Widmung in Sülz: Widmung am Kölner Auerbachplatz soll an ganze Familie Auerbach erinnern

Widmung in Sülz: Widmung am Kölner Auerbachplatz soll an ganze Familie Auerbach erinnern

Rundschau |

Widmung in SülzWidmung am Kölner Auerbachplatz soll an ganze Familie Auerbach erinnern

Lesezeit 3 Minuten
a8dd1742-e3c4-410a-ab8d-38bf163f13f3.jpeg?auto=format&q=75&rect=0,0,3008,1692&w=2000&h=4000&s=0920ed09e9122600a6e25ec8e7b2cc76

Reinhold Goss an einem der Schilder des Auerbachplatzes.

Copyright: Susanne Esch

Reinhold Goss will mit Gedenktafeln die Geschichte der Familie Auerbach – einschließlich der ersten Kölner Internistin – auf dem Auerbachplatz verewigen.

Benjamin Auerbach galt als kölsches Original, obwohl er 1855 eigentlich in der Nähe von Solingen geboren wurde. Der Mann mit dem Schlapphut auf dem Kopf und dem Kneifer auf der Nase, besaß kein Auto, war meist zu Fuß in der Stadt unterwegs und duzte jeden. Junge und alte Männer betitelte er gerne als „leeve Jung“. Seine Kleidung trug er, bis sie verschlissen war. Mit dieser unprätentiösen und warmherzigen Art leitete der Mann jüdischen Glaubens 50 Jahre das „Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache“ an der Silvanstraße, dann in Neuehrenfeld, bis er mit der beginnenden Judenverfolgung im Jahre 1935 sein Amt niederlegte.

Widmung des Auerbachplatzes auf Ehefrau und Töchter erweitern

Der Auerbachplatz in Sülz erinnert heute an den besonderen Kölner. Doch seine Geschichte kennen wenige. Reinhold Goss, der auch als „Fahrradbürgermeister“ der Stadt bekannt ist, möchte das ändern und noch mehr: Er hat mit einer Bürgereingabe angeregt, dass die Widmung des Platzes um die Ehefrau und Töchter Auerbachs erweitert wird und Ergänzungsschilder über alle vier Familienmitglieder informieren.

Die Bezirksvertretung Lindenthal ist der Anregung gefolgt und hat in ihrer vergangenen Sitzung, die Verwaltung per Beschluss beauftragt, den Vorschlag zu prüfen und – wenn möglich – umzusetzen.

Goss war bei seiner Recherche auf die Familiengeschichte gestoßen: Benjamin Auerbach floh schließlich im Jahr 1939 mit seiner Frau Ida vor den Nazis über Großbritannien nach New York, wo er leider schon wenige Monate nach seiner Ankunft starb. Dort praktizierte seine Tochter Lisbeth bereits mehrere Jahre als Ärztin. Wie es die deutsche Medizinerin dorthin verschlagen, wer ihre Schwester und Mutter waren, erfuhr Goss von Irene Franken, Vorsitzende des Kölner Frauengeschichtsvereins, und Monika Frank, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universitätsklinik.

Lisbeth Auerbach war wohl erste Internistin in Köln

Lisbeth Auerbach wurde 1900 in Köln geboren und studierte hier Medizin. Nach einer Zeit als Assistenzärztin in Breslau kehrte sie 1931 zurück und ließ sich als „Fachärztin für Innere Medizin“ nieder. Goss ist die Bedeutung dieses Schrittes bewusst: „Sie war wohl die erste Internistin in Köln“, sagt er. Die junge Frau erkannte früh, welche Bedrohung von der NS-Diktatur für sie als Jüdin ausging und emigrierte 1934 nach New York, wo sie berufstätig war und 1976 verstarb.

Ihre ein Jahr ältere Schwester führte ein ebenso selbstbestimmtes Leben. Sie studierte zunächst Kunstgeschichte und absolvierte danach eine Ausbildung an der Staatlichen Keramischen Fachschule in Höhr bei Koblenz. 1926 zog sie nach Paris in ein Künstlerhotel mit vorwiegend männlichen Mitbewohnern, namhafte Maler und Schriftsteller.

Als sich die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 Paris näherte, internierte das Vichy-Regime die Jüdin deutscher Herkunft mit anderen „Unerwünschten“ in einem Lager. Nach ihrer Befreiung malte Edith Auerbach noch einige Bilder, mit denen sie ihrer traumatischen Erlebnisse verarbeite, stellte dann aber das Malen ein und arbeitete als Journalistin. Sie starb 1994 im Alter von 95 Jahren.

Mutter Ida Auerbach, die 1869 in Bennisch/Tschechien geboren wurde und 1942 in New York verstarb, war ebenfalls bereits eine tatkräftige Frau. Sie leitete lange den Israelitischen Frauenverein Köln und war aktives Mitglied der Jüdischen Gemeinde Köln. „Sie war wohl als erste Frau in der Synagogengemeinde tätig“, betont Goss.

Grund für Goss Engagement ist ein Zufall: Bei einer Fahrradschnitzel-Jagd erhielten alle Teilnehmenden den Auftrag, an einem Platz oder einer Straße zu starten, die nach einer Frau benannt ist. Goss entschied sich für den Anna-Schneider-Steig und beschäftigte er sich mit der Frage: Wer war die Frau? Er recherchierte die Biographie der Frauenrechtlerin – und setzte sich erstmals dafür ein, dass ein Zusatzschild über sie informiert.

Danach nahm er sich die anderen Steige am Rheinauhafen vor, die allesamt weibliche Namen tragen. Und nun ist der Auerbachplatz an der Reihe.

Hier weiter lesen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert