Prozess in Köln: Obdachlosen aus dem Hauseingang vertrieben – so wehrte er sich

Prozess in Köln: Obdachlosen aus dem Hauseingang vertrieben – so wehrte er sich

Rundschau |

Prozess in KölnObdachlosen aus dem Hauseingang vertrieben – so wehrte er sich

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Das Justizzentrum in Köln

Copyright: Meike Böschemeyer

Der 47-Jährige steht vor dem Landgericht. Ihm droht die Einweisung in die Psychiatrie.

Als morgens ein Obdachloser (47) in einem Hauseingang in Rodenkirchen lagerte, forderte ein 66-Jähriger den Mann auf, zu verschwinden. Doch der 47-Jährige reagiert nicht. Als der 66-Jährige ihn erneut auffordert, Platz zu machen und eine Decke und eine Plastiktüte des 47-Jährigen auf eine wenige Meter entfernte Bank legte, wurde er mit Pfefferspray angegriffen. Seit Montag steht der 47-Jährige nun vor dem Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft beantragte die dauerhafte Unterbringung des 47-Jährigen in einer Psychiatrie, weil auch weiterhin rechtswidrige Taten von ihm zu erwarten seien. Laut der Antragsschrift der Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte die Nacht auf den 15. November 2023 in einem Hauseingang am Maternusplatz in Rodenkirchen verbracht. Ein Bewohner des Hauses habe den 47-Jährigen am Morgen dann gebeten, sich einen anderen Platz zu suchen. Dabei habe der Bewohner die Decke des Beschuldigten genommen und wenige Meter weiter auf eine Parkbank gelegt. Daraufhin habe der 47-Jährige ein Pfefferspray gezückt und dem Mann Reizstoff ins Gesicht gesprüht.

Zeugen mit Messer bedroht

Anschließend soll der Angeschuldigte Zeugen, die die Tat beobachtet hatten, ebenfalls mit Pfefferspray und einem Messer bedroht. Ein Zeuge, der sich daraufhin hinter eine gläserne Haustür begeben habe, habe der Angeschuldigte die Haustür mit Pfefferspray eingesprüht. Der 47-Jährige bestritt nicht, den 66-Jährigen mit Pfefferspray besprüht zu haben. Jedoch sei nicht er aggressiv gegenüber dem Mann gewesen, sondern umgekehrt. „Der hat mir meine Sachen geklaut“, sagte der 47-Jährige. Pfefferspray habe er dann eingesetzt, als der Mann eine Waffe habe ziehen wollen. Zwar habe er keine Waffe gesehen, aber es habe so ausgesehen, erklärte der 47-Jährige.

Da habe er ihm ins Gesicht gesprüht und wähnte sich damit im Recht. Der Beschuldigte wies dann darauf hin, dass ihm vor Jahren schon beide Füße amputiert worden seien. zum Beweis legte er seine Beinstumpen auf die Anklagebank und sagte: „Ich habe Angst gehabt in meiner Situation, mit zwei amputierten Füßen.“ Der 66-Jährige erklärte im Zeugenstand, er habe den Beschuldigten aus dem Eingang entfernt sehen, weil seine 92 Jahre alte Mutter raus wollte. Nur mit ihrem Rollator wäre die nicht an dem vorbeigekommen. „Ich habe dem herzhaft gesagt, dass er verschwinden soll“, sagte der Zeuge. Dann habe er ein paar Dinge erledigt. Als er eine Viertelstunde später zurückkehrte, sei der 47-Jährige immer noch dort gewesen. Da habe er ihn erneut aufgefordert zu verschwinden. „ich habe dann eine Decke und eine Tüte genommen und die auf eine Bank gelegt. Als ich mich wieder umgedreht habe, da hat der schon auf mich gezielt und mit Pfeffer auf mich geschossen“, sagte der 66-Jährige.Anschließend sei er in einen nahegelegenen Juwelierladen geflüchtet und habe die Türe versperrt. „Das war schon ein heftiger Tag“, sagte der Zeuge. Der Prozess wird fortgesetzt.

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