Tiergestützte Pädagogik: Ponys helfen beeinträchtigten Kindern

Tiergestützte Pädagogik: Ponys helfen beeinträchtigten Kindern

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Tiergestützte PädagogikPonys helfen beeinträchtigten Kindern

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Genießen die „Pferdefreizeit“ des „wir für pänz e.V.“: Ramon (6), Ayza (8) und Ozan (8) auf dem „Ivenshof“ des „Pänz und Pääds e.V.“

Copyright: Inge Swolek

Die beiden Kölner Vereine „wir für pänz“ und „Pänz und Pääds “bieten  benachteiligten Kindern Ferienfreizeiten auf dem Pferdehof an.

Der Kölner Verein „wir für pänz“ steht seit über 30 Jahren Familien und Kinder professionell zu Seite, die durch chronische Krankheiten, Behinderung, Entwicklungsverzögerung und/oder durch Armut beeinträchtigt sind. Der Verein arbeitet eng mit Kölner Kinderkliniken und Kinderärzten, dem Gesundheits-, sowie dem Jugend- und Sozialamt zusammen und bietet betroffenen Kindern in zahlreichen Projekten die Chance, am Gemeinschaftsleben teilzunehmen und gleichzeitig lebenspraktische Fähigkeiten zu erlernen.

Pony-Freizeiten auf dem Ivenshof in Merkenich

Seit vier Jahren gibt es zudem eine Kooperation mit dem Verein „Pänz und Pääds“ aus Merkenich. Die beiden Vereinsgründerinnen haben sich dem Tierschutz verschrieben und retten Pferde vor dem Schlachthof. Auf einem 200 Jahre alten Bauernhof, dem „Ivenshof “ haben Bärbel Becker und Renate Pasch Pferdeboxen angemietet und bieten auf ihrem „Gnadenhof“ regelmäßig Freizeit- und Ferienprogramme für benachteiligte Kinder an. „Wir geben den alten oder gebrechlichen Tieren eine Chance weiterzuleben und freuen uns, unsere Begeisterung für die Vierbeiner mit den Kindern, die es im Leben nicht immer einfach haben, zu teilen“, sagt Becker.

Wir geben den alten oder gebrechlichen Tieren eine Chance weiterzuleben und freuen uns, unsere Begeisterung für die Vierbeiner mit den Kindern, die es im Leben nicht immer einfach haben, zu teilen

Bärbel Becker, Verein „Pänz und Pääds“

Für die Kinder von „wir für pänz“ wird montags ein Nachmittagskurs angeboten, bei dem der Umgang mit Pferden, deren Pflege und Grundregeln des Umgangs mit den Tieren vermittelt werden. Außerdem steht an Ostern, im Sommer und im Herbst jeweils eine Ferienfreizeit auf dem Programm. Die Kinder lernen, mit den Pferden verantwortungsvoll umzugehen oder wie man ein Pferd striegelt, was es frisst, dass die Boxen sauber gemacht werden müssen, und dass man mit einem Pferd auch spazieren gehen kann.

Kölner Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen

„Wir haben mit dem Merkenicher Verein einen fantastischen Kooperationspartner gefunden. Die Verantwortlichen haben viel Geduld und ein Händchen dafür, mit unseren Kindern richtig umzugehen. Die Kinder sind zwischen fünf und 13 Jahren alt, haben körperliche, geistige und/oder lebensverkürzende Einschränkungen. Sie müssen erst einmal ankommen und brauchen eine gewisse Zeit, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen“, sagt Andrea Brewitt von „wir für pänz“.

Die Gruppen werden bewusst klein gehalten, jedes Kind bekommt ein eigenes Pferd und ihm steht eine Betreuerin zur Seite. Das „Kind-Pferd-Projekt“ soll Naturnähe und den Spaß vermitteln, den Natur bieten kann. Daneben gibt es pädagogische Ziele, wie den angstfreien Umgang mit den Tieren zu erlernen, Verantwortung für sie zu übernehmen und dadurch das Selbstwertgefühl zu steigern.

Positive Erlebnisse in Krisenzeiten hervorholen

„Tiergestützte Pädagogik funktioniert grundsätzlich sehr gut. Wir merken es immer wieder, wie stolz die Mädchen und Jungs nach einer Woche Ferienfreizeit sind. Sie speichern das Erlebnis als positiv ab, holen es an schlechten Tagen heraus und erzählen davon mit einem Lächeln im Gesicht“, sagt Christian Hidding. Der Leiter der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe von „wir für pänz“ betreut pro Jahr bis zu 40 Familien.

Die Kinder, die regelmäßig kommen, können nach einem Jahr das Reitabzeichen 10 machen, eine offizielle Prüfung der Reiterlichen Vereinigung FN, vergleichbar mit dem Seepferdchen. „Die Kinder müssen unter Beweis stellen, dass sie mit Pferden umgehen können, dass sie wissen, wie man ein Halfter anzieht, einen Sattel auflegt und Pferde pflegt. Sie müssen am Führzügel oder der Longe Schritt und Trab reiten können. Alles, was sie bisher bei uns gelernt haben, zeigen sie dem offiziellen Prüfer“, erklärt Renate Pasch von „Pänz und Pääds“.

Auch „wir helfen“ unterstützt die tiergestützte Therapie

Auf dem Hof leben aktuell sieben gerettete Pferde. Die Miete für die Unterbringung, das Futter und die Arztrechnungen kosten pro Pferd 500 Euro im Monat, weshalb der Verein auf Spenden angewiesen ist. Das gemeinsame Ferienprojekt und die wöchentlichen Montagskurse der beiden Vereine werden auch von „wir helfen“ finanziell unterstützt.

Benachteiligte oder kranke Kinder haben in den Reitschulen meist keine Chance. Wir arbeiten ehrenamtlich und sind auf Spenden angewiesen, damit diese Jungen und Mädchen ein besonderes Erlebnis haben können

Bärbel Becker, Verein „Pänz und Pääds“

„In den Reitschulen werden vor allem Kinder aufgenommen, deren Eltern wohlhabend sind, sozial benachteiligte oder kranke Kinder haben dort kaum eine Chance. Wir arbeiten ehrenamtlich und sind auf Spenden angewiesen, damit diese Jungen und Mädchen ein besonderes Erlebnis haben können. Bei uns stehen die Kinder im Mittelpunkt, was in deren Alltag nur selten der Fall ist“, sagt Becker.

Die 67-Jährige ist deshalb auch verärgert darüber, dass die Stadt Köln dem Pferdehof das Benutzen der Reitwege in Richtung Rhein verboten hat. „Das Amt argumentiert mit Naturschutz. Jahrzehnte lang war es kein Problem, einmal die Woche mit den Kindern auf diesen Wegen auszureiten, was für unsere Arbeit sehr wichtig ist.“

Kleine Entwicklungsschritte mit großer Wirkung

Die Kinder profitieren in hohem Maße von den Programmen – wie beispielsweise Sophie. Die Elfjährige ist auf den Rollstuhl angewiesen und saß am Ende des Aufenthalts auf dem Rücken eines Pferdes. „Das sind unvergessliche Erinnerungen, die das Mädchen in sich trägt, und die sie immer wieder abrufen kann. Ich denke, genau diese kleinen Entwicklungsschritte machen das Projekt so wertvoll“, sagt Andrea Brewitt.

Die acht-jährige Ayza ist schon zum zweiten Mal auf dem Ivenshof und kümmert sich um das Pony Motte: „Ich finde das weiße Fell so schön, weil es sich so lustig sich anfühlt. Für mich ist Reiten auf jeden Fall besser als Radfahren“.

Die Erfolge der tiergestützten Pädagogik für Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen konnten in sämtlichen Studien nachgewiesen werden. Sie hat den Vorteil, dass dabei das Körperliche, das Emotionale und das Soziale stets miteinander verbunden sind. Pferde spiegeln ehrlich und unvoreingenommen das Auftreten der sie umgebenden Menschen wider. Bei Kindern mit psychosozialen Verhaltensauffälligkeiten, wie beispielsweise ADHS oder Aggressionen, kann eine Gruppenarbeit mit den Tieren zu mehr Empathie und einem besseren sozialen Verhalten führen.

So können Sie helfen

  • Mit unserer Jahresaktion „wir helfen: weil jedes Kind wertvoll ist“ bitten wir um Spenden für Projekte, Initiativen und Vereine in Köln und in der Region, die Kindern und Jugendlichen eine gute körperliche und geistige Entwicklung ermöglichen. Damit jeder junge Mensch einen Platz in unserer Gesellschaft findet, an dem er gesund, sicher und glücklich aufwachsen kann. Eine Liste der von uns geförderten aktuellen Projekte und Initiativen finden Sie auf unserer Vereinshomepage.
  • Die Spendenkonten lauten: „wir helfen – Der Unterstützungsverein von M. DuMont Schauberg e. V.“
  • Kreissparkasse Köln, IBAN: DE03 3705 0299 0000 1621 55
  • Sparkasse Köln-Bonn, IBAN: DE21 3705 0198 0022 2522 25
  • Wünschen Sie eine Spendenquittung, notieren Sie bitte +S+ im Verwendungszweck. Wollen Sie nicht in der Spenderliste genannt werden, vermerken Sie bitte ein +A+. Legen Sie auf beides Wert, schreiben Sie +AS+. Bitte geben Sie auch Ihre Adresse an, damit eine Spendenquittung ausgestellt werden kann. Herzlichen Dank!
  • Kontakt: „wir helfen e.V.“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln, Telefon: 0221-2242789 (Allgemeines, Anträge), 0221-224-2130 (Redaktion)
  • Mehr Infos finden Sie auf unserer Vereinshomepage >>

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