Umstrittene Ausstellung wieder in Köln: Wie die „Körperwelten“ 2000 und 2009 in Köln für Aufregung sorgten

Umstrittene Ausstellung wieder in Köln: Wie die „Körperwelten“ 2000 und 2009 in Köln für Aufregung sorgten

Rundschau |

Umstrittene Ausstellung wieder in KölnWie die „Körperwelten“ 2000 und 2009 in Köln für Aufregung sorgten

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Die „Körperwelten“ kommen im Juni zum dritten Mal nach Köln.

Copyright: Gunther von Hagens‘ KÖRPERWELTEN, Institut für Plastination, Heidelberg

Hitzige Diskussionen begleiteten die Ausstellung damals. Die Rundschau schrieb von einer „Schau zum Schaudern“. Kölns Dompropst sprach von einem „Skandal“.

Als die „Körperwelten“ 2000 zum ersten Mal nach Köln kamen, war die Diskussion dazu weltweit längst im Gange. Die Kirchen sahen die Menschenwürde verletzt, weil tote Körper zu Ausstellungsstücken degradiert wurden. Im Februar berichtete die Rundschau von einer „Schau zum Schaudern“, „keine leichte Kost, die den Kölnern da zugemutet werden soll“. Der Aufruf des früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Professor Ernst Benda, die Ausstellung in Köln zu verhindern, scheiterte.  Schon vor der Eröffnung in einem Zelt am Heumarkt zeigte sich Oberbürgermeister Harry Blum wenig angetan. Der Ausstellung gehe es wohl um die Bedienung voyeuristischer Bedürfnisse, vermutete er. Dompropst Bernard Henrichs sprach gar von einem „Skandal“.

Erfolgreich war die Ausstellung mit ihren präparierten Leichen, freigelegten Gehirnen und Muskelsträngen trotzdem so gut wie überall, wo sie Halt machte – auch in Köln. „Das Gruseln wird schnell umgewandelt in emotionales Staunen“, sagte Initiator Gunther von Hagens in einem Interview mit der Rundschau. 

Bis heute haben über 55 Millionen Menschen die Ausstellungen weltweit besucht. Ab dem 21. Juni kehren die „Körperwelten“ zurück nach Köln. In der Oskar-Jäger-Straße, wo derzeit noch bis zum 26. Mai „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ gezeigt wird, öffnet für kurze Zeit die Ausstellung  „Körperwelten & Der Zyklus des Lebens“.

„Körperwelten“ in Köln: 800 Arbeitsstunden für ein Präparat

Erstmals zeigte Gunther von Hagens seine plastinierten Exponate 1995 in Japan. Das Verfahren der Plastination entwickelte er bereits 1977. Dabei wird zunächst die Verwesung gestoppt, das Unterhautfettgewebe und das Bindegewebe entfernt, sodass anatomische Strukturen zum Vorschein kommen. Der Körper wird anschließend entwässert, entfettet, imprägniert, in Form gebracht und durch ein spezielles Gas gehärtet. Ein ganzer Körper beansprucht bis zu 800 Arbeitsstunden.

2009 folgte der zweite Auftritt in Köln, dieses Mal in Kalk. Und erneut begleiteten hitzige Debatten die Schau. Aussteller von Hagens wollte zwei präparierte Leichen in Sex-Stellung zeigen. Die Stadt Köln verbot das Exponat aber aus Gründen der Sittlichkeit. Der Aussteller berief sich auf die Freiheit der Wissenschaft und verklagte die Stadt. Das Verwaltungsgericht gab am Ende der Stadt recht. Es sah die Totenwürde nicht gewahrt. „Selbst die viel gerühmte Kölner Toleranz hört auf, wenn es um Totenwürde und sittliches Empfinden geht“, kommentierte die Rundschau.

Die neue Kölner Schau „Körperwelten & Der Zyklus des Lebens“ rückt ab Juni den menschlichen Körper im Kreislauf von Entstehen und Vergehen in den Fokus. „Der kontinuierliche Veränderungsprozess des Körpers wird anhand einer Vielzahl echter menschlicher Exponate spannend und anschaulich dargestellt. Die einzelnen Stationen – von der Zeugung bis ins hohe Alter – laden dazu ein, sich intensiv mit seinem eigenen Körper und Lebensstil zu beschäftigen“, heißt es im Ankündigungstext. 

Ärztin und Kuratorin Dr. Angelina Whalley sagt: „Ich möchte zeigen, dass das Reifen ein ganz natürlicher Vorgang ist, den wir mit ein bisschen Mühe mitgestalten können. Dabei sollten wir auch immer ein Auge auf die Zukunft richten“.

„Körperwelten“: Oberstes Ziel ist die gesundheitliche Aufklärung

Um Voyeurismus, wie vor 24 Jahren von OB Harry Blum vermutet, gehe es den Ausstellern selbstverständlich nicht. Vorrangiges Ziel sei die gesundheitliche Aufklärung und Prävention. Die anatomischen Präparate sollen den Besuchern auch ohne medizinisches und anatomisches Wissen einzelne Organfunktionen oder häufige Erkrankungen nahebringen. „Es wird erklärt, was jeder einzelne tun kann, um seine Gesundheit und eine hohe Lebensqualität möglichst lange zu bewahren“, kündigt der Veranstalter an. Der Besuch der Körperwelten sei sowohl für den medizinischen Laien als auch für Experten in den Bereichen Vorsorge und Gesundheit empfehlenswert.

Die in der Ausstellung gezeigten Plastinate stammen aus dem Körperspende-Programm des Instituts für Plastination in Heidelberg, in dem mittlerweile mehr als 21.000 Personen registriert sind. 

Körperwelten, Oskar-Jäger-Straße 99 (Ehrenfeld), ab 21. Juni (laut Veranstalter nur für kurze Zeit), Mo – Fr 9 – 18 Uhr, Sa und So 10 – 18 Uhr). Tickets gibt es online ab 19 Euro.

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