Langbahnen für Köln: So lief der erste Test ab

Langbahnen für Köln: So lief der erste Test ab

Rundschau |

Langbahnen für KölnSo lief der erste Test ab

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Mit einer Länge von 90 Metern beeindruckten die Testbahnen so manchen Passanten.

Copyright: Thomas Banneyer

Auf der Stadtbahnlinie 1 werden auf jeden Fall Langbahnen fahren. Die Frage ist nur, ob zwischen Heumarkt und Neumarkt im Tunnel oder oberirdisch. Zur Entscheidungsfindung gab es nun einen Testlauf.

Dass sie dringend erwartet werden, das ist Alltag bei Stadtbahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Dass sie mit Sprechchören begrüßt werden oder sich ihnen sogar ein Begleitkomitee zur Seite stellt, ist allerdings ein Novum. Dafür braucht es schon ganz besondere Bahnen, die in Köln so noch nicht gesehen wurden: mit einer Länge von 90 statt der üblichen 60 Meter. Erstmals schlängelten sich diese sogenannten Langbahnen am Sonntag durch die Innenstadt, von Deutz aus kommend über den Heumarkt bis zum Neumarkt. Einsetzen wird die KVB diese Bahnen auf jeden Fall, denn mit ihnen sollen die Kapazitätsprobleme auf der überlasteten Linie 1 behoben werden. Die einzige Frage dabei: Werden die Bahnen weiterhin oberirdisch verkehren oder wird ein Tunnel im Bereich vom Heumarkt bis zur Aachener Straße — auf der sogenannten Ost-West-Achse — gebaut werden? Eine der gewichtigsten verkehrspolitischen Entscheidungen für Köln seit dem Bau der Nord-Süd-Stadtbahn. Die CDU im Kölner Stadtrat wollte zur „Entscheidungsfindung“ den Testlauf mit den Langbahnen.

Von Demos begleitet

„Oben bleiben, oben bleiben…“ Die Sprechchöre und die begleitende Demonstration für die Langbahnen kamen aus den Reihen der Tunnelgegner. Unter anderem das Bündnis „Verkehrswende“, aber auch die Grünen und „Klimafreunde/Gut“ hatten zu den Demonstrationen aufgerufen oder folgten den Aufrufen. Die Frage, ob es auf der Ost-West-Achse einen Tunnel braucht, oder ob der Stadtbahnverkehr auch mit Langbahnen weiterhin oberirdisch abgewickelt werden kann, spaltet die Stadt – bis hinein in das Ratsbündnis aus Grünen, CDU und Volt.

So geriet schon der Antrag für die Testfahrt zum Politikum. Die CDU will nach eigenem Bekunden mit den Fahrten der Langbahnen vor allem Erkenntnisse zum Kreuzungspunkt östlich des Neumarktes gewinnen. Hier queren die Bahnen den Weg der Pkw, die den Neumarkt in Fahrtrichtung Westen umrunden. Kommt es zum Kollaps? Die Grünen wehrten sich gegen den Antrag, verlangten unter anderem, dann müssten am Neumarkt auch 20 Meter hohe Gerüsttürme aufgestellt werden, um die Tiefe des Tunnels zu symbolisieren. In diesem Spannungsfeld entstand ein Testlauf, der unter „erleichterten“ Bedingungen stattfand.

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Test unter „erleichterten“ Bedingungen

Die Langbahnen fuhren an einem Sonntag lediglich über zwei Stunden. Weil die Ampelschaltungen an den Kreuzungspunkten allein für den Sonderfall nicht umprogrammiert werden konnten, sicherten KVB-Mitarbeitende die Übergänge. Zusteigen durfte niemand. An den Haltestellen wurde durchgefahren. Einiges davon war Voraussetzung für die Genehmigung des Testlaufs durch die Aufsichtsbehörden. Die KVB betonte von vornherein, dass es unter diesen Umständen keine „Testergebnisse“ geben werde. Dennoch versprach KVB-Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks in einem ersten Statement am Sonntag eine „Auswertung“. Erfahrungen mit den Langbahnen sammelte sie in vorderster Reihe. Haaks steuerte selbst eine der Langbahnen bei den insgesamt 18 Fahrten.

Trotz der Umstände hatte sich die CDU immerhin noch einen ersten Eindruck versprochen. Und Eindruck machten die 90-Meter-Bahnen durchaus. „Schon sehr lang“, stellte mancher Passant staunend fest. Rund 35 Sekunden benötigten die Langbahnen, um den neuralgischen Kreuzungspunkt östlich des Neumarktes zu passieren. Und eben an diesem Punkt hat der Testlauf für Teresa De Bellis, verkehrspolitische Sprecherin der CDU, durchaus Erkenntnisse gebracht: „Es hat sich gezeigt, dass es dort eng wird. Wenn der Langzug an dieser Stelle gleichzeitig mit einer entgegenkommenden Bahn eintraf, musste eine der Bahnen warten. Zusammen konnten sie die Stelle nicht passieren.“ Ein anderes Bild zeichnete sich für Lino Hammer, Geschäftsführer der Grünen Stadtratsfraktion, ab: „Das befürchtete Chaos ist nicht eingetreten. Zwar sind die Züge lang, aber durchaus stadtbildverträglich.“

Mobilitätsdezernent Ascan Egerer gab sich nach dem Testlauf betont diplomatisch: „Da muss sich jetzt jeder selbst seine Meinung bilden.“ Die 90-Meter-Bahnen seien für Köln „ein Sprung“, aber bundesweit betrachtet durchaus „nicht ungewöhnlich“. Egerer kündigte für Ende Mai die Fertigstellung einer Beschlussvorlage an, mit der im Juni im Stadtrat beschlossen werden soll, ob es auf der Ost-West-Achse einen oberirdischen Ausbau oder einen neuen Stadtbahntunnel geben soll (siehe Infokasten).

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