Soziologin, Professorin, Feministin: Sonderbriefmarke aus Köln zum Gedenken an Maria Mies

Soziologin, Professorin, Feministin: Sonderbriefmarke aus Köln zum Gedenken an Maria Mies

Rundschau |

Soziologin, Professorin, FeministinSonderbriefmarke aus Köln zum Gedenken an Maria Mies

Lesezeit 3 Minuten

Ina Hoerner und Gabriella Schaaf mit der Gestaltungsvorlage für die Briefmarke.

Copyright: Broch

Maria Mies gründete 1976 mit Studentinnen das erste Frauenhaus der BRD. Die private Sondermarke kann nicht in Poststellen gekauft werden.

„Maria Mies war eine hervorragende Wissenschaftlerin und hat weltweit unglaublich viel getan für die Frauenbewegung“, sagt Ina Hoerner vom Frauengeschichtsverein Köln mit Sitz in Zollstock. „Wenn man ihr privat begegnete, dachte man nicht sofort an eine weitgereiste, weltweit vernetzte Wissenschaftlerin. Vielmehr stand man einer äußerst liebenswürdigen Person gegenüber, klein von Statur, bescheiden im Auftreten, der man die Herkunft aus dem Eifel-Dorf sofort abnahm“, sagt Gabriela Schaaf, Archivarin im Verein. Mies starb am 15. Mai 2023 mit 92 Jahren in Köln: Zu ihrem Gedenken gab der Frauengeschichtsverein eine Briefmarke bei der Post in Auftrag.

Frauengeschichtsverein bestellte 9000 Exemplare vorab

„Eine unserer Mitarbeiterinnen hatte die Idee dazu, und alle waren gleich begeistert. Das Motto von Maria Mies war ‚Vom Küchentisch in die Welt‘ und mit einer Briefmarke schicken wir sie noch einmal in die Welt“, sagt Hoerner.

Die Briefmarken sind leider nicht an Poststellen zu kaufen, sagt Schaaf. „Es ist eine sogenannte private Sondermarke. Wir haben 9000 Exemplare bestellt, die wiederum im Vorfeld Frauenprojekte, Weggefährtinnen, Familie und Einzelpersonen bei uns bestellen konnten. Es wäre schön, wenn die Post eine offizielle Sondermarke aus der Marke macht“, sagt die Archivarin.

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Der Frauengeschichtsverein Köln gab eine private Sondermarke zum Gedenken von Maria Mies in Auftrag.

Copyright: Broch

Vielseitige Wissenschaftlerin – aktive Frauenrechtlerin

Maria Mies wurde 1931 in einem Dorf in der Vulkaneifel als siebtes von zwölf Kindern in einer Bauernfamilie geboren. Als einzige der Geschwister besuchte sie mit einem Stipendium die höhere Schule und wurde Lehrerin. 1963 ging sie nach Indien, wo sie fünf Jahren als Deutschlehrerin am Goethe-Institut arbeitete. Gleichzeitig machte sie hier erste soziologische Beobachtungen zur Situation der indischen Frauen im Patriarchat. Nach ihrer Rückkehr aus Indien studierte Mies erneut, jetzt Soziologie, und schrieb eine Dissertation zur Situation zu diesem Thema.

Bereits in den 60er Jahren war sie in der Frauenbewegung aktiv. Ab 1972 unterrichtete sie an der Fachhochschule Köln, trieb die Frauenforschung voran, gründetet in Den Haag ein soziologisches Institut mit dem Schwerpunkt „Women and Development“.

Mies gründete 1976 das erste Frauenhaus

Im Laufe ihres Lebens schrieb Mies mehrere feministische, ökologische und entwicklungspolitische Bücher, veröffentlichte Forschungen, gründete Netzwerke. Dabei war ihr immer wichtig, dass die Theorien auch Eingang in die Praxis fanden. In Köln gründete sie 1976 mit ihren Studentinnen so zum Beispiel das erste Frauenhaus der Bundesrepublik.

Mies war ebenfalls Globalisierungs- und Konsumkritikerin. Nicht immer mehr, immer größer, sondern „das gute Leben für alle“ war ihr Anliegen.

Mies lebte mit ihrem indischen Ehemann lange in der Kölner Innenstadt, die letzten Jahre verbrachte sie – ebenfalls mit ihrem Mann – in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Klettenberg. Bereits 2013 übergab sie viele ihrer Schriften, Vorlesungen, Netzwerk-Kommunikation dem Frauengeschichtsverein, damals als Vorlass.

Um diese bedeutende Frau zu ehren, veranstaltete der Frauengeschichtsverein zu ihrem 93. Geburtstag eine Femmage in der Volkshochschule, bei denen viele von Mies ehemaligen Weggefährten an sie erinnerten.

Eine weitere Ehrung zum Gedenken an die wirkungsvolle Frauenrechtlerin und Vordenkerin Mies schwebt ihr und Hoerner vor. „Wir vom Frauengeschichtsverein setzen uns dafür ein, dass eine Straße nach Maria Mies benannt wird“, sagen sie.

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