Migranten in neuer Kölner Talkshow: „Hatte keine Lust, das brave arabische Mädchen zu sein“

Migranten in neuer Kölner Talkshow: „Hatte keine Lust, das brave arabische Mädchen zu sein“

Rundschau |

Migranten in neuer Kölner Talkshow„Hatte keine Lust, das brave arabische Mädchen zu sein“

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Journalistin und Moderatorin Nada Assaad aus Köln spricht in ihrer neuen Live-Talkshow mit Gästen über ihre Migrationsgeschichten.

Copyright: Katharina Kampen

Im Mai findet die erste Ausgabe eines neuen Talk-Formats in der Wohngemeinschaft statt. Es geht um Migration, Klischees und Musik.

Eine neue Veranstaltungsreihe „Tausend & ein Talk – Die Migra Late-Night“ dreht sich um die Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie erzählen ihre Geschichten und decken Klischees auf. „Es geht darum, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen, wie das Leben und Aufwachsen von migrantischen Menschen in Deutschland ist“, sagt die Journalistin und Moderatorin Nada Assaad, die das Format ins Leben gerufen hat.

Der Name der monatlich stattfindenden Talkshow spielt auf die Märchen aus „Tausendundeine Nacht“ an. Die Gäste und Co-Hosts sowie das konkrete Thema variieren. Das Format spricht ein breites Publikum an, auch Menschen ohne Migrationshintergrund. „Es ist eng mit meiner Person verknüpft, damit es so nahbar wie möglich ist, sodass die Leute das Gefühl haben, dass Freunde auf der Bühne sind“, sagt die Moderatorin mit syrischen Wurzeln, die bereits Gastgeberin der Lesereihe „Read together“ in Köln ist. 

Kölnerin veranstaltet Talkshow zu Migration

Es gehe aber nicht nur um ihre Geschichte, sondern auch um „die von den Russlanddeutschen, italienischen, jüdischen, arabischen Menschen. Das Aufwachsen in Deutschland ist multikulturell. Es ist wichtig, über migrantische Themen zu sprechen. So kann man Verständnis schaffen und Brücken bauen“, so die gebürtige Westfälerin.

In ihrer Arbeit als Journalistin beschäftigt sich Assaad ebenfalls mit migrantischen Themen. In ihrem Alltag ist die 34-Jährige von Rassismus betroffen: „Wenn ich über migrantische Probleme spreche, werden mir die Erfahrungen oft abgesprochen. Rassismus ist nicht nur, wenn mir jemand auf der Straße etwas zuruft“, berichtet sie. „In der Medienbranche werde ich entweder auf meine Migration reduziert und als Token benutzt oder gar nicht gesehen.“

In der ersten Ausgabe geht es um Musik 

„Es gibt verhärtete Fronten. Menschen ohne Migrationshintergrund haben schnell eine Abwehrhaltung. Ich will den Leuten nicht vor den Kopf stoßen“, sagt sie. Deshalb gestalte sie das Format locker und humoristisch. „Es gibt schon Panels oder Talks, aber die sind stark akademisch oder trocken. Mir hat ein niederschwelliges Format gefehlt, was einen unterhaltenden Charakter hat“, so Assaad.

Wenn ich über migrantische Probleme spreche, werden mir die Erfahrungen oft abgesprochen. Rassismus ist nicht nur, wenn mir jemand auf der Straße etwas zuruft.

Nada Assaad, Journalistin und Moderatorin

Die erste Ausgabe findet am Donnerstag, dem 23. Mai, in der Wohngemeinschaft im Belgischen Viertel statt. Assaad spricht mit Co-Host und Autorin Elina Penner über ihre eigenen Erfahrungen und was Musik damit zu tun hat.

Am Gespräch nehmen Köchin und Autorin Ana Romas, DJ und Journalist Kosta Kostov und Instagram-Trainerin Luna Dickmann teil. Die Singer-Songwriterin Zara Akopyan performt am Abend live.

„Mit Musik verbindet man krasse Emotionen. Es ist ein starkes Mittel, das sowohl Freude, Trauer als auch Trost ausdrücken kann. Bei migrantischen Menschen sind das auch Gefühle, die mit der Heimat verbunden sind“, so Assaad, „Für mein migrantisches Aufwachsen haben bestimmte Songs viel bedeutet.“

Die Journalistin hörte schon als Teenager Rock und Punk. Wenn sie anderen von ihren Musikvorlieben erzählt, reagieren die Menschen oft verwundert. „Ich wollte nicht das brave arabische Mädchen sein“, sagt sie, „Es herrscht das Klischee, dass arabische Frauen eher Hiphop oder RnB hören. Musik bestätigt Vorurteile oder bricht sie.“


Die erste „Tausend & ein Talk – Die Migra Late-Night“ findet am Donnerstag, dem 23. Mai, um 20 Uhr in der Wohngemeinschaft, Richard-Wagner-Straße 39, statt. Tickets gibt es auf der Webseite

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