deutschland jedes Jahr zwei bis vier Milliarden Euro umgesetzt, und die Zahlen wachsen rasant: Studien zufolge gab es 2005 gerade 1.000 Patientinnen und Patienten. Heute sind es Schätzungen zufolge 19.000 bis  30.000.

Wer dem Fall Hubert Kretz nachgeht, erhält Einblicke in eine Branche, die weitgehend unbemerkt riesige Umsätze mit der Beatmung von Menschen macht. Ohne dass die Einrichtungen wirksam kontrolliert werden.

„Meine Mutter war eine Geldquelle“, sagt ein Mann auf dem Friedhof in Dortmund und streicht etwas Staub von einem Grabstein mit der Aufschrift „Mama“.

„Die Patienten werden möglichst krank gehalten, damit man sie maximal abrechnen kann“, sagt ein Pfleger, der CORRECTIV über Missstände berichtet, die er tagtäglich erlebt.

„Eine regelhafte Überprüfung von Beatmungs-WGs ist noch nicht möglich“, teilt eine Kontrollinstanz der Krankenkassen per E-Mail mit.

Und Investoren werben mit „Top Renditen“ für Investments in Beatmungs-WGs.

Es gibt viele Patienten wie Hubert Kretz, manche hängen an Schläuchen und Geräten, andere haben, wie er, nur die Kanüle im Hals. Überall in Deutschland haben seit einigen Jahren Beatmungs-WGs eröffnet, und es kommen ständig neue dazu. Nun könnte die Corona-Krise das Wachstum der Branche weiter beschleunigen. Die Pflegedienste vermieten bei diesem Geschäftsmodell einzelnen Zimmer an ihre Patientinnen.

Die Miete bezahlen diese oder ihren Angehörigen in der Regel privat. Weil die Zimmer vor dem Gesetz als privater Wohnraum gelten, können die Anbieter von der Krankenkasse in einem zweiten Schritt für die Versorgung die lukrativen Sätze für häusliche Pflege einfordern. 

Anders ausgedrückt: Zusätzlich zur privaten Miete von meist einigen hundert Euro, die in aller Regel die Patienten bezahlen, kassieren die Pflegedienste von den Krankenkassen pro Fall nochmal zwischen 10.000 und 25.000 Euro im Monat in manchen Fällen sogar mehr.: 

Auf dem Beatmungs-Markt mischen internationale Investoren mit

Es ist ein Montag im März 2021, gut 19 Monate nach dem Unfall. Daniel Kretz hat seinen Vater wenige Wochen zuvor aus der Beatmungs-WG in ein normales Altenheim, das AWO-Seniorenzentrum Witten, verlegt. Seine Ernährung ist eingestellt, Kretz wird nur noch palliativ versorgt. Nun tritt der Sohn noch einmal an sein Bett, beugt sich herab zu seinem Vater, er streicht ihm über die Hände, flüstert ihm etwas ins Ohr. Er kann jetzt nicht mehr viel tun. Nur noch auf das Ende warten. 

Die hohen Renditen, die in diesem Bereich möglich sind, ziehen alle möglichen Akteure an, darunter sind seriöse Anbieter, Kriminelle, aber auch Geschäftemacher, kleinere und größere Firmen, und zunehmend mischen auch Konzerne und international agierende Investorengruppen mit: „Allein im Jahr 2018“, schreibt die Marketing-Agentur pm pflegemarkt.com in einer Analyse, „betrug das Transaktionsvolumen im Segment der Intensivpflege durch die Übernahmen großer Unternehmen ca. 800 Millionen Euro.“

Das heißt nicht, dass die Versorgung zwangsläufig mangelhaft oder falsch ist. Es gibt auch seriöse Anbieter, und gerade für Patienten, die noch vergleichsweise selbstständig sind, kann eine solche WG das Richtige sein. Aber die Mehrheit der Bewohnerinnen ist davon weit entfernt.

Manche liegen im Wachkoma, andere leiden an schweren Herz- oder Lungen- oder Nervenerkrankungen, sind nach einer Reanimation nicht mehr zu sich gekommen oder können in Folge von Lähmungen oder Schädel-Hirnverletzungen nicht selbstständig atmen. 

Verbessern lässt sich der Zustand der Todkranken mit Hilfe der Intensivmedizin in aller Regel nicht mehr, wohl aber ihr Siechtum verlängern – und von jedem Monat mehr profitieren die Intensivpflegedienste. 

Die WG, in der Hubert Kretz versorgt wurde, betreibt ein Kölner Intensivpflegedienst. Als CORRECTIV und Frontal21 die Firma um Stellungnahme bitten, schaltet sie eine Anwaltskanzlei ein.

Diese weist alle Vorwürfe zurück und teilt mit, über die Behandlung der Patienten entscheide allein der Arzt, nicht der Pflegedienst. „Damit ist auch die Unterstellung obsolet, eine Behandlung erfolge ,abrechnungsbedingt’.“ 

Auf die Frage, ob der Pflegedienst wusste, dass Kretz das Tracheostoma nicht braucht, gibt die Juristin keine Antwort. Nur so viel: „Die Versicherten (oder für sie Handelnden) reichen die ärztliche Verordnung bei der Krankenkasse ein, die eine Prüfung vornimmt und den Pflegedienst anschließend über Art und Umfang“ der Leistungen informiere. 

Viele Patientinnen und Patienten in den Beatmungs-WGs können sich nicht mehr äußern – oft bleiben sie dort bis zum Tod. ©  Anwar

Köln, ein Viertel an der Peripherie der Stadt. En weißes Gebäude steht an einer ruhigen Seitenstraße zwischen Feldern und Brachflächen. Von außen weist ein Schild auf den Intensivpflegedienst hin. Sonst sieht es nicht viel anders aus als die Wohnhäuser ringsum, zwei Stockwerke, Balkone, Giebeldach.

„Keine ausreichende Qualitätskontrolle“ für Beatmungs-WGs

Es wird nirgends erfasst, wie viele Patientinnen und Patienten genau in Beatmungs-WGs liegen und auch nicht, wie viele WGs es überhaupt gibt. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Die Betreiber laborieren in einer Gesetzeslücke, in der wenige Regelungen greifen. 

Das Problem ist seit Jahren bekannt. Der mdr hat bereits 2011 über die Missstände berichtet, die Welt 2012. Seither hat sich wenig geändert, zumindest bisher. Im Sommer 2020 hat der Bundestag ein neues Intensivpflegegesetz verabschiedet, das in Zukunft für regelmäßige Kontrollen sorgen und verlässliche Standards in den WGs sichern soll.  „Das Problem ist, dass Beatmungs-WGs als ambulante Strukturen gewertet werden“, sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbandes VdK. „Damit unterliegen sie nicht den aufsichtsrechtlichen Normen von stationären Strukturen und keiner ausreichenden Qualitäts- und Finanzkontrolle.” 

Manche WGs sind in normalen Mietwohnungen untergebracht, andere erinnern eher an kleine Pflegeheime.

Da das Gesetz nicht vorschreibt, wer in solchen WGs arbeiten darf, setzen viele Pflegedienste keine Kranken- oder Intensivpfleger ein, sondern Altenpfleger oder Hilfskräfte. Von den hohen Sätzen der Krankenkassen profitieren deshalb vor allem Anbieter, denen es eher um die Rendite geht als um das Patientenwohl.

Der Patient sei „Opfer einer sinnlosen Behandlung“ geworden

Nach allem, was man weiß, gab es schon frühzeitig Anzeichen, dass Hubert Kretz die Kanüle in seiner Luftröhre gar nicht braucht. Doch offenbar machte niemand Anstalten, dies zu prüfen. Inzwischen ist Kretz gestorben. Aber für seinen Sohn ist der Kampf nicht vorbei. Er hat Strafanzeige gegen den Hausarzt erstattet, der seinen Vater während seiner Zeit in der Beatmungs-WG behandelt hat, oder besser gesagt: behandeln sollte. 

In der Begründung der Anzeige, die CORRECTIV und Frontal21 vorliegt, schreibt eine Anwältin aus einer auf Medizinrecht spezialisierten Kanzlei, dass Kretz in der Beatmungs-WG „Opfer einer sinnlosen intensivmedizinischen Behandlung entgegen seinen Behandlungswünschen geworden“ sei. Statt den Sohn als gesetzlichen Vormund zu befragen, habe der Mediziner „den Patienten belastende, niemals gewollte“ Maßnahmen verordnet. Der Arzt weist die Vorwürfe pauschal zurück, ohne auf einzelne Fragen von CORRECTIV und Frontal21 einzugehen. Nachfragen lässt er komplett unbeantwortet.

Durch das Tor eines Friedhofs im Dortmunder Osten steuert ein Mann auf ein Grab zu, auf dem Narzissen zwischen Engelsfiguren blühen. Patrick Slickers, 42 Jahre, kommt oft hierher. Es ist der einzige Ort, sagt er, an dem er sich seiner Mutter noch nahe fühlt.

Agnes Cadman, damals 63, hatte COPD im Endstadium, eine schwere Atemwegserkrankung. Ein Lungeninfekt machte sie Anfang des Jahres 2018 zum Intensivpflegefall. Anders als Hubert Kretz war sie auf das Beatmungsgerät angewiesen und kam nicht mehr davon los. 

Mehrere Monate lang wurde sie stationär behandelt, wechselte zwischen verschiedenen Krankenhäusern, dann kam der Anruf, für den Sohn völlig überraschend: Seine Mutter werde entlassen, und zwar bald, innerhalb einer Woche musste eine Lösung für sie her. 

Slickers fragte überall herum, postete Hilferufe auf Facebook. Dann stieß er auf einen Intensivpflegedienst, der mehrere Beatmungs-WGs betreibt, unter anderem in Wuppertal: „Der erste Besuch war sehr nett“, sagt er, „das war für mich schon ein Glücksgriff in dem Moment.“

Jetzt sagt Slickers, er macht sich noch Vorwürfe, seine Mutter dorthin gebracht zu haben. Ein Sprecher des Pflegedienstes weist Kritik an der Qualität der Pflege zurück. Die Patientin sei zu jeder Zeit „intensiv, fürsorglich und pflegefachlich absolut sachgemäß“ versorgt worden. Slickers sieht das anders. Er sagt, er habe seine Erlebnisse bis jetzt nicht verarbeitet, er mache deshalb eine Psychotherapie. „Mein Eindruck war, dass es nur um den wirtschaftlichen Teil ging“, sagt er. „Meine Mutter war eine Geldquelle.“

Beatmung für Betroffene oft eine Tortur

Für die Betroffenen sei die Beatmung in vielen Fällen eine Tortur, sagt der Intensivfachpfleger und Pflegeberater Andreas Herzig. Die Kanüle steckt wie ein Fremdkörper im Hals; der Körper versucht, ihn abzustoßen und produziert Schleim. Damit der Betroffene daran nicht erstickt, muss die Kanüle alle paar Stunden abgesaugt werden. Und das gehe mit  Atemnot, Erstickungsgefühlen und Todesangst einher – vor allem, wenn die Geräte von fachlich nicht qualifizierten Pflegekräften bedient werden. „Der Mensch befindet sich im Dauerstress, im Abwehrstress“, sagt er. „Das ist keine Hilfe, das ist Folter.“

Herzig weiß, wovon er redet. Er hat 20 Jahre lang auf Intensivstationen gearbeitet und zweieinhalb Jahre in Beatmungs-WGs. Fast durchgehend habe es bei den Pflegediensten an qualifiziertem Personal gefehlt.

In allen WGs, wo er tätig war, sei er der einzige Intensivfachpfleger gewesen. Sonst hätten dort vor allem Altenpflegerinnen und Altenpfleger gearbeitet, die in Fortbildungen der Umgang mit den Geräten erlernt hatten. Die meisten seien heillos überfordert gewesen, sagt er: „Das hat mit Fachkompetenz nichts zu tun. Ein Altenpfleger kann das nicht leisten, was da gefordert wird.”

Herzig macht das wütend. Er arbeitet jetzt beim Palliativnetzwerk Witten und hat auch den Fall Hubert Kretz geprüft. Seit Jahren beobachtet er die Folgen des wirtschaftlichen Drucks im Gesundheitssystem und spricht von einem „Inkassosystem“ auf Kosten von Todkranken. Er selbst habe zwar dafür gesorgt, dass seine Patienten beim Absaugen nicht unnötig leiden müssen. „Aber ich kriegte auch mit, wie im Nebenzimmer der Altenpfleger mit der verstopften Kanüle nicht klarkommt. Damit hatte ich die größten Probleme.“ Viele der Patienten in den Beatmungs-WGs seien nicht mehr in der Lage, für sich zu sprechen und in dem System gefangen. 

Renditedruck aus der Geschäftsführung

Wie Andreas Herzig es sieht, liegt das Problem nicht allein bei den Pflegediensten: Da sind zum einen die Krankenkassen, die die Verordnungen der Ärzte nicht ausreichend prüften. Und da sind die Mediziner, die eine solche intensivpflegerische Versorgung verordnen.

Die erste Fehlentscheidung, sagt Herzig, werde in den Krankenhäusern getroffen: Auch dort werde oft auf Grundlage wirtschaftlicher Kennziffern entschieden. „Wenn der Patient nicht mehr genug abwirft, steigt der Druck, ihn zu entlassen. Vor dem Termin wird noch schnell die Kasse informiert. Und danach guckt niemand mehr, was aus dem Patienten wird.“ 

Ein weiterer Krankenpfleger, mit dem CORRECTIV und Frontal21 sprachen, bestätigt die Praktiken: „Die Patienten werden möglichst krank gehalten, damit man sie maximal abrechnen kann.“ Der Pfleger arbeitet in einer WG, die zu einer großen Pflegefirmengruppe gehört, die Muttergesellschaft der Gruppe sitzt in einem europäischen Nachbarland. Er will anonym bleiben. Mehrere Jahre lang war er in der Bereichsleitung tätig. 

Die Kanülen müssen regelmäßig abgesaugt werden. Das gehe mit „Atemnot, Erstickungsgefühlen und Todesangst“ einher, so beschreibt es ein Pfleger. © Anwar

Der Renditedruck sei von der Geschäftsführung gekommen und intern offen kommuniziert worden. „Es kommt zum Beispiel vor, dass in der Pflege erkannt wird, dass die maschinelle Beatmung nicht in dem Umfang nötig ist wie ärztlich angeordnet, zum Beispiel braucht der Patient keine 24 Stunden Beatmung, sondern nur zwölf“, sagt er. „Der nächste Schritt wäre dann eigentlich, eine neue Verordnung zu besorgen.“

Da eine 24-stündige Versorgung aber mehr Geld einbrächte, würden nach seinem Eindruck die notwendigen Dokumente und Meldungen nicht immer erstellt. Belege dafür gibt es nicht, und es lässt sich nicht prüfen, ob es sich um Einzelfälle handelt oder ob solche Methoden verbreitet sind. Aus den WGs dringe selten etwas nach außen, sagt er: „Die Patienten befinden sich in totaler Abhängigkeit vom Pflegedienst oder der Institution, in der sie sich befinden.“ 

Und nun beflügle die Coronakrise das Geschäft: Studien zufolge überleben gerade ältere und vorerkrankte Patienten schwere Verläufe bei maschineller Beatmung meist nicht. Und die, die nicht sterben, haben wenig Chancen, von den Geräten loszukommen. „Die Coronakrise ermöglicht dem Markt Zugang zu neuen Beatmungspatienten“, sagt der Pfleger. „Und einige landen in WGs wie unserer.“ Eine Corona-Patientin lebe nun in der WG, wo er arbeitet. Die habe sich von der Krankheit nicht erholt und werde weiter beatmet.

„Skalpierungsverletzung frontal beidseits“

August 2019. Hubert Kretz hat mit seinen beiden Enkeln einen Ausflug gemacht. Auf dem Heimweg verliert er auf der A3 nahe Königswinter die Kontrolle über sein Auto und überschlägt sich. Die Kinder tragen nur Schrammen davon, ihn selbst erwischt es schlimm. Das Autodach hat ihm die Kopfhaut abgetrennt, „Skalpierungsverletzung frontal beidseits“, steht im  Bericht der Uniklinik Köln, es gibt eine Liste von Diagnosen, Brüche, schwerste Schäden an Schädel, Hirn, Rückenmark, „posttraumatische Subarachnoidalblutung beiderseits“, „Fraktur des 4. Halswirbels“, „dislozierte Obitabodenfraktur“.

Jetzt sitzt Daniel Kretz mit seiner Frau am Wohnzimmertisch; hinter ihnen breitet sich das riesige Aquarium aus, das seinem Vater gehörte.

Nach dem Unfall bleibt Hubert Kretz zwei Monate im Krankenhaus. Dann ruft eine Mitarbeiterin an: Man könne nichts mehr für seinen Vater tun. Er werde daher entlassen, und zwar möglichst schnell. Daniel Kretz trifft diese Nachricht wie ein Schlag aus dem Nichts. Wohin mit einem Menschen, der im Wachkoma liegt, noch dazu mit Kanüle im Hals? „Wir haben händeringend gesucht“, sagt er.

Das Leben der Familie war ohnehin aus den Fugen: Seine Frau hatte gerade eine Krebserkrankung überstanden. Und die Kinder, zwei und vier, die mit im Auto gesessen hatten, machten eine Psychotherapie. Die Überlastung machte das Paar anfällig für schlechte Ratschläge. Als sie auf das Angebot in der Beatmungs-WG stießen, stellten sie nicht viele Fragen. „Wir waren in der Situation total dankbar“, sagt sie, „dass sich jemand um alles kümmert.“

Daniel Kretz holt einen Ordner, in dem er die Unterlagen abgeheftet hat, Berichte, Gutachten, Verträge. Zunächst musste er einen Mietvertrag mit der der Pflegefirma abschließen. Rund 680 Euro waren demnach für das 34-Quadratmeter-Zimmer an Miete pro Monat fällig. 436,80 Euro setzte die Firma für die intensivpflegerische Versorgung an – hochgerechnet auf 31 Tage macht das im Monat 13.540,80 Euro, so geht es aus einem Kostenvoranschlag an die Krankenkasse hervor. Rund 2000 Euro wurden für Sondenernährung, Lagern, Betten und Grundpflege berechnet. 

Pflegefirma und der Arzt bleiben klare Antworten schuldig

Ende Oktober 2019 zog sein Vater in die Beatmungs-WG in Köln. Wenige Monate später, um den Jahreswechsel herum, sagt der Sohn, habe er von der Logopädin gehört, dass die Trachealkanüle vielleicht entfernt werden könne. So schreibt die Logopädin es später auch in einem Bericht, der CORRECTIV und Frontal21 vorliegt: „Die Notwendigkeit der Versorgung mit einer Kanüle sollte dringlichst im Rahmen einer Schluckuntersuchung (FEES) abgeklärt werden; eventuell ist eine Dekanülierung möglich.“ 

Aber niemand schien ein Interesse daran zu haben, dass sein Vater das Loch im Hals los wird, sagt Daniel Kretz. Als er danach gefragt habe, hätten die Pflegekräfte gesagt: Er wisse aber schon, dass sein Vater die WG dann wieder verlassen müsse. Und so, wie das klang, sagt er, kam es ihm nicht so vor, als gäbe es eine Alternative, jedenfalls keine gute.

Das ist die Version von Daniel Kretz. Bestätigen lässt sie sich nicht. Die Pflegefirma schweigt dazu. Sie teilt lediglich mit, nicht sie, sondern der angeschlossene Arzt habe über die Leistungen entschieden. Zu allem anderen könne man wegen der Schweigepflicht keine Auskunft geben. Kretz hat die Firma gegenüber CORRECTIV und Frontal21 von ihrer Schweigepflicht entbunden. Dies ändere daran nichts, schreiben die Anwälte der Firma. 

Mit der Zeit wuchsen bei Daniel Kretz die Zweifel. Der an die WG angeschlossene Arzt, ein Allgemeinmediziner, sei praktisch nie greifbar gewesen, sagt Kretz.  „Es war komisch, dass in der Zeit, wo mein Vater da war, der angeschlossene Hausarzt sich nie gemeldet hatte, dass man lange Zeit keinen Kontakt hatte.“

Welche Therapieziele verfolgte der Arzt? Und welchen Zweck hatte die Trachealkanüle? Als gesetzlicher Vertreter war er jetzt für seinen Vater verantwortlich. Doch ohne klare Antworten konnte er keine Entscheidungen treffen.

Auch auf die Fragen von CORRECTIV und Frontal21 antwortet der Hausarzt nur äußerst knapp; die Vorwürfe weist er zurück, ohne näher auf die einzelnen Punkte einzugehen. 

Neues Intensivpflegegesetz soll „Fehlanreize“ beseitigen

Kretz beschreibt seinen Vater als aktiven Menschen, einen Naturwissenschaftler, der sich ohne Scheu mit Vorgesetzten anlegte und Ärzte lieber mied. Er habe nicht einmal Medikamente genommen, die er verschrieben bekam. Aber er hatte keine Patientenverfügung – das machte die Sache kompliziert. Sein Wille hätte im Gespräch mit dem Sohn ermittelt werden müssen. Aber wie es aussieht, war das kein Thema.

Eine dauerhafte Versorgung ohne Therapieziel, ohne Aussicht auf Besserung, und ohne auch den Willen des Patienten zu Rate zu ziehen – für den Palliativmediziner Matthias Thöns steht der Fall Hubert Kretz beispielhaft für Fehlentwicklungen eines renditeorientierten Gesundheitssystems. Thöns übernahm den Patienten, als er im Februar in das Altenheim in Witten verlegt wurde.

„Das Gruselige ist, dass sich relativ schnell feststellen ließ, dass er die Trachealkanüle nicht braucht“, sagt er, „er hat die ganzen normalen Reflexe im Hals, die normalen Hustenreflex, die normalen Schluckreflex.“  

Der Palliativmediziner kritisiert die medizinische Überversorgung Sterbenskranker seit vielen Jahren. Es ist nicht so, dass er die Intensivmedizin an sich ablehnt. Aber er sagt, er kennt viele Fälle, bei denen es so ähnlich läuft wie bei dem Rentner Hubert Kretz. „Experten sagen, dass das kein Einzelfall ist, sondern dass 70 Prozent der Menschen, in diesen Beatmungs-WGs langfristig diese Trachealkanüle nicht brauchen“, sagt er. „Das heißt, ich habe hier einen Patienten erwischt, der mit einer Behandlungsmaßnahme, die qualvoll ist, über lange Zeit behandelt wird, ohne dass irgendjemand die Indikation überprüft.“

Auch der Gesetzgeber hat die Missstände inzwischen erkannt: Mit dem neuen Intensivpflegegesetz will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) „Fehlanreize und Missbrauchsmöglichkeiten“ beseitigen. So steht es im Entwurf. Weiter heißt es darin: „Die bestehenden Qualitäts- und Versorgungsmängel in der außerklinischen Intensivpflege gefährden nicht nur die bedarfsgerechte Versorgung der Versicherten, sondern schaden auch der Solidargemeinschaft aller Krankenversicherten.“

Vorgesehen sind in dem Gesetz verbindliche Qualitätsmaßstäbe und regelmäßige Kontrollen. Zudem soll bei jedem Patienten in Zukunft frühzeitig untersucht werden, ob er von der Beatmung entwöhnt werden kann. Das Gesetz trat Ende Oktober 2020 in Kraft. Trotzdem gelten die Neuregelungen bisher größtenteils nicht: Derzeit liegt das Gesetz beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Der soll Richtlinien für die Umsetzung entwickeln.

Auch den Krankenkassen fehlt Überblick über Beatmungs-WGs

Bislang kümmert sich praktisch niemand darum, was aus den Patienten in den Beatmungs-WGs wird und ob sie dort richtig versorgt sind. Ob die Heimaufsicht zuständig ist, unterscheidet sich je nach Bundesland. Auch die Krankenkassen haben keinen vollständigen Überblick: „Eine regelhafte Überprüfung von Beatmungs-WGs ist noch nicht möglich“, teilt der Medizinische Dienst des Spitzenverbands der Krankenkassen (MDS) CORRECTIV und Frontal21 mit. Kontrolliert werden könne der Pflegedienst selbst, auch Stichproben in den WGs sind möglich. Die WGs an sich aber seien kein Prüfgegenstand.

Zwar, so sagt Jürgen Brüggemann, Leiter des Teams Pflege beim MDS, müssten die Pflegedienste der Krankenkasse melden, wenn sie mindestens zwei Personen in einer WG versorgen. Das Problem sei, dass sich die meisten Anbieter offenbar nicht daran halten: „Diese Anzeigepflicht wird nach meinen Kenntnissen jedoch in aller Regel nicht umgesetzt.“

Es gibt durchaus auch seriöse Anbieter, und für Patienten, die noch geistig wach und selbstständig sind, kann eine Wohngemeinschaft auch das Richtige sein. @ Anwar

Der explosionsartige Anstieg der Zahlen hat viele Gründe: Die alternde Gesellschaft gehört dazu, und die Fortschritte in der Intensivmedizin. All das reicht aber nicht aus, um den Boom der Beatmungs-WGs zu erklären, sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach – und fordert eine Überprüfung: „Medizinisch macht es keinen Sinn, dass es so stark zugenommen hat. Es ist auf jeden Fall dringend nötig, dass das untersucht wird.“ 

Die Recherche von CORRECTIV und Frontal21 zeige, so Lauterbach, wie notwendig das neue Intensivpflegegesetz sei. Zugleich bewege sich die Regierung auf einem schmalen Grat: Einerseits müsse sichergestellt sein, dass einwandfreie Beatmungs-WGs weiter existieren können. Noch strengere oder unangemeldete Kontrollen befürwortet er daher nicht.

„Der Bereich ist unterreguliert. Wir haben da jetzt nachgefasst, aber das Problem ist tatsächlich nach wie vor nicht ganz gelöst. Es ist traurigerweise so, dass es nach wie vor Anhaltspunkte gibt zu glauben, dass die Situation nach wie vor ausgenutzt wird.“

Wie sich die Coronakrise auf die Situation auswirken wird, ist nicht klar. Was mit den Menschen passiert, die nach einer Beatmung dann nicht mehr entwöhnt werden können, weiß niemand. Die Bundesregierung hat kein Konzept dafür, wie diese Patienten künftig versorgt werden sollen.

Gut möglich also, dass einige von ihnen in den Beatmungs-WGs landen: „Es gibt natürlich eine Gruppe von Langzeit-Beatmeten, die können natürlich in eine solche Situation abgleiten“, sagt Lauterbach. „Die Zahl der Patienten steigt ja seit Jahren auf der Grundlage unserer besseren intensivmedizinischen Möglichkeiten. Im Prinzip sind diese Fälle ja eine Kehrseite unserer Erfolge in der Intensivmedizin.“

Eine zentrale Rolle bei dem Boom spielen auch die Renditen. Denn wo es Geld und Gewinne gibt, da gibt es auch Angebote. Aber es sind nicht nur Pflegedienste, die daran Schuld sind. Es ist ein ganzes System, das seit den 90er Jahren auf Rendite getrimmt wurde.

Dazu gehören auch die Vergütungspauschalen der Krankenhäuser. Dort beginnt die Verwertungskette. Jens Geiseler, Chefarzt der Pneumologie an der Paracelsus-Klinik Marl und Leiter des angeschlossenen Weaning-Zentrums, zählt zu den führenden Experten für Langzeitbeatmung, er sagt: „Die Krankenhauserlöse sind gekoppelt an die Zahl der Beatmungsstunden. Je länger beatmet wird, desto höher die Erlöse.“ 

Großer Bettendruck, fehlende Kapazitäten für Entwöhnung

In spezialisierten Entwöhnungszentren, genannt Weaningzentren, könnten 60 Prozent aller Beatmungspatienten wieder von den Geräten entwöhnt werden: „Man erspart ihnen so das Schicksal einer Beatmungs-WG.“

Aber dort kommen sie meist nicht an: Aus Umfragen einiger Kassen wisse man, sagt Geiseler, dass rund 85 Prozent der invasiv beatmeten Patienten von den Intensivstationen in Einrichtungen entlassen werden, die nicht auf Entwöhnung spezialisiert sind. „Weil der Bettendruck zu groß ist und die Weaning-Zentren auch nicht jeden Patienten übernehmen können, da fehlen die Kapazitäten.“

Patrick Slickers ist die Bilder aus den letzten Monaten im Leben seiner Mutter nicht mehr losgeworden. Er steht noch an ihrem Grab, geht seine Erinnerungen im Kopf durch. „Das darf keinem alten, kranken Menschen passieren, der wehrlos ist“, sagt er.

Mitte Mai 2018 war sie in die Wuppertaler Beatmungs-WG eingezogen. Danach, sagt er, hatte er den Eindruck, dass sich ihr Zustand drastisch verschlechtert.  „Es war sehr schwierig, mit ihr über die Beatmung zu sprechen“, sagt er. „Sie sagte mir, dass es teilweise weh tut, dadurch, dass der Zugang an ihrem Hals wund war und stark verkrustet zwischendurch. Das Absaugen bereitete ihr Schmerzen. Sie hatte starke Erstickungsängste und Panikattacken.“ 

Der Intensivpflegedienst teilt mit, die Vorwürfe seien „in keiner Weise berechtigt“. Ein Interview will niemand geben, auch in der WG bekommen wir keinen Zugang.

Aber der Sprecher bietet an, die Pflegedokumentation von Agnes Cadman einzusehen. Das Büro liegt im zweiten Stock eines weiß geklinkerten Gewerbegebäudes einer nordrhein-westfälischen Kleinstadt. Der Sprecher hat in einem Büro die Akte bereitgelegt. Die ganze Zeit über sitzt er schweigend dabei; abfotografiert werden darf nichts. Bei den Unterlagen handelt es sich um tägliche Berichte und Listen, in denen die Tageszeiten der täglichen Pflegeleistungen eingetragen sind, Grundpflege, Absaugen, Medikamentengabe.

„Sie sagte, dass es teilweise weh tut, dadurch, dass der Zugang an ihrem Hals wund war und stark verkrustet. Das Absaugen bereitete ihr Schmerzen.” © Anwar

Patrick Slickers sagt, nach kurzer Zeit habe sich seine Mutter verändert gewirkt: Schon im Krankenhaus hatte sie starke Psychopharmaka erhalten, weil sie es sonst vor Angst nicht aushielt. Seit sie in der WG lebte, sei sie ihm apathisch vorgekommen, sagt Slickers. Einmal habe er sie wie weggetreten und nackt auf ihrem Bett vorgefunden, von Kot beschmiert. Fotos, die CORRECTIV vorliegen, bestätigen Kotflecken an ihren Händen. 

Der Sprecher verweist auf die Staatsanwaltschaft, die keine Nachweise für strafbares Verhalten fand. Patrick Slickers hatte Anzeige gegen den Pflegedienst wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Körperverletzung erstattet. Das führte zu nichts: Wie die Staatsanwaltschaft Wuppertal in einem Bescheid festhält, der CORRECTIV und Frontal21 vorliegt, stellte diese trotz der Fotos keine „hinreichenden Erkenntnisse eines strafbaren Verhaltens im Rahmen der medizinischen und pflegerischen Versorgung“ fest. 

Die Pflegeunterlagen sind weitgehend unauffällig. Allerdings ist festgehalten, dass Agnes Cadman bei ihrem Einzug wach und präsent gewirkt habe. Später notieren die Pflegekräfte oft, dass sie viel schläft. Der Grund ist dem nicht zu entnehmen. Auch soll sie häufig geklingelt haben, sehr häufig, „ohne Grund“ oder weil sie Angst vor dem Ersticken hatte. Das störte offenbar. Man habe ihr mehrfach mitgeteilt, dass die Klingel nur für Notfälle da sei. Der Sprecher teilt mit, die Patientin sei „häufig geistig verwirrt“ gewesen und habe sich „mit Kot beschmiert“. Dies sei „im Pflegealltag nicht ungewöhnlich.“ Sie sei aber regelmäßig gesäubert worden.

Hinter Pflegedienst stecken Holdings im Steuerparadies Luxemburg

Hinter dem Pflegedienst steckt eine komplexe, verschachtelte Gesellschaftsstruktur, eine Beteiligungsfirma in Süddeutschland, mehrere Holdings im Steuerparadies Luxemburg. Rund 20 Intensivpflegedienste gehören zu der Gruppe. Die Muttergesellschaft ist eine amerikanische Private-Equity, die weltweit in unterschiedlichen Geschäftsfeldern investiert.

Gerade in Niedrigzinszeiten gibt es viel Geld, das Anlagemöglichkeiten sucht. Im Internet locken Immobilien- und Finanzberater für Investments in Beatmungs-WGs. Die Immobilienfirma Estador zum Beispiel wirbt mit „Top Renditen“ und einem „zukunftssicheren Geschäftsmodell“ für Investments in Beatmungs-WGs.  „Auf dem sehr dynamischen Pflegemarkt verzeichnet das Teilsegment der außerklinischen Intensivpflege ein überproportionales Wachstum“, heißt es auf der Website der Firma.

Agnes Cadman blieb nur zehn Tage in der WG. Zum letzten Mal besuchte ihr Sohn sie dort am Abend des 24. Mai 2018. Da habe sie gezittert. Die Sauerstoffsättigung sei so stark abgefallen, dass ihre Lippen blau angelaufen gewesen seien. Dies ist schon einmal an diesem Tag passiert, steht in ihrer Akte. Slickers sagt, er habe in der WG darauf drängen müssen, dass ein Notarzt gerufen wird. Auch dies bestätigen die Unterlagen.

Der Sprecher der Firma sagt dazu, das Pflegepersonal habe „die erforderlichen Notfallmaßnahmen eingeleitet.“ Diese hätten zu einer Stabilisierung der Patientin geführt. Als der Notarztwagen eintrifft, ist die Agnes Cadman bewusstlos, das geht aus dem Bericht des Rettungsdienstes hervor. Die Rettungskräfte fahren die Patientin ins Helios-Klinikum Wuppertal.

Danach brachte Slickers seine Mutter nie wieder in die Beatmungs-WG zurück. Der Pflegedienst war aber offenbar nicht bereit, den Verlust der Patientin einfach so hinzunehmen. In Whatsapp-Nachrichten und Voicemails versuchten die Mitarbeiter vehement, ihren Sohn umzustimmen. Slickers fühlte sich drangsaliert. 

„Mit einem wirtschaftlichen Faktor verbunden“

Mehrere der Nachrichten liegen CORRECTIV und Frontal21 vor. Ein Mitarbeiter aus der Pflegedienstleitung argumentiert mit Nachdruck dafür, dass Agnes Cadman in der WG bleiben solle: Er sagt, dass ein anderer Pflegedienst, vielleicht keine gute Versorgung gewährleisten könne; bei dem Gedanken habe er „Magenschmerzen.“

An zwei Stellen führt er ausdrücklich ökonomische Aspekte an: „Wir sind ja eingesprungen, um Ihnen zu helfen, oder vielmehr ihrer Mutter zu helfen, dass sie adäquat versorgt wird“, sagt er. „Natürlich ist diese Hilfe für uns auch mit einem wirtschaftlichen Faktor verbunden.“ Für die Firma sei eine sofortige Entlassung „katastrophal“. Aber Slickers habe das Recht, frei zu entscheiden.

Dazu teilt der Sprecher mit, die Pflegekräfte hätten „in der Tat“ Bedenken gehabt, die Patientin nach so kurzer Zeit zu verlegen, um sie nicht der Belastung eines Umzugs auszusetzen. Die Nachrichten seien „Ausdruck der Sorge und Fürsorge“ gewesen. „Dass andere Motive, etwa wirtschaftliche, eine Rolle spielten, weisen wir zurück.“

Auch bei Daniel Kretz wurde das Misstrauen mit der Zeit stärker. Im Spätsommer 2020, knapp ein Jahr nach dem Einzug seines Vaters in der WG, beschloss er, eine Zweitmeinung einzuholen. So kam er in Kontakt mit dem Palliativmediziner Matthias Thöns. Der benötigte die Behandlungsdokumentation. Kretz sagt, er habe in der Praxis des Hausarztes mehrfach darum gebeten. Immer, wenn er dort anrief, sei er sich abgewimmelt vorgekommen. 

Gesprächsprotokolle und mehrere Mails seiner Anwältin an den Arzt liegen CORRECTIV und Frontal21 vor. Erst, als die Juristin vor Gericht eine einstweilige Verfügung beantragte, um die Herausgabe zu erzwingen, schickte der Arzt die Akte. Viel steht nicht drin. Im Grunde ist es nur eine Liste, die vor allem Verordnungen für Medikamente aufführt. Berichte gibt es nicht. Nichts weist darauf hin, dass der Arzt Hubert Kretz je untersucht hat. Eine einzige Befunddokumentation ist enthalten, fünf Worte, datiert auf den 11. Februar 2021: „Pat. ist unauffällig und stabil.“

Pflegekräfte sollen Druck auf Angehörige ausgeübt haben

Warum legte der Arzt nur diese dünnen Angaben vor? Aus welchem Grund wurden Behandlungen nicht genauer dokumentiert? Auf die Fragen von CORRECTIV und Frontal21 schreibt der Arzt nur: „Die Behandlung von Herrn Kretz wurde dokumentiert.“

Auch in der Beatmungs-WG in Köln schlug der Ton offenbar um, als sich abzeichnete, dass Daniel Kretz seinen Vater verlegen will.

„Es war eine unangenehme Situation, weil man merkte, wie die verärgert über einen waren und einen in aggressivem Ton anfuhren“, sagt er am Tisch in seinem Wohnzimmer. Für ihn hörte es sich so an, als hätten die Mitarbeiter seine Entscheidung in Zweifel gezogen und ihm sogar Vorwürfe gemacht: „Sie sagten, es müsste meinem Vater schon deutlich besser gehen – dass es nicht so sei, sei meine Schuld, weil ich ihn nicht oft genug besucht habe“, sagt er. „Es war nicht schön, was da gesagt wurde.“ Auch hierzu äußert sich der Intensivpflegedienst nicht.

Kretz blättert noch einmal in den Unterlagen, Berichten, Gutachten, Verträgen. Darunter ist ein Formular der Unfallversicherung, das der behandelnde Arzt ausfüllen sollte; die Antworten sind unvollständig und offenbar lustlos notiert. Auf die Frage, wann die Heilbehandlung abgeschlossen sein werde, schreibt der Arzt nur ein Wort: „Nie“. Die Behandlung hätte nie aufgehört, das Geld wäre weiter geflossen. Ohne Ende und ohne Ziel. 

Patientenverfügung
Ein langes Siechtum, angeschlossen an Geräte und Schläuche – wer so ein Szenario für sich ausschließen möchte, sollte seinen Willen in einer Patientenverfügung dokumentieren. Sie wird wirksam, wenn die Patientin oder der Patient nicht mehr in der Lage ist, über sich selbst zu entscheiden. Ärztinnen müssen sich daran halten, wichtig ist aber, dass die Patientenverfügung präzise und eindeutig formuliert ist. Denn das Dokument ist nur dann bindend, wenn der Patient exakt definiert hat, in welchem Zustand er welche Behandlungen nicht wünscht, etwa maschinelle Beatmung, Wiederbelebung oder künstliche Ernährung über Magensonde. Da es sich um ein komplexes Thema handelt, empfiehlt sich eine Beratung, Anlaufstellen sind Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbände oder der Hausarzt

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Nein, die Entwicklung des Meereises am Südpol stellt nicht die Wissenschaft über den Klimawandel infrage

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Am 8. April veröffentlichte der Verein „Europäisches Institut für Klima und Energie“ (Eike) einen Artikel, der den Klimawandel infrage stellen soll. Verbreitet wird er auch auf Facebook (hier und hier) und wurde laut dem Analysetool Crowdtangle bereits 1.800 Mal geteilt. 

Der Artikel behauptet in der Überschrift, das Meereis „an beiden Polen“ wachse, anstatt zu schrumpfen. Im Text steht dann, das Meereis am Südpol sei „auf einem Höhenflug“ – eine Tatsache, die die „Klimaille“ (mutmaßlich abwertende Bezeichnung für Menschen, die vor dem Klimawandel warnen) „nur schwer erklären“ könne. Der Text ist offenbar eine Übersetzung aus dem Englischen von dem Blog „Ice Age Now“. Das Wachstum des Meereises am Südpol sei nach „der Theorie der globalen Erwärmung“ ein „Ding der Unmöglichkeit“, wird behauptet.

Unsere Recherche zeigt: Die Entwicklung des Meereises am Südpol ist kein sinnvoller Indikator für den globalen Klimawandel und gleicht auch nicht den Eisverlust am Nordpol aus, wie im Artikel behauptet wird. 

Der Artikel verstrickt sich in Widersprüche und lässt wichtigen Kontext weg. So wird etwa in der Überschrift behauptet, das Eis sei an beiden Polen gewachsen, im Text heißt es aber, das Wachstum des Meereises in der Antarktis gleiche „das ‘fehlende’ Eis in und um die Arktis leicht aus“. Zudem fehlt die Information, dass für die Entwicklung des Eises die Meerestemperatur wesentlich wichtiger ist, als die Temperatur der Luft. Über den Verein Eike und seine Verbindung zur amerikanischen Klimawandelleugner-Lobby hat CORRECTIV umfassend berichtet.

Was ist Meereis? 

In dem Artikel heißt es, Satellitendaten zeigten, dass „die Meereisausdehnung um den Südpol in den letzten 40+ Jahren tatsächlich gewachsen“ sei. 

Aber was ist Meereis und welche Rolle spielt es für das globale Klima? Antworten auf die Fragen finden sich unter anderem auf der Seite meereisportal.de. Bei der Internetseite handelt es sich um eine Kooperation mehrerer Forschungseinrichtungen mit der Universität Bremen. 

Auf der Seite wird erklärt, dass es sich bei Meereis um gefrorenes Meer-, also Salzwasser, handelt, das auf den Ozeanen schwimmt. Neben dem Meereis gebe es außerdem noch das sogenannte Schelfeis und das Landeis, beides bestehe aus Süßwasser. Ideale Bedingungen für die Bildung von Meereis lägen im Winter vor, Einflussfaktoren für die Bildung von Meereis seien Wind- und Meeresströmungen.

Die Seite Meereisportal.de veranschaulicht den Unterschied zischen Meereis aus Salzwasser und Eis aus Süßwasser mit einer Grafik
Die Seite Meereisportal.de veranschaulicht den Unterschied zischen Meereis aus Salzwasser und Eis aus Süßwasser mit dieser Grafik (Quelle:meereisportal.de / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Meereis am Nordpol schrumpft – am Südpol gibt es keinen eindeutigen Trend

Wie viel Meereis es gibt, hänge stark von den Jahreszeiten ab, heißt es auf der Webseite weiter. Wesentlich sei aber auch, ob man den Nordpol (Arktis) oder den Südpol (Antarktis) betrachte. Denn dort seien die Entwicklungen des Eises sehr verschieden. 

So schreibt das Deutsche Klima-Konsortium auf seiner Internetseite, dass „das Meereis rund um den Nordpol schrumpft“. Sowohl das Eisvolumen als auch die dort mit Eis bedeckte Ozeanfläche sei „seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 stetig zurückgegangen – um durchschnittlich mehr als zehn Prozent pro Dekade“. Für den Südpol lasse sich bisher aber noch kein Trend ausmachen. 

Auf unsere Anfrage schickte uns das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) eine ausführliche Stellungnahme per E-Mail zu: „In der Antarktis ist seit Beginn der kontinuierlichen Satellitenbeobachtungen im Jahr 1979 in den Monaten November bis Januar ein leicht abnehmender, in den Monaten Februar bis Oktober ein leicht zunehmender Trend im Monatsmittel der Meereisausdehnung zu verzeichnen“. In den Jahren 2016/17 habe die Meereisausdehnung plötzlich stark abgenommen, im Jahr 2020/21 sei „die Eisbedeckung jedoch wieder auf das langjährige mittlere Niveau gestiegen“. 

Anders als im Beitrag von Eike behauptet, kann man also nicht sagen, dass sich die Entwicklung des Meereises in der Antarktis „auf einem Höhenflug“ befindet. 

Das zeigt auch eine Grafik, auf die uns Dirk Notz, Professor für Meereis und Kryosphäre an der Universität Hamburg, in einem Telefonat hinweist. Sie wurde mit Hilfe der Daten der zwischenstaatlichen Organisation Eumetsat mit Sitz in Darmstadt erstellt und zeigt die tagesaktuelle Entwicklung des Meereises am Nord- (links) und Südpol (rechts).

Im Vergleich ist zu erkennen, dass sich aktuell weniger Meereis am Nordpol (Arctic Sea) bildet (schwarze Linie) als in den 80er oder 90er Jahren (violette und blaue Linien). Für den Südpol (Antarctic Sea) ist keine so eindeutige Entwicklung sichtbar. 

Ein Diagramm, dass die Meereisentwicklung am Nord- und Südpol zeigt
Diagramm der Meereisentwicklung am Nord- (links) und Südpol (rechts) (Quelle: OSI SAF Sea Ice Index v2.1r / Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Welche Bedeutung hat die Lufttemperatur für den Südpol?

In dem Artikel von Eike wird außerdem behauptet, dass „die Temperatur auf dem Kontinent [in der Antarktis, Anm. d. Red.] keinen wirklichen Trend“ aufweise. Diese Aussage stimmt, doch ihr fehlt Kontext.

In seiner Stellungnahme weist das AWI darauf hin, dass sich die Temperatur am Südpol je nach Gebiet unterschiedlich entwickle: „Es gibt Gebiete, die starke Erwärmung zeigen, insbesondere an der Antarktischen Halbinsel, wo die Temperatur um mehr als 2,5 °C in 50 Jahren angestiegen ist“, schreibt das Institut. Auch der Weltklimarat weist in seinem Sonderbericht darauf hin, dass es zwar keine gleichförmige Entwicklung in allen Teilen der Antarktis gebe. Die östliche Antarktis weise insgesamt keine signifikante Veränderung auf, aber der westliche Teil des Kontinents habe sich erwärmt. 

Zusammen mit der behaupteten Entwicklung des Meereises suggeriert der Beitrag von Eike, dass die Eismassen am Südpol nicht vom Klimawandel bedroht seien. Doch das Argument führt in die Irre. Übereinstimmend erklären uns Dirk Notz und das AWI, dass die Eisentwicklung des Landeises am Südpol weitgehend unabhängig von der Lufttemperatur sei. 

Meerestemperatur ist für Eisentwicklung am Südpol entscheidender als Lufttemperatur

Der Südpol besitze im Gegensatz zum Nordpol eine gewisse Resistenz gegenüber Veränderungen der Lufttemperatur. „Während der Arktische Ozean ein Binnenmeer ist, das von Landmassen umsäumt ist, ist die Antarktis ein Kontinent, der von einem Ozean umgeben ist“, erklärt das AWI in seiner Stellungnahme. Zum einen wirke der Eisschild am Südpol wie ein großer Kühlschrank, und zum andere gebe es den sogenannten Antarktischen Zirkumpolarstrom, der die Antarktis umfließt und „den antarktischen Kontinent thermisch isoliert“, wie es bei meereisportal.de heißt. Beides stabilisiere die Region gegenüber klimatischen Veränderungen.

Das sei der Grund dafür, sagt uns Dirk Notz, dass für die Eisentwicklung am Südpol die Meerestemperatur wesentlich wichtiger sei als die Lufttemperatur. Für wärmeres Wasser in der Antarktis sorgten „tiefere Meeresströmungen”, die „mehr Wärme in Richtung Antarktis“ transportierten, so das AWI. So werde „insbesondere das Schmelzen von Schelfeis“ (Eis, das sich vom Land ins Wasser erstreckt) beschleunigt. 

Auf der Webseite des Deutschen Klima-Konsortiums heißt es mit Verweis auf den Sonderbericht des Weltklimarates, dass „Teile des antarktischen Eispanzers“, also des Eises auf dem Festland, starke Verluste zeigten. Dort gingen „seit 2006 etwa 150 Milliarden Tonnen Eismasse pro Jahr verloren“. Der Weltklimarat führt diese Entwicklung auf den globalen Klimawandel zurück. Dazu, dass das Landeis in der Antarktis seit Jahren schrumpft, haben wir auch Anfang 2020 einen Faktencheck geschrieben. 

AWI: Der Rückgang des Meereises am Nordpol ist für das Klima bedeutsamer als Zuwächse am Südpol  

Am Ende des Texte behauptet Eike, dass „die Zuwächse in der Antarktis das ‚fehlende‘ Eis in und um die Arktis leicht“ ausgleichen würden. Die Aussage überrascht, da sie in direktem Widerspruch zur Überschrift des Artikel steht. Dort wurde fälschlich behauptet, dass das Meereis an beiden Polen wachse. 

Inhaltlich ist auch die Aussage, das Eiswachstum am Südpol würde den Verlust am Nordpol ausgleichen, falsch. Darüber hat die Seite klimafakten.de bereits im Juni 2016 geschrieben. Die Webseite ist eine Initiative der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation, in ihrem Wissenschaftlichen Beirat sitzen zahlreiche Forschende. 

Auch das AWI erklärt in seiner Stellungnahme an uns, dass „der Schwund des sommerlichen Meereises am Nordpol deutlich schwerwiegendere Folgen“ für den Energiehaushalt der Erde habe, „als der winterliche Zuwachs am Südpol“. 

Mit Verweis auf den Bericht des Weltklimarates aus dem Jahr 2013 schreibt klimafakten.de, dass die Ausdehnung des Meereises „zwischen 1979 und 2012“ in der Arktis um etwa 3,8 Prozent pro Jahrzehnt zurückgegangen sei, während in der Antarktis ein Wachstum um nur „etwa 1,5 Prozent pro Jahrzehnt“ zu verzeichnen gewesen sei. Dirk Notz, von der Universität Hamburg, sagt im Telefongespräch, dass man davon ausgehen müsse, dass der Nordpol in 10 bis 30 Jahren zeitweise frei von Meereis sei. 

Schmilzt das Meereis, wird weniger Sonnenlicht reflektiert und die Ozeane erwärmen sich

Das Alfred-Wegener-Institut erklärt uns per E-Mail: „Geht Landeis oder Inlandeis durch Schmelzen verloren, fließt Schmelzwasser in den Ozean, das den Meeresspiegel ansteigen lässt. Meereis hingegen schwimmt, wie der Name sagt, auf dem Meer; und wenn es schmilzt, hat dies praktisch keine Auswirkungen auf den Meeresspiegel.“ Schmelze beispielsweise das gesamte Landeis von Grönland, stiege der Meeresspiegel „um mehr als 65 Meter“. 

Beim Verlust des Meereises sei jedoch der sogenannte Albedo-Effekt und dessen Wirkung auf den Temperaturhaushalt der Erde entscheidend. „Wenn ein Ozean seine Eisbedeckung verliert, nimmt er mehr Wärme auf – denn die helle Eisoberfläche reflektiert einen Großteil der Sonnenstrahlung (Albedo), während das dunkle Wasser sie stärker absorbiert“, so das AWI. Im Sommer sei dieser Effekt aufgrund der Sonneneinstrahlung stärker als im Winter.

Das führt zu einem sich selbst verstärkenden Prozess. Gibt es weniger Meereis, wird mehr Strahlung aufgenommen und es kommt zu einer noch stärkeren Eisschmelze. Das ist der sogenannte Eis-Albedo-Rückkopplungseffekt. Laut dem AWI hat dieser Effekt bereits dazu geführt, „dass sich die Arktis doppelt bis dreifach so schnell erwärmt wie der Rest der Erde“. 

Weil das Meereis am Nordpol vor allem im Sommer zurückgehe, habe das „für den Energiehaushalt der gesamten Erde“ deutlich „schwerwiegendere Folgen als der winterliche Zuwachs am Südpol“.

Fazit: Eine Zunahme des Meereises am Südpol ist kein Beweis, dass Theorien über den Klimawandel falsch sind

Der Artikel auf der Webseite von Eike ist irreführend: 

  1. Bei der langfristigen Entwicklung des Meereises am Südpol lässt sich laut Forschenden kein klarer Trend ausmachen – in manchen Jahren gibt es einen Rückgang, in manchen ein Wachstum. 
  2. Die Überschrift des Artikels ist falsch – das Meereis am Nordpol wächst nicht, sondern geht seit Jahren stark zurück.
  3. Anders als im Artikel behauptet, werden die Verluste des Meereises am Nordpol nicht durch Zuwächse am Südpol ausgeglichen. 
  4. Die Eismassen auf dem Festland am Südpol a schrumpfen ebenfalls seit Jahren. 
  5. Für das globale Klima ist die Entwicklung des Meereises am Nordpol relevanter als ein Zuwachs am Südpol: Weil es schmilzt, heizt die Sonne die Ozeane weiter auf. 

Redigatur: Steffen Kutzner, Alice Echtermann

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Infoseite des Deutschen Klima-Konsortiums zum Thema Meereis: Link
  • Infoseite des Deutschen Klima-Konsortiums zum Thema Landeis: Link
  • Sonderbericht des Weltklimarates „Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate“: Link
  • Faktencheck der Seite Klimafakten.de: Link
  • Infoseiten des Meereisportals: Link

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Israel: Nein, ein Bericht des Israeli People’s Committee belegt keine erhöhte Sterblichkeit durch Covid-19-Impfungen

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

In den Blogs Reitschuster, TKP und auf der Webseite Epoch Times wird ein Bericht einer Organisation namens Israeli People’s Committee (IPC) zitiert. Er soll angeblich einen Anstieg der Sterblichkeit durch die Covid-19-Impfungen in Israel belegen. In allen Berichten wird das IPC als „Gremium aus führenden israelischen Gesundheitsexperten“ bezeichnet. Die Artikel wurden laut dem Analysetool Crowdtangle insgesamt mehr als 13.000 Mal auf Facebook geteilt.  

Die Berichte suggerieren nach unseren Recherchen falsche kausale Zusammenhänge.

Das IPC hat zwar tatsächlich Meldungen über angebliche Nebenwirkungen und Todesfälle nach Covid-19-Impfungen in Israel gesammelt und einen Bericht dazu veröffentlicht. Die Bezeichnung „Gremium von führenden Gesundheitsexperten“ ist jedoch irreführend. Die Verantwortlichen sind laut der Webseite ein Psychiater, drei Rechtsanwältinnen, eine Familienärztin, eine Finanzwissenschaftlerin, zwei Kriminologen und ein Medizinstudent. Lediglich eine Person habe einen Master of Public Health in Biologie und Epidemiologie. Sowohl die Webseite als auch die Facebook-Seite des IPC wurden nach unseren Recherchen im März 2021 neu gegründet. 

Die Fälle, über die das IPC berichtet, sind zudem nicht verifiziert; ein Zusammenhang mit Impfungen ist nicht belegt. Es gibt keine Belege für einen Zusammenhang zwischen Covid-19-Impfungen und einem Anstieg der Sterblichkeit in Israel. Vielmehr korreliert die erhöhte Sterblichkeit dort mit der Corona-Welle seit Mitte Dezember. 

Die israelischen Faktenchecker von The Whistle haben bereits einen ausführlichen Faktencheck zu dem IPC-Bericht verfasst. Insgesamt stimmen sie zwar der Kritik zu, dass die Daten des Gesundheitsministeriums nicht transparent genug seien – doch die Behauptungen des IPC seien mit großer Vorsicht zu betrachten und hätten zahlreiche Lücken. 

Bericht des Israeli People’s Committee belegt keinen Zusammenhang zwischen Todesfällen und Impfungen

Auf der Webseite des IPC findet sich ein Bericht über Todesfälle und Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen. Er wurde in mehrere Sprachen übersetzt. In der englischen Zusammenfassung von April 2021 heißt es, die Organisation habe 288 Berichte über Todesfälle in zeitlicher Nähe zur Impfung gesammelt. Das seien wesentlich mehr als die 45, die das israelische Gesundheitsministerium offiziell nenne. 

Ob die Fälle, die das IPC gesammelt hat, echt sind, lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Sie umfassen mit Stand 25. April etwas mehr als 300 Todesfälle und alle möglichen Krankheiten, von Schlaganfällen und Herzinfarkten über Tinnitus und hohen Blutzucker bis hin zu bakteriellen Infektionen oder Aids. Fest steht, dass ein Zusammenhang zur Impfung bei all diesen Meldungen nicht belegt ist. Das schrieb das IPC sogar selbst auf seiner Facebook-Seite. Todesfälle oder andere Ereignisse können nach Impfungen auch zufällig auftreten, ohne durch den Impfstoff verursacht zu sein. Aids ist nachweislich eine Krankheit, die durch HI-Viren (HIV) ausgelöst wird. 

Das IPC verweist in seinem Bericht zum Beispiel auch auf die US-Datenbank VAERS (Vaccine Adverse Event Reporting System) als angeblichen Beleg, dass noch nie so viele Menschen durch Impfungen „geschädigt“ worden seien. In der Datenbank werden unerwünschte Ereignisse nach Impfungen dokumentiert. Wie wir jedoch bereits in Faktenchecks erklärt haben, handelt es sich dabei um nicht-verifizierte Meldungen von Verdachtsfällen, nicht um bestätigte Nebenwirkungen.

Während die Corona-Fallzahlen stiegen, erhöhte sich auch die Sterblichkeit in Israel

Eines der Hauptargumente im Bericht des IPC ist, dass es von Januar bis Februar 2021, „mitten in der Impfkampagne“, einen Anstieg der Gesamtsterblichkeit in Israel um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben habe. Es gebe eine „starke Korrelation“ zwischen der Zahl der Impfungen und der Zahl der Todesfälle pro Tag. 

Diese Behauptungen werden in den Artikeln bei Reitschuster und Epoch Times fast wörtlich wiedergegeben. Im Artikel von TKP wird behauptet: „Die Impfkampagne in Israel hatte nicht nur zu steigenden Covid-Todesfällen geführt, sondern auch zu einer klaren Übersterblichkeit sowohl in der Altersgruppe über 65 als auch in der Kohorte zwischen 45 und 64 Jahren.“ 

Das stimmt nicht. Es gibt keine Belege für einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfungen und Übersterblichkeit. 

Laut den israelischen Faktencheckern von The Whistle sind die vom IPC genannten Zahlen zwar fast korrekt – insgesamt habe es im Januar und Februar 2021 nach Berechnungen von The Whistle einen Anstieg der Sterbefälle um 17,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben. Der Anstieg der Todesfälle sei jedoch auf Covid-19 zurückzuführen gewesen.  

Impfschutz setzt erst nach zwei Wochen ein 

Die Impfungen begannen in Israel am 19. Dezember 2020 mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Die Corona-Fallzahlen und Todesfälle sind dennoch seit Mitte Dezember 2020 stark gestiegen. Der Grund ist, dass die Impfungen noch nicht sofort wirksam gegen SARS-CoV-2 schützen.

In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Immunologie von Anfang Januar 2021 hieß es zum Biontech-Impfstoff: „Der Impfschutz beginnt frühestens 14 Tage nach der ersten Impfung und die hohe Effizienz von 94 Prozent bzw. 95 Prozent wurde erst ab Tag 7 bzw. 14 nach der zweiten Impfung dokumentiert.“ Weil der Impfschutz erst etwa zwei Wochen nach der ersten Dosis zu wirken beginnt, hätten die Impfungen den Anstieg der Corona-Fälle im Dezember in Israel nicht verhindern können.

Phasen der Übersterblichkeit korrelieren mit Corona-Todesfällen

Im Blog TKP wird als Quelle für die Übersterblichkeit in Israel auf das Portal Euromomo verwiesen. Dort wird die Mortalität in europäischen Ländern, aber auch in Israel, auf wöchentlicher Basis dokumentiert. Todesursachen werden dort nicht dargestellt; man sieht lediglich, wann es zu Perioden der „Übersterblichkeit“ kam, wann also mehr Menschen starben als normalerweise zu erwarten wäre. 

In Israel gab es zwei große Corona-Wellen: eine im September und Oktober 2020, als noch nicht geimpft wurde, und eine zweite von Mitte Dezember bis Mitte Januar 2021. Parallel zu beiden Corona-Wellen stieg die Sterblichkeit in Israel an. 

Die Mortalitäts-Kurve auf Euromomo für Israel zeigt ab der 52. Kalenderwoche 2020 (der Woche um Weihnachten) einen Anstieg der Gesamtmortalität. Dieser passt zeitlich zum Anstieg der Covid-19-Todesfälle während der zweiten Welle. Einen ganz ähnlichen Anstieg der Sterblichkeit gab es aber auch während der ersten Corona-Welle im September und Oktober 2020 – ohne Impfungen. Die Impfungen begannen wie bereits erwähnt am 19. Dezember.

Ab der 4. Kalenderwoche 2021 sank die Sterblichkeit in Israel wieder (25. bis 31. Januar). Auch das passt zur Entwicklung der Covid-Fälle. Der Höhepunkt der Corona-Todesfälle während der zweiten Welle in Israel lag laut WHO-Dashboard in genau dieser Woche – am 26. Januar 2021. 

Euromomo: Mortalität in Israel
Gesamtmortalität in Israel seit Anfang 2020. Der rote Pfeil zeigt auf die 41. Kalenderwoche 2020 (5.-11. Oktober), der grüne Pfeil auf die 4. Kalenderwoche 2021 (25.-31. Januar). (Quelle: Euromomo / Screenshot am 10. Mai 2021: CORRECTIV.Faktencheck)
WHO: Corona-Fälle in Israel
Wöchentlich neu gemeldete bestätigte Corona-Fälle und -Todesfälle in Israel seit März 2020. Der rote Pfeil zeigt auf die 41. Kalenderwoche 2020 – der grüne Pfeil auf die 4. Kalenderwoche 2021. (Quelle: WHO / Screenshot am 10. Mai 2021: CORRECTIV.Faktencheck)

Sterblichkeit ging noch während der Impfkampagne in Israel zurück 

In dem offiziellen Corona-Dashboard Israels kann man sehen, dass der Höhepunkt der täglich verimpften Dosen Mitte Januar 2021 erreicht war. Aber auch bis Mitte Februar wurde noch sehr viel geimpft. Inzwischen sind mehr als 50 Prozent der Menschen in Israel vollständig geimpft – mehr als fünf Millionen Menschen. 

Israel Corona-Dashboard: Impfungen
Pro Tag verabreichte Impfdosen in Israel, die Grafik aus dem Dashboard haben wir automatisch übersetzt aus dem Hebräischen mit Google Translate (Screenshot am 10. Mai 2021: CORRECTIV.Faktencheck)

Es lässt sich kein Zusammenhang der Sterblichkeit zur Impfkampagne ablesen. Wie bereits erwähnt, ging laut Euromomo die Sterblichkeit ab der 4. Kalenderwoche (25. bis 31. Januar) zurück – noch während der Impfkampagne. 

Euromomo: Mortalität in Israel seit November 2020
Die Mortalität in Euromomo von der 46. Kalenderwoche 2020 (ab 9. November) bis heute. Seit der 4. Kalenderwoche 2021 (ab 25. Januar) sinkt die Kurve. (Screenshot am 10. Mai 2021: CORRECTIV.Faktencheck)

Es gibt also keinen Beleg dafür, dass die Übersterblichkeit in Israel Anfang des Jahres etwas mit den Impfungen zu tun hatte. Vielmehr ist es plausibel, dass die Menschen an Covid-19 starben. Auf diesen Zusammenhang weisen auch die israelischen Faktenchecker von The Whistle hin. 

Studie zeigt Effektivität der Impfungen in Israel

Wissenschaftlichen Analysen zufolge ist das Absinken der Fallzahlen und Todesfälle auf die Impfungen zurückzuführen. Am 5. Februar 2021 berichtete das Wissenschaftsmagazin Nature, die Daten würden einen Rückgang der Fallzahlen durch die Impfungen zeigen. Das israelische Gesundheitsministerium habe etwa eine halbe Million Covid-19-Infektionen untersucht. 90 Prozent der Über-60-Jährigen in Israel hätten bereits ihre erste Impfdosis erhalten, und die Infektionen in dieser Altersgruppe seien um 41 Prozent zurückgegangen. In der jüngeren Altersgruppe, von der bis zum 5. Februar nur 30 Prozent geimpft worden seien, sanken die Fallzahlen dagegen nur um 12 Prozent.

Eine am 24. Februar veröffentlichte Studie im New England Journal of Medicine verglich zudem Daten von rund 600.000 frisch geimpften Israelis mit einer ungeimpften Kontrollgruppe vom 20. Dezember bis 1. Februar. Es zeigte sich, dass zwei Dosen der Impfung die symptomatischen Covid-19-Fälle um 94 Prozent reduzierten, die Rate der Krankenhausaufenthalte sank um 87 Prozent, und die Anzahl schwerer Covid-19-Fälle fiel um 92 Prozent. Die geschätzte Effektivität, Todesfälle zu verhindern, lag der Studie zufolge bei 72 Prozent im Zeitraum zwischen 14 und 20 Tagen nach der ersten Impfdosis. Von Tag 21 bis 27 lag die Effektivität bei 84 Prozent.

Die Grafik aus der Studie im „New England Journal of Medicine“ zeigt die kumulative Inzidenz der verschiedenen Endpunkte (zum Beispiel Hospitalisierung und Tod) ab dem Tag der ersten Impfdosis und vergleicht sie mit der ungeimpften Kontrollgruppe (blaue Linien) in Israel (Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wer sind die Mitglieder des Israeli People’s Committee? 

Als wir am 7. Mai auf der Webseite des Israeli People’s Committee nachschauten (hier archiviert), waren dort zehn Personen als Beteiligte vermerkt:

  • ein Psychiater (Pinki Feinstein)
  • drei Rechtsanwältinnen (Irit Yankovich, Rotem Brown und Itai Yaffa)
  • zwei Kriminologen (Etty Elisha und Nati Ron’el)
  • eine Familienärztin (Galit Tzefler Naor)
  • eine Frau mit einem Master of Public Health in Biologie und Epidemiologie (Ella Naveh)
  • eine „Leiterin der Abteilung für Rechnungswesen“ der Universität Tel Aviv (Etty Einhorn)
  • ein Medizinstudent (Eithan Marshand) 

Zu einigen Personen fanden wir mit der Schreibweise der Namen auf der Webseite keine Informationen. Für „Etty Einhorn“ beispielsweise findet man nichts, aber für „Eti Einhorn“ gibt es Belege, dass sie in Tel Aviv Finanzwissenschaftlerin ist. 

Eine Person namens „Nati Ron’el“  konnten wir ebenfalls unter diesem Namen nicht finden. Es gibt aber einen klinischen Kriminologen und Autor namens Natti Ronel, der als Professor mit dem Schwerpunkt Kriminologie an einer Universität in Israel genannt wird. 

Der Psychiater Pinki Feinstein ist aktiv auf Facebook, seine Webseite (hier archiviert) und sein Twitter-Account sind jedoch schon seit Jahren inaktiv.

Am 10. Mai waren dann nur noch sechs Personen auf der Webseite des IPC aufgelistet: Feinstein und Einhorn, zwei der Rechtsanwältinnen (Yankovich und Brown), die Familienärztin Galit Tzefler Naor und Ella Naveh (Master of Public Health). 

Dafür, dass die Mitglieder des IPC „führende Gesundheitsexperten“ in Israel sind, fanden wir keine Belege. Laut der Facebook-Seite des IPC veranstaltet die Initiative Aktionen gegen die Corona-Maßnahmen und verteilt Flyer

Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Euromomo-Portal: Link 
  • Faktencheck von The Whistle: Link (Hebräisch)
  • Artikel von Nature über sinkende Fallzahlen durch Impfungen in Israel: Link (Englisch)
  • Covid-Dashboard der WHO zu Israel: Link (Englisch)
  • Offizielles Corona-Dashboard aus Israel: Link (Hebräisch)
  • Studie im New England Journal of Medicine: „BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine in a Nationwide Mass Vaccination Setting“: Link (Englisch)

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Newsletter Soziales Quartiersmanagement Lindweiler MAI

Liebe Lindweilerinnen und Lindweiler,

 

der Newsletter Mai im Überblick:

 Rückblick Veedelsbeirat am 29.4.

Mitmachen beim Kunstprojekt Pingenweg

Neues vom Bürgerverein Lindweiler

  1. Sommercircus 2021
  2. Telefonaktion 12.05.„Alter, Pflege und Demenz“
  3. Kurz & Bündig

 

1. Rückblick Veedelsbeirat

Am 29.04. kam der Veedelsbeirat erstmals digital zusammen. Folgende Projekte für Lindweiler wurden neu bewilligt:

 Durchführung von künstlerischen Workshops mit BewohnerInnen / GAG (Neugestaltung der Kellerabgänge Stangenroder Weg und Unnauer Weg)

 Sommer-  oder Oktoberfest / Bürgerverein Lindweiler e.V. (als Ersatz für den coronabedingt entfallenen Tanz in den Mai)

 

Die neue Antragsfrist für den Verfügungsfonds ist der 15. Juli 2021, der nächste Veedelsbeirat tagt am 09. September 2021.

 

Zu jeder Sitzung des Veedelsbeirats können alle BürgerInnen auf diesen Wegen ihre Fragen und Anregungen einbringen

Über den Bezirksbürgermeister, den Lino-Club oder den Lindweiler Treff

Schriftlich per Mail mindestens eine Woche vorher an lindweiler@stadt-koeln.de

 

Das ausführliche Protokoll zur letzten Sitzung finden Sie hier: 

https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=819293&type=do

 

2. Mitmachen beim Kunstprojekt Pingenweg

Seit Anfang Mai läuft wie bereits in den letzten Newslettern angekündigt die künstlerische Gestaltung der Unterführung Pingenweg. Ende Mai wird es für alle Lindweilerinnen und Lindweiler an 2 Tagen die Möglichkeit geben, direkt mitzuwirken bzw. sich vor Ort ein Bild zu machen. Wir sind hier mit den Beteiligten in der letzten Abstimmung. Hier werde ich bald per Aushang, Facebook etc. konkrete Infos geben.

 

3. Neues vom Bürgerverein Lindweiler

Der Bürgerverein Lindweiler hat einen neuen Vorstand gewählt:

https://www.bv-lindweiler.de/ueber-uns/vorstand/

 

4. Sommercircus 2021

Beim Ferienangebot in der Circushalle Linoluckynelli (linoclub) gibt es in der 1., 4. Und 5. Ferienwoche viel zu erleben! Es gibt kreative und sportliche Angebote, Spiele, Circus und Entspannung – für jeden ist etwas dabei! Das Ferienprogramm ist für alle Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren.

Ort: Trainingshalle Linoluckynelli am Unnauer Weg 96a (Zugang über Krombachweg)

Zeit: Täglich von 10 bis 16 Uhr statt. Ab 9 Uhr kann gefrühstückt werden

Kosten: 15€ für eine Woche, inkl. Mittagessen und Material

Infos und Anmeldung (ab 17.05.2021) per E-Mail an linoluckynelli@lino-club.de

(Die Umsetzung des Ferienprogramms richtet sich nach der dann aktuellen Corona-Situation).

Auch die Offene Tür des linoclub wird ein Kinderferienprogramm anbieten, hierzu bald mehr in der Stadtteilzeitung.

 

5. Telefonaktion „Alter, Pflege und Demenz“  am 12.05.

Ein kurzfristiger Hinweis: Zum internationalen Tag der Pflege am 12. Mai 2021veranstaltet das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz Köln und das südliche Rheinland eine Telefonaktion. Interessierte, Betroffene und pflegende Angehörige können ihre Fragen zum Thema Pflege stellen. Wie kann ich finanzielle Unterstützung von der Krankenkasse erhalten? Wer und was kann mich zu Hause bei der Pflege und Betreuung unterstützen? Wie kann ich ausländische Betreuungs- und Hilfskräfte in Anspruch nehmen? Was kommt auf mich zu, wenn mein Angehöriger in ein Seniorenheim zieht? Diese und weitere Fragen werden von Experten aus dem Bereich der Altenhilfe beantwortet.

Sie erreichen das Expertenteam am 12.05. von 9-17 Uhr unter 02203 – 358 95 10 oder 02203 – 358 95 11, mehr Infos finden Sie im angehängten Flyer. Ihre Fragen können Sie gerne auch per E-Mail an region-koeln@rb-apd.de senden.

 

6. Kurz und Bündig

 

Vom 03.-06.05. fand in Chorweiler am Liverpooler Platz die erste mobile Impfaktion Kölns statt, insgesamt wurden rund 2.600 Menschen geimpft. Mehr zum Thema und auch zur Kritik an der Kommunikation rund um die Aktion: https://chorweiler-panorama.de/2021/05/11/impfaktion-in-chorweiler-beendet/

Die nächsten Termine „Lindweiler spricht!“: 04.06. 10-12 Uhr  und  18.06. 14-16 Uhr

Austausch rund um Lindweiler alle 14 Tage

freitags auf dem Marienberger Hof

Ergebnis des Namenswettbewerbs:  Die neue Fahrradbücherei des linoclub hört auf den Namen „Lieselotte“. Die GewinnerInnen werden in der neuen Ausgabe der Stadtteilzeitung bekannt gegeben (Ende Mai/Anfang Juni).

 

<!Der Lindweiler Treff hat seit Kurzem eine Spielekiste zur kostenlosen Ausleihe für die Nutzung vor Ort auf dem Marienberger Hof: für Kindergruppen und Familien! Enthalten sind z.B. Wurfspiele, Bälle und mehr (tägl. Öffnungszeiten 9-15 Uhr) 

 

Wecken Sie Begeisterung für den Sport: Ausbildung  Übungsleiter/in Ü60 ab 10.07.2021, Über den Stadtsportbund. Mehr Informationen siehe Flyer im Anhang

Herzliche Grüße

 

Tine Verfürth

 

Soziales Quartiersmanagement

Köln-Lindweiler

soziales zentrum lino-club e.v.   

tel. 0221. 998 998 66

verfuerth@lino-club.de

www.lino-club.de

unnauer weg 96a

50767 köln  

 

Wilder Sex bei den Igeln

Wir sind mitten im Frühling (auch wenn das Wetter was anderes vermuten lässt), was sich nicht nur in der Botanik zeigt („..die Bäume schlagen aus“) sondern auch in der Tierwelt macht sich der Frühling bemerkbar. Die Vögel sind am nisten, die ersten Eichhörnchen haben Ihren Nachwuchs schon durch gebracht, da wird es auch bei den […]

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Originalbeitrag von Frank Schulz
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Foto eines Geländewagens mit Grünen-Logo ist eine Fälschung

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Auf Facebook und WhatsApp verbreitet sich ein Foto eines Geländewagens mit einem Parteilogo von Bündnis 90/Die Grünen. Auf dem Facebook-Account „CSU Memes“ wird dazu etwa kommentiert: „#doppelmoral #grüne by unknown (keine Garantie auf Echtheit)“. Eine Garantie auf Echtheit wäre auch fehl am Platz: Das Foto ist eine Fälschung. Auch außerhalb von Facebook ist es auf Webseiten zu finden. 

Eine Bilderrückwärtssuche mit Google zeigt: Das Original-Foto ohne Grünen-Logo stammt von der Webseite von Nato-Oliv, einer Hamburger Firma, die Folierungen für Autos anbietet. Die Werbeagentur von Nato-Oliv bestätigte uns per E-Mail, dass die Folierung für einen Privatkunden angefertigt worden war – „ohne Partei-Logo“.

Dieses Foto eines Hummers wurde manipuliert: Die Originalversion ist oben zu sehen, die manipulierte Version mit dem Logo von Bündnis 90/Die Grünen unten.
Dieses Foto eines Hummers wurde manipuliert: Die Originalversion ist oben zu sehen, die manipulierte Version mit dem Logo von Bündnis 90/Die Grünen unten. (Quelle oben: Webseite von Nato-Oliv / Quelle unten: Facebook / Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Laut der Beschreibung handelt es sich um einen Hummer H2, der nach Informationen einer Hummer-Vermietung 23 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Durch den überdurchschnittlich hohen Verbrauch wird suggeriert, die Grünen würden Umweltschutzmaßnahmen lediglich propagieren, jedoch selbst nicht befolgen.

Auf unsere Anfrage antwortet Maria Henk, Pressereferentin der Grünen, dass die Partei nie mit einem Hummer Wahlkampf gemacht habe. Außerdem weist Henk darauf hin, dass sich „theoretisch jeder“ ein Grünen-Logo auf das Auto kleben könne. Ein solcher Aufkleber bedeutet also nicht automatisch, dass es sich um ein Fahrzeug der Grünen handelt.

Mimikama hat bereits im Januar einen Faktencheck zu dem Foto veröffentlicht und kommt zum selben Ergebnis.

Redigatur: Uschi Jonas, Till Eckert

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Manderla-Mail Nr. 56

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,

Deutschland erreicht in diesen Tagen wichtige Etappenziele auf dem Weg raus aus der Pandemie. Die Impfkampagne nimmt deutlich an Fahrt auf. Hier habe ich Ihnen ein paar Zahlen zum Impftempo zusammengestellt. Es gibt ermutigende Anzeichen dafür, dass die Bundesnotbremse greift – auch wenn die hohe Infektionsdynamik vielerorts immer noch zur Vorsicht mahnt. Die Funktionalität der Corona-Warn-App wurde durch eine neue Möglichkeit zum anonymen Einchecken per QR-Code weiter verbessert. Das alles zusammen ermöglicht es uns jetzt, an einer verlässlichen und belastbaren Öffnungsstrategie zu arbeiten. Mich haben in den letzten Wochen viele Anfragen zum Thema „Kampf gegen Corona“ erreicht. Durch die Beantwortung der Anfragen habe ich auch einige „Mythen im Kampf gegen Corona“ aufklären können. Die vier meist gefragten Mythen finden Sie hier in Form eines FAQ.

App zur Impfverträglichkeit
Impfstoff ist ein wichtiges Instrument zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Besonders der Impfstoff der Firma AstraZeneca sorgt in der Bevölkerung für Verunsicherung. Das Paul-Ehrlich-Institut führt deswegen eine Studie zur Verträglichkeit aller zugelassenen Corona-Impfstoffe durch. Je mehr geimpfte Erwachsene an der Studie teilnehmen, desto aussagekräftiger wird diese. Um die Durchführung der Studie für die Teilnehmer zu vereinfachen, wurde eine App zur Überwachung der Impfverträglichkeit entwickelt. Wenn auch Sie an der Studie teilnehmen möchten, finden Sie hier alle Informationen. 

Sonderimpfungen in Köln-Chorweiler
Nachdem die Inzidenzzahlen in einzelnen Kölner Stadtbezirken stark angestiegen waren, habe ich viele Gespräche mit den verantwortlichen Stellen in Köln und mit dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann geführt und mich erfolgreich für Sonderimpfungen in besonders stark betroffenen Gebieten, darunter auch Chorweiler, eingesetzt. In Chorweiler können wir durch die Sonderimpfungen jetzt unabhängig vom Alter oder von Vorerkrankungen auf das Infektionsgeschehen reagieren und seine Eindämmung aktiv vorantreiben. Am Montag habe ich mich zum Start der Sonderimpfaktion in Chorweiler vor Ort beim Impfmobil am Chorweiler Bürgerzentrum informiert. Der große Andrang am Impfmobil hat gezeigt, dass die Menschen in Chorweiler eine hohe Impfbereitschaft haben und das Angebot annehmen. Ich setze mich weiter dafür ein, dass mehr Impfdosen freigegeben werden und wir diese erfolgreiche Aktion fortführen können.
 
Rechts: Dr. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Köln

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und bleiben Sie gesund!

Ihre

Meine Woche im Bundestag
Entwicklung und Zukunftsperspektiven der maritimen Wirtschaft 
 Am Donnerstag hat die Bundesregierung durch eine Unterrichtung den siebten Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung und Zukunftsperspektiven der maritimen Wirtschaft in Deutschland vorgestellt. 

Die Bedeutung der maritimen Wirtschaft für Deutschland als Exportnation ist riesig: Rund 90 Prozent des internationalen Warenhandels verläuft über den Seeweg. Der Wirtschaftszweig erwirtschaftet jährlich über 40 Milliarden Euro Umsatz und sichert mehr als 400.000 oft hochqualifizierte Jobs. Zum Kern der maritimen Wirtschaft gehören unter anderem Schifffahrt, Schiffsbau, Zulieferindustrie und Häfen.

Wir haben mit dem Maritimen Antrag 114 Forderungen auf den Weg gebracht: von Industrie über Infrastruktur bis zu Bürokratieabbau. Die deutsche Innovationskraft ist hoch & wir setzen einen klaren Kurs in Richtung nachhaltige Zukunft.

Den Bericht der Bundesregierung können Sie hier nachlesen.
Unseren Antrag finden Sie hier.

Verantwortungsbewusster Umgang mit Kampfmitteln in Nord- und Ostsee

Nach aktuellen Schätzungen befinden sich in deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee mindestens noch bis zu 1,63 Millionen Tonnen Munition, davon mindestens 300.000 Tonnen chemische Kampfstoffe. Die Gefahren durch die Munitionsaltlasten können durch geeignete Maßnahmen deutlich reduziert werden. Angesichts der großen Menge an Gefahrstoffen und der zu erwartenden Kosten ist eine sinnvolle und auf wissenschaftlichen Methoden basierenden Priorisierung unumgänglich. In diesem Zusammenhang haben wir einen Antrag gestellt, in welchem wir wichtige Impulse formulieren und zahlreiche Forderungen an die Bundesregierung richten.

Den Antrag können Sie hier lesen.

Von Köln in die USA – PPP-Stipendium für Kölner Schülerin

Die 14-jährige Lotte Wilk aus Köln-Nippes darf für ein Schuljahr in den „American Way of Life“ eintauchen. Im Rahmen des Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) habe ich Lotte als Stipendiatin ausgewählt. Über das Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages wird die Schülerin eine High School besuchen, in einer Gastfamilie leben und viele neue Freundschaften schließen. Los geht es für sie voraussichtlich im Sommer 2021. Insgesamt erhalten 360 Schülerinnen und Schüler sowie junge Berufstätige jedes Jahr ein PPP-Vollstipendium des Deutschen Bundestages für ihren Aufenthalt in den USA. 

Meine vollständige Pressemitteilung zu Lottes Stipendium können Sie hier lesen.

Interessante Gesetzesänderungen 
Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege
2. Lesung und 3. Lesung

Wie ist es aktuell?
Das Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege ist das dritte Digitalisierungsgesetz im Bereich Gesundheit in dieser Legislaturperiode.Mit den ersten beiden Digitalisierungsgesetzen wurden entscheidende Schritte unternommen, die Digitalisierung flächendeckend in der Versorgung zu etablieren.Der dafür notwendige Wandel in den Strukturen der Gesundheitsversorgung wurde mit hoher Dynamik vorangetrieben. 

Warum muss das Gesetz angepasst werden?
Die digitale Transformation in den Strukturen der Gesundheitsversorgung ist ein fortlaufender und dynamischer Prozess.Das große Potential der Digitalisierung muss weiter ausgeschöpft werden, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen und eine effiziente und qualitativ gute Versorgung der Versicherten in der Pflege sicherzustellen.

Was soll sich ändern?
Ziel des Gesetzentwurfes ist es, die Digitalisierung schrittweise flächendeckend in der Versorgung zu etablieren. Insbesondere der Bereich der Pflege soll durch den Gesetzentwurf von der flächendeckenden Vernetzung, dem Datenüberblick in der elektronischen Patientenakte, den komfortablen Versorgungsmöglichkeiten per Videosprechstunde und der Erstattungsfähigkeit von digitalen Pflegeanwendungen profitieren.Außerdem sollen neben dem elektronischen Rezept auch die elektronische Verordnung von häuslicher Krankenpflege und Heil- und Hilfsmitteln perspektivisch ermöglicht werden.Den Gesetzentwurf können Sie hier nachlesen.

Gesetzes zur Änderung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes
2. Lesung und 3. Lesung

Wie ist es aktuell?
Vor drei Jahren ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Kraft getreten. Nutzer von Social Media können rechtswidrige Angriffe wie Volksverhetzungen oder Bedrohungen den Anbietern melden. Die Social Media Anbieter sollen anhand des Netzwerkdurchsetzungsgesetz entscheiden, wie Sie mit der Meldung verfahren. Bei Streitigkeiten zwischen Nutzern und den Social Media Anbietern über das (erfolgte oder abgelehnte) Entfernen eines Inhaltes bestehen derzeit keine Regelungen zur einfachen außergerichtlichen Streitbeilegung.

Warum muss das Gesetz angepasst werden?
Viele Social Media Anbieter handeln eher nach ihren AGBs als nach dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder die Attentate im Umfeld der Synagoge in Halle haben gezeigt, dass strafbare Hassrede zum Nährboden für tätliche Angriffe auf Leib und Leben von Bürgerinnen und Bürgern werden kann.

Was soll sich ändern?
Die Nutzerfreundlichkeit der Meldewege zum Übermitteln von Beschwerden über rechtswidrige Inhalte soll verbessert werden.Es sollen Verfahren geschaffen werden zur einfachen, außergerichtlichen Streitbeilegung zwischen Nutzern und den Social Media Anbietern.Das Bundesamt für Justiz soll eine Aufsichtsbefugnis erhalten, um Anordnungen zur Behebung von Defiziten treffen zu können.Den Gesetzentwurf können Sie hier nachlesen.

Dialogtour
Flashmob der Coty-Beschäftigten
Letzte Woche habe ich den Flashmob der Coty-Beschäftigten vor dem 4711-Gebäude in Köln-Ehrenfeld besucht und mich als Rednerin erneut für den Erhalt des heutigen Standorts in Köln-Bickendorf und die damit verbundenen Arbeitsplätze ausgesprochen. Die Mitarbeiter trugen Coty symbolisch zu „Grabe“ und ließen zum Ende des Flashmobs 300 schwarze Luftballons, stellvertretend für die 300 bedrohten Arbeitsplätze steigen.Derzeit sind durch die Pandemie schwierige Zeiten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gerade deshalb schließt man jetzt keine erfolgreiche Firma. Ich habe daher bereits versucht mit der Geschäftsführung ins Gespräch zu kommen, bislang leider vergeblich. Ich bleibe dran und werde mich weiterhin für den Erhalt von Coty in Köln-Bickendorf einsetzen!
Aktion „Wir vergessen euch nicht“
Letzte Woche habe ich im Rahmen einer gemeinsamen Aktion mit Stephan Kraus, Inhaber der Bäckerei Kraus GmbH, das St. Vinzenz-Hospital, das Heilig-Geist-Krankenhaus, das St. Agatha Krankenhaus und das St. Franziskus-Hospital besucht. Nachdem ich in den letzten Monaten viele Telefonate mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kölner Krankenhäuser geführt habe, wollte ich mich für die außerordentliche Arbeit, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Tag leisten, bedanken und ein Zeichen setzten: Wir vergessen Euch nicht! Ich freue mich, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über diese kleine Geste der Verbundenheit gefreut haben und wünsche Ihnen alles Gute und viel Kraft. Mein herzlicher Dank gilt auch Stephan Kraus, der sofort zugesagt hat diese gemeinsame Aktion zu starten und die leckeren Herzberliner zur Verfügung gestellt hat. Die Berliner und Vergissmeinnicht-Samentütchen haben wir Coronakonform vor der Tür überreicht.
Besuch der Caritas Werkstätten Köln

Eine weitere Station meiner Dialogtour war in der letzten Woche ein Treffen mit Andreas Weber, Geschäftsführer der Caritas Werkstätten Köln. Ich habe wertvolle Einblicke in die Arbeit der Caritas Werkstätten erhalten können und wir haben ein interessantes Gespräch über die Bewältigung der Pandemie und die Herausforderungen für die vielen Mitarbeitenden mit den unterschiedlichen Handicaps geführt.

Anstehende Termine       

8. Mai Aufstellungsversammlung Wahlkreis Köln III
9. Mai Muttertag
10. Mai Digitale Veranstaltung der JU Innenstadt & Deutz „Die Zukunft der CDU – Frauenförderung und Gleichberechtigung“
11. Mai Dialogtour: Bäckerei Kraus
13. Mai Christi Himmelfahrt
15. Mai Digitale Vorstandssitzung der FU NRW
17.-21. Mai Sitzungswoche

Der Beitrag Manderla-Mail Nr. 56 erschien zuerst auf Webseite der Bundestagsabgeordneten Gisela Manderla.

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Weiteres gefälschtes Zitat von Annalena Baerbock: Grünen-Kandidatin will Witwenrente nicht abschaffen

Dieser Artikel stammt von CORRECTIV.Faktencheck / Zur Quelle wechseln

Auf Facebook verbreitet sich ein Bild mit einem angeblichen Zitat der Grünen-Kandidatin für die Bundestagswahl, Annalena Baerbock: Sie wolle die Witwenrente abschaffen, um die so eingesparten Gelder für die Integration von Geflüchteten zu verwenden. Das Bild wurde auf Facebook binnen eines Tages insgesamt mehr als 2.800 Mal geteilt und uns auch mehrfach zugeschickt.

Bild von Annalena Baerbock mit gefälschtem Zitat
Das auf Facebook und Twitter verbreitete Bild mit dem gefälschten Zitat (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir haben bei der Pressestelle der Partei Bündnis 90/Die Grünen nachgefragt, ob Annalena Baerbock dieses Zitat wirklich so geäußert hat. Eine Pressereferentin verwies uns auf einen Tweet von Parteisprecherin Nicola Kabel. Darin bezeichnet Kabel das Zitat am 6. Mai als „schlicht und einfach gefälscht“. 

Keine Hinweise auf eine Äußerung von Annalena Baerbock zur Witwenrente

Auch eine Google-Suche nach den Begriffen „Baerbock Witwenrente“, „Baerbock Witwenrente abschaffen“ oder nach dem ersten Satz des angeblichen Zitats liefert keine Treffer für Aussagen der Grünen-Kandidatin zu diesem Thema. Im Wahlprogramm der Grünen für die Bundestagswahl im September tauchen die Worte „Hinterbliebenenrente“ und „Witwenrente“ ebenfalls nicht auf. 

Tweet von Nicola Kabel
Tweet der Parteisprecherin der Grünen, Nicola Kabel (Screenshot und Markierung: CORRECTIV.Faktencheck)

Erst vor Kurzem kursierte eine andere Fälschung eines Zitats von Annalena Baerbock bezüglich eines Hundeverbots, das sie angeblich gefordert habe.

Die sogenannte Witwen- und Witwerrente soll sicherstellen, dass die finanzielle Versorgung der hinterbliebenen Person sichergestellt ist, wenn Lebensgefährten oder Ehepartnerinnen sterben. Anders als in dem Facebook-Beitrag suggeriert wird, bekommen diese Rente nicht nur Frauen. Je nach Alter der Hinterbliebenen und abhängig von anderen Faktoren beträgt die Rente zwischen 25 und 60 Prozent des Einkommens der gestorbenen Person.

Redigatur: Alice Echtermann, Sarah Thust

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