Richter in Köln wird deutlich: „Sie sind wie eine gesengte Sau durch Köln gerast“

Richter in Köln wird deutlich: „Sie sind wie eine gesengte Sau durch Köln gerast“

Rundschau |

Weil ein 37-Jähriger im Amphetamin-Rausch den Unterschied zwischen Videospiel und Realität nicht mehr erkannte, legte er eine gehörige Crash-Fahrt durch Köln hin. Anschließend floh er in einem ICE nach Düsseldorf wo er von Bundespolizisten festgenommen wurde. Die ersten Worte des 37-Jährigen: „Ach krass, ist das tatsächlich so passiert?“ Doch was war „tatsächlich so passiert“? In der Nacht auf den 28. November 2021 hatte der Angeschuldigte, wie er vorm Amtsgericht angab, große Mengen Amphetamin konsumiert und mit einem Kumpel „Grand Theft Auto“ (GTA) auf der Playstation gespielt. Mit rund 410 Millionen verkauften Kopien ist GTA einer der erfolgreichsten Videospieletitel weltweit. In den mittlerweile fünf Teilen der Serie steuert der Spieler einen kriminellen Charakter durch eine fiktive amerikanische Großstadt — nicht selten in halsbrecherischen Crashfahrten mit gestohlenen Autos.

Am Morgen des Tattages wollte der 37-Jährige nach „durchzockter Nacht“ jedenfalls heim und stieg in den roten Lieferwagen seines Kumpels. „Der sagte noch: Lass das, das ist keine gute Idee“, sagte der 37-Jährige vorm Amtsgericht, wo ihm grob verkehrswidriges Fahren eines Kfz, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Unfallflucht und Fahren ohne Fahrerlaubnis vorgeworfen wurde. Wegen des Drogenrauschs handelte er aber schuldunfähig. Obwohl er keinen Führerschein hatte, war der Beschuldigte losgefahren.

„Es roch überall nach  verbranntem Gummi“

Seine Fahrt führte vom Belgischen Viertel ins Rechtsrheinische, wo ihn sein Weg unter anderem über Auenweg, Deutz-Mülheimer-Straße auf die Mülheimer Brücke und von dort zurück ins Linksrheinische führte. Mit bis zu 100 Stundenkilometern raste der Mann, zerstörte eine geschlossene Schranke und überfuhr rote Ampeln reihenweise. Auf dem Clevischer Ring hatten dann, nachdem es bereits mehrere Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern gegeben hatte, alarmierte Polizeikräfte erstmals Sichtkontakt und setzten zur Verfolgung an. „Die Fahrweise war schon sehr speziell, der fuhr über alle drei Fahrspuren und die Frontscheibe war komplett gesprungen“, sagte eine Beamtin (31) im Zeugenstand. Als die Beamtin den Fahrer aus den Augen verlor, fuhr sie der Nase nach: „Ich habe die Scheibe runter gedreht und konnte ihn riechen. Es roch überall nach verbranntem Gummi“, so die 31-Jährige. 14 Autos rammte der Mann — Gesamtschaden knapp 43 000 Euro. Linksrheinisch führte der Weg bis zur Aachener Straße, von dort Richtung Rhein und in den Rheinufer-Tunnel, wo die Amokfahrt in einer Wand endete. Doch der 37-Jährige stieg aus dem Wrack des Lieferwagens und floh zu Fuß zum Hauptbahnhof, wo er einen ICE nach Düsseldorf bestieg. Anhand von Videoaufnahmen konnte der Mann Bundespolizisten in Düsseldorf beschrieben werden, die den 37-Jährigen am dortigen Bahnhof noch im Zug festnahmen.

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Von der Amokfahrt geschockt, hatte der 37-Jährige nach der Tat alles richtig gemacht und sich umgehend in einen Drogenentzug mit Langzeittherapie begeben. „Heute bin ich clean und lebe nicht mehr in Köln. Ich will auch nicht mehr zurück“, sagte der 37-Jährige, der sich bei allen Opfern aufrichtig entschuldigte. „Ich freue mich, dass mein Mandant die richtigen Lehren aus dem Vorfall gezogen hat und sich mittlerweile auf einem guten Weg befindet“, sagte Verteidigerin Monika Troll der Rundschau. Weil kein Substanzkonsum beim 37-Jährigen mehr vorlag, gab es keine Grundlage, ihn in eine Entziehungsanstalt einzuweisen. Den Antrag der Kölner Staatsanwaltschaft wies das Gericht zurück.

Deutliche Worte vom Vorsitzenden gab es dennoch: „Sie sind wie eine gesengte Sau durch Köln gerast, weil Sie dachten, Sie sind in einem Spiel. Ich mache das hier ja schon viele Jahre, aber sowas habe ich auch noch nicht erlebt“, sagte dazu Richter Karl-Heinz Seidel kopfschüttelnd.

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