Spurensuche: Wie die Karriere von Roy Black in Köln begann

Spurensuche: Wie die Karriere von Roy Black in Köln begann

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SpurensucheWie die Karriere von Roy Black in Köln begann

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Roy Black

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Der Kölner Plattenproduzent Hans Bertram trug maßgeblich zur Karriere des Schlagersängers bei.

Am nächsten Tag hatte er Mathe-Abitur. Trotzdem brachte Gerhard Höllerich mit seiner Band am 16. Juni 1964 beim Schülerball den Moritzsaal in seiner Heimatstadt Augsburg zum Kochen. Ein paar Tage später erreichte ihn ein Schreiben aus einem Büro in der Glockengasse 1, hoch über den Dächern von Köln. Plattenproduzent Hans Bertram lud zu Probeaufnahmen für Polydor ein. Alles ging schnell. Höllerich unterzeichnete am 1. September 1964 einen Plattenvertrag. Die Karriere von Roy Black begann und brachte ihn von nun an regelmäßig in die Polydor Studios in der Olpener Straße in Höhenberg.

Der Zweizentner-Mann Hans Bertram – in Freundeskreisen auch schlicht „der Dicke“ genannt – bewohnte in Hahnwald eine Luxusvilla und war in seiner Stammkneipe Haus Töller nicht nur für seine Vorliebe für Schinkenhämchen und Sion-Kölsch bekannt.

Der in der Dünnwalder Straße in Mülheim geborene Bertram hatte sich, nachdem er erst an der Rheinischen Musikschule in der Wolfsstraße, später an der Hochschule für Musik studiert hatte und Klarinettist beim Orchester des Westdeutschen Rundfunks gewesen war, schnell als Erfolgsproduzent etabliert, hatte die Stimme seiner zweijährigen Tochter Elisabeth beim Babysitter-Boogie in die Hitparaden gebracht und Künstler wie Lale Andersen oder Willy Millowitsch produziert.

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Mit routiniertem Blick segnete er den Künstlernamen ab, den Höllerich schon vorher gehabt hatte: Roy Black, eine Anspielung auf dessen dunkles Haar sowie das große Vorbild Roy Orbison. Anfangs sang Black noch auf Englisch, doch der Erfolg blieb aus. Also überredete Bertram den jungen Künstler, der sich schon wieder seinem Studium zuwenden wollte, zu einem deutschen Titel: „Du bist nicht allein“. Zwar war im Winter 1965 damit kein Vorbeikommen an Rolling Stones und Konsorten, aber immerhin auf den vierten Platz der Hitparade kletterte das Lied.

Roy Black nahm im Studio auf der Olpener Straße auf

Dann trudelte Hans Bertram ein Lied des Komponisten Kurt Hertha und des Texters Rolf Arland auf den Schreibtisch. Also ab ins Studio an der Olpener Straße. Der Erfolg von „Ganz in Weiß“ war überwältigend und machte Roy Black im Jahr 1966 zum Star. Wenn auch nicht, wie er es wohl lieber gehabt hätte, mit Rock’n’Roll. Eine wahre Fließbandproduktion begann, meist begleitet vom Hans-Bertram-Orchester und mit Texten von Bertrams Ehefrau Lilibert. Die unter Zeitdruck stehende Produktion der schnell aufgenommenen ersten Langspielplatte wurde durch Straßenarbeiten gestört, die die Stromleitungen in Mitleidenschaft zogen. Roy Black höchstpersönlich soll bei den notwendigen Reparaturarbeiten Hand angelegt haben.

Am 29. Oktober 1968 startete vor etwa 900 Zuschauern im Kölner Gürzenich Blacks erste Deutschland-Tournee. „Der Saal war nicht ausverkauft. Doch die überwiegend weiblichen Zuhörerinnen waren begeistert. Einige Mädchen stürmten die Bühne und umarmten und küssten den Sänger“, schreibt die Presse. „Sie zerrten an seinem schwarzen Maßanzug, zerwühlten seine Frisur und konnten es nicht fassen, ihrem Idol so nahe zu sein. Mütter und Töchter – den männlichen Besuchern zahlenmäßig hoch überlegen – waren gleichermaßen hingerissen. Sie reichten blutrote Rosen, einzeln und in ganzen Sträußen auf die Bühne. Sie lechzten nach einem Blick und drückten ihrem Idol glühende Liebesbriefe in die Hand.“

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Das war offensichtlich aber nur Warmlaufen für den Auftritt im folgenden Jahr, im Oktober 1969, vor 3000 Fans in der Messehalle 8. „Nicht allein sein Gesang, schon seine Anwesenheit verwandelte das Haus nach 30 Sekunden in einen Hexenkessel überschäumender Begeisterung“, berichtet die Rundschau. „Blumen über Blumen wechselten ihre Besitzer. Teddybären in hellblau und zartrosa, Halsketten, Zeichnungen und kleine Liebesbriefe reichten ihm seine Verehrerinnen zur Bühne empor. Roy Black konnte nur mit Mühe sein Mikrophon halten. Teenager stürmten das Bretterhaus. Mit weit ausgebreiteten Armen rasten sie quer über die Bühnenfläche, warfen sich an den Hals des Sängers und küssten ihn ab.

Ein immer strahlender, dankbarer, stets charmanter, nie ablehnender Roy Black genoss seinen Triumph.“ So nahm er es auch gelassen hin, als er sein hinter der Messehalle geparktes Auto nach dem Auftritt über und über mit Lippenstift beschmiert fand. „Eine Autowaschanstalt benötigte dreieinhalb Stunden, um das Fahrzeug wieder blank zu kriegen.“

Roy Black an der Seite von Willy Millowitsch

Schon 1968 folgte nach Vorbild von Elvis Presley und den Beatles der Sprung auf die Leinwand. Bei seinem Debüt spielte er unter anderem neben Willy Millowitsch im Episodenfilm „Paradies der flotten Sünder“. Danach gab es fast nur noch Hauptrollen, gerne an der Seite von Uschi Glas. Sein Film „Wenn du bei mir bist“ feierte im August 1970 in Köln Premiere. „Zweimal war das Kino an diesem Tag fast ausverkauft, was sonst selbst scharfe Porno-Filme und harte Western kaum schaffen“, berichtet die Zeitung. „Eine im Ganzen zwar sehr rührselige Angelegenheit mit viel Herz und Schmerz, doch offensichtlich kassenfüllend.“ Roy Black schwärmte im Kölner Senatshotel und beim Empfang im Gürzenich: „Mein bisher bester Film.“ Ein Lied aus „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ (1971) war dann auch der Millionenseller „Schön ist es auf der Welt zu sein“, bei dem Roy Black im Duett mit der zehnjährigen Anita Hegerland sang.

Dann begann Blacks Stern etwas zu verblassen. Nach drei Jahren ohne Top-10-Hit trennte er sich 1975 von Hans Bertram. Nicht unbedingt einvernehmlich. „Der Roy Black, dieser musikalische Embryo ohne Stimme, ist in meinen Augen ein hinterhältiger orientalischer Teppichbeißer“, soll Bertram geschimpft haben. Während Bertram sich bald darauf aus dem Geschäft zurückzog, feierte Roy Black bald wieder große Erfolge, gipfelnd in der Rolle bei der RTL-Erfolgsserie „Ein Schloß am Wörthersee“.

Dann stellte sich jedoch heraus, dass der Zusammenbruch wegen Herzproblemen im Jahr 1986 nicht nur ein Zwischenspiel gewesen war. Am 9. Oktober 1991 klingelte das Telefon beim WDR. An der Leitung war Blacks neuer Manager Wolfgang Kaminski. Roy Black sei leblos in dessen Hütte in Oberbayern gefunden worden. Deutschlands ungekrönter Schlagerkönig starb mit 48 Jahren.

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