Verkehrsbetrieb in Köln: Darum fehlt den KVB jetzt noch mehr Geld

Verkehrsbetrieb in Köln: Darum fehlt den KVB jetzt noch mehr Geld

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Verkehrsbetrieb in KölnDarum fehlt den KVB jetzt noch mehr Geld

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Das Minus unter der KVB-Rechnung ist nun noch größer.

Copyright: Foto: Thomas Banneyer/Grafik Harald Woblick

Die KVB sollen das Rückgrat der Verkehrswende sein. Doch für die Ausbauprojekte fehlt es massiv an Geld. Und jetzt fehlen nochmals zusätzlich 15 Millionen Euro. 

Es fehlt eh schon hinten und vorne an Geld. Würden die Kölner Verkehrs-Betriebe alle in Rede stehenden Ausbau- und Investitionsprojekte für die Verkehrswende in Köln umsetzen, der jährliche Zuschussbedarf des Betriebs würde sich bis zum Jahr 2035 auf 339 Millionen Euro erhöhen. Doch der Stadtwerkekonzern, der dieses Defizit mit seinen profitableren Betrieben erwirtschaften muss, kann höchstens 160 Millionen locker machen. Also stehen viele der Projekte zur Disposition. Und es werden wohl noch mehr als bisher geahnt infrage gestellt werden müssen. Denn seit vergangenem Dienstag ist klar: Es gibt eine Einigung in der Tarifauseinandersetzung zwischen der Gewerkschaft Verdi und den kommunalen Verkehrsbetrieben. Und diese Einigung kommt den KVB teuer zu stehen. Unter dem Strich müssen dafür nach Informationen der Rundschau nochmals 15 Millionen Euro aufgebracht werden. Und das Geld ist nur Teil des „Problems“.

Hart umkämpfte Einigung

Die Einigung war hart umkämpft. Auch bei der KVB war es zu Warnstreiks gekommen. In einer Urabstimmung hatten die Gewerkschaftsmitglieder sich sogar schon für unbefristete Streiks ausgesprochen. Doch zuvor kam es zu Schlichtungsverhandlungen. Auf Seiten der Arbeitgeber nahm daran Peter Densborn, Personalvorstand der KVB, teil. Und seit vergangenem Dienstag steht fest, die Schlichtung hatte Erfolg. Zwar will Verdi noch eine Urabstimmung zu dem Ergebnis durchführen. Doch das dürfte eine Formalie sein. Am Dienstag gaben die Arbeitgeber schonmal ihr Okay.

Vereinbart haben die Verhandler für den Tarifvertrag kommunaler Nahverkehr (TV-N NRW) unter anderem Zeitzuschläge und eine Erhöhung der sogenannten Jahressonderzahlung um rund 95 Prozent. Alleine die Zeitzuschläge werden nach Berechnungen des Betriebs mit rund 1,8 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Nicht alle Vereinbarungen werden umgehend vollumfänglich greifen. Doch bis zum Jahre 2026 werden sie in Summe mit 15 Millionen Euro beziffert. Geld, das im Grunde von den 160 Millionen Euro aus dem Stadtwerkekonzern noch abgerechnet werden müsste, um auf die Summe zu kommen, die den KVB für Ausbauprojekte zur Verfügung stünde.

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Selbst extreme Sparsamkeit hilft nicht

Doch selbst bei extremer Sparsamkeit kommen die KVB mit den 160 Millionen Euro nicht hin. In einem Strategiepapier im Vorfeld der städtischen Haushaltsplanberatungen hatte der Betrieb bereits theoretisch den Rotstift angesetzt. Von elf zur Rede stehenden Maßnahmen im Zuge der Verkehrswende würden bei einem „Minimalszenario“ gerade noch drei übrig bleiben: die Ertüchtigung der Ost-West-Achse, der Ausbau der Nord-Süd-Stadtbahn bis zum Verteilerkreis Süd und die Verlängerung der Bahnsteige für größere Bahnen auf den Stadtbahnlinien 18, 13 sowie 4. Wenn dann noch ein paar Sparmaßnahmen angerechnet werden, stehen unter dem Strich aber immer noch rund 230 Millionen Euro. Und jetzt kommen eben noch die 15 Millionen aus der Tarifeinigung hinzu.

Dennoch: Geld, das auf der Führungsetage der KVB den Mitarbeitenden nicht missgönnt wird. Zumindest betonte Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks bereits im Gespräch mit der Rundschau, dass sie nicht zuletzt den Fahrerinnen und Fahrern gerne ein höheres Gehalt zahlen würde. Das würde dem Betrieb auch eventuell die händeringende Suche nach neuen Mitarbeitenden im Fahrbetrieb erleichtern. Mehr Gehalt könnte bei der Suche nach Beschäftigten ein gutes Argument sein.

Mehr Freizeit sorgt für mehr Probleme

Und dieses „gute Argument“ brauchen die KVB nach der Tarifeinigung dringender denn je. Denn es wurde nicht nur über Geld verhandelt. Weil die Belegschaften nicht zuletzt wegen des Personalmangels über zu hohe Arbeitsbelastung klagen, war eine wesentliche Forderung der Gewerkschaft, mehr Freizeit zu gewähren. Wenn die Gewerkschafter auch nicht ihre Maximalforderung von sechs Tagen durchsetzen konnten, so erreichten sie die Zusage für vier zusätzliche freie Tage. Gestaffelt werden die allen Mitarbeitern der KVB zustehen.

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Schmerzen wird das aber vor allem im Fahrbetrieb. Der leidet seit nunmehr über einem Jahr unter Verspätungen und Fahrplanreduzierungen. Immer noch laufen die KVB bei der Gewinnung neuer Fahrerinnen und Fahrer ihrem Personaldefizit hinterher. Zwar arbeitet das Recruiting auf Hochtouren und erreicht auch durchaus zahlreiche Neueinstellungen. Doch nicht jede neue Kollegin, nicht jeder neue Kollege erweist sich als Gewinn für den Betrieb. Einerseits ist die Abbrecherquote hoch, andererseits müssen sich die KVB auch von neuen Kräften trennen, die sich schon nach kurzer Zeit als nicht zuverlässig herausgestellt haben. Als der KVB-Vorstand sein „Minimalszenario“ zu den Verkehrswende-Projekten vorstellte, da war der Tarifabschluss die „unbekannte Komponente“. Nun ist er eine bekannte Komponente – und eine weitere Hürde für die Verkehrswende.

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