Prozess in Köln: Mann soll Schwangere in Leverkusen erstochen haben

Prozess in Köln: Mann soll Schwangere in Leverkusen erstochen haben

Rundschau |

Im Oktober 2023 wird in Leverkusen eine im vierten Monat schwangere Frau auf offener Straße von ihrem ehemaligen Lebensgefährten mit einem Küchenmesser erstochen. Die 35 Jahre alte Frau stirbt noch am Tatort. Auch der Fötus im Mutterleib kommt bei der brutalen Tat ums Leben. Um dem Opfer vor beim Auftakt des Mordprozesses gegen den mutmaßlichen Täter (34) ein Gesicht zu geben, haben Mutter und Schwester, die – neben Vater und Bruder – als Nebenkläger in dem Prozess auftreten, ein Foto vor sich aufgestellt. Darauf zu sehen ist eine Frau mit dunkelblonden Haaren, freundlichem Lächeln und strahlend blauen Augen.

Als der Angeklagte von Justizwachtmeistern um kurz nach 9 Uhr in den Saal geführt wird, sagt eine der beiden Frauen leise, aber dennoch deutlich vernehmbar: „Mörder. Mörder.“ Auf Mord aus niedrigen Beweggründen und verbotenem Schwangerschaftsabbruch lauten seit Dienstag vor dem Kölner Landgericht nun die Vorwürfe gegen den 34 Jahre alten Türken, der unter anderem mit seiner Mutter in einem Mehrfamilienhaus in Leverkusen lebte.

Beziehung und Schwangerschaft geheim gehalten

Kurz vor der Tat soll das spätere Opfer dem 34-Jährigen per Chat mitgeteilt haben, dass sie die vorangegangene Beziehung und die daraus resultierende Schwangerschaft gegenüber der Mutter des Angeklagten offenbaren wolle. „Der Angeschuldigte, der seiner muslimischen Familie gegenüber die Beziehung zur Geschädigten und deren Schwangerschaft bislang geheim gehalten hatte, wollte diese Offenbarung um jeden Preis verhindern“, sagte die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung. Der Angeklagte habe aufgrund der „aus seiner außerehelichen Beziehung resultierenden Schwangerschaft einen Ansehensverlust“ befürchtet, lautet das in der Anklageschrift genannte Tatmotiv. Darum habe sich der 34-Jährige mit einem Küchenmesser mit rund 14 Zentimeter langer Klinge bewaffnet und das spätere Opfer vor dem Mehrfamilienhaus abgepasst.

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Tödlicher Stich ins Herz

Vor dem Haus habe sich zunächst eine verbale Auseinandersetzung entwickelt, die sich auf die Straße und schließlich in einen in der Nähe gelegenen Wendehammer verlagert habe. „Dort zog der Angeschuldigte das mitgeführte Küchenmesser hervor und stach mit diesem in Tötungsabsicht mehrfach kraftvoll auf den Oberkörper der Geschädigten ein“, sagte die Staatsanwältin. Hierdurch habe die 35-Jährige mindestens zehn Stich- und Schnittverletzungen erlitten. Insbesondere im Bauch- und Rückenbereich, „die mit Verletzungen der Leber, des Magens, der Bauchspeicheldrüse und des Herzens einhergingen“.

Tödlich gewesen sein sollen schließlich die Folgen eines Herzstichs. Sie verstarb, wie auch der Embryo im Mutterleib, noch am Tatort.

Der Angeklagte soll nach der Bluttat zunächst geflüchtet sein. Dann habe er aber selbstständig den Notruf gewählt und sich in Tatortnähe widerstandslos von Polizeibeamten festnehmen lassen. Ein an der Festnahme beteiligter Beamter (30), der als erster Zeuge in dem Prozess auftrat, sagte: „Der Angeschuldigte war deutlich mit Blutanhaftungen beschmiert.“ Zudem habe er „apathisch“ gewirkt. „Sein Blick war leer“, sagte der 30-Jährige.

Ob sich der Beschuldigte nach dem Zustand des Opfers erkundigt habe, fragte der Vorsitzende Alexander Fühling. Die Antwort des Beamten: „Nein, da kam gar nichts. Das hat mich auch gewundert.“ Vielmehr habe der 34-Jährige „völlig gleichgültig“ gewirkt, sagte der Zeuge weiter.

Der Prozess wird fortgesetzt und ist mit insgesamt sechs weiteren Verhandlungstagen bis Ende Mai terminiert.

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