Medizin: Kölner Transplanteur glaubt an Erfolg mit Schweinenieren

Medizin: Kölner Transplanteur glaubt an Erfolg mit Schweinenieren

Rundschau |

Viereinhalb Stunden, dreimal pro Woche, muss Josef Schumacher zur Dialyse. Ein Krankentransport bringt ihn frühmorgens in die Uniklinik und am Nachmittag zurück nach Hause. Dazwischen verbringt er die Zeit in einem Krankenbett liegend, angeschlossen ans Dialysegerät. Auch noch am nächsten Tag ist er schlapp – auch eine Folge der Blutwäsche. „Mein Alltag ist dadurch sehr eingeschränkt“, erzählt der 77-jährige Kölner.

Nur eine erfolgreiche Transplantation kann erkrankten Patientinnen und Patienten die Dialyse ersparen. In Deutschland stehen rund 8500 Menschen auf der Warteliste für eine neue Niere, im Schnitt beträgt die Wartezeit neun Jahre. „Innerhalb dieser Wartezeit verstirbt ungefähr die Hälfte aller Menschen auf der Warteliste“, sagt Professor Dr. Dirk Stippel, Leiter des Transplantationszentrums der Uniklinik Köln. „Wir haben einen exorbitanten Mangel an Organen.“ Nicht nur weil es einen Mangel an Spendern gebe, sondern auch weil die Medizin immer besser werde und es immer weniger Hirntote gebe.

Spender ist das Yucatan Minipig

Insofern war die Nachricht aus Boston, wo am vergangenen Samstag einem 62-Jährigen eine genetisch veränderte Schweineniere implantiert wurde, für Professor Stippel eine sehr gute. „Die Nachricht aus Boston bedeutet, dass noch mal ein Fenster geöffnet wird und dass wir vielleicht demnächst genug Organe für alle haben, die warten“, so Professor Stippel. Er halte es durchaus für möglich, dass Schweinenieren in Zukunft die Hauptquelle für die Nierentransplantation seien. In Köln werden pro Jahr zwischen 80 und 100 Nieren transplantiert, ungefähr die Hälfte sind Lebendspenden.

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Ob die Transplantation in Boston langfristig erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. „Ob es funktioniert, weiß keiner. Aber man kann guter Dinge sein. Das ist ein sehr ernsthafter, guter Versuch“, so Stippel.  Optimistisch sei er auch aufgrund der Auswahl des Schweines, in dem das Organ gezüchtet worden sei: ein Yucatan Minipig. Es sei deutlich leichter als das bisher in Forschungen präsente Hausschwein und trage auch weniger Viren in sich. 69 genetische Änderungen seien am Schwein in Boston vorgenommen worden, damit die Niere nicht vom menschlichen Körper abgestoßen wird.

Die Nachricht aus Boston bedeutet, dass noch mal ein Fenster geöffnet wird und dass wir vielleicht demnächst genug Organe für alle haben, die warten.

Professor Dr. Dirk Stippel, Leiter des Transplantationszentrums der Uniklinik Köln

Wann die ersten Schweinenieren in Deutschland transplantiert werden könnten, wenn der US-amerikanische Versuch geglückt ist, sei schwer einzuschätzen, so Stippel. Die Ergebnisse würden nicht wie sonst in anderen Forschungsbereichen schnell publiziert, sondern oft zuerst bei der Patentierungsbehörde eingereicht. „Das Ganze ist immer schwierig von außen zu beurteilen, weil natürlich auch kommerzielle Interessen dabei sind“, so der Experte. In Deutschland gebe es eine Forschungsgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, die sich mit dem Thema beschäftige.

Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder Gefäßverschlüsse als Folge

Für Patient Josef Schumacher kommt keine Art der Spende infrage – auch nicht vom Schwein. Einen Nierenspender aus seinem engen Verwandtenkreis, so wie es das Transplantationsgesetz vorsieht, hätte es sogar gegeben. Doch die Ärzte rieten ihm aufgrund seines Gesundheitszustandes von einer für ihn lebensbedrohlichen Operation ab. „Positives Denken fällt mir in meinem Zustand nicht immer leicht“, gibt der Kölner zu.

Josef Schumacher ist nicht der einzige, der auf die Dialyse angewiesen bleibt. „Patienten mit Nierenerkrankung gehören zu den kränksten Patienten, die wir hier in der Uniklinik behandeln“, sagt Dr. Martin Kann, leitender Oberarzt in der Nephrologie. Denn wenn die Nierenfunktion ausfalle, habe dies Auswirkungen auf den gesamten Körper: Auch ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder Gefäßverschlüsse können die Folge einer Nierenerkrankung sein.

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