Kölner Warenhaus bleibt erhalten: Galeria an der Breite Straße ist gerettet

Kölner Warenhaus bleibt erhalten: Galeria an der Breite Straße ist gerettet

Rundschau |

Kölner Warenhaus bleibt erhaltenGaleria an der Breite Straße ist gerettet

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Der Galeria-Standort an der Breite Straße hat wieder eine Zukunft.

Copyright: Meike Böschemeyer

Der frühere Karstadt an der Kölner Breite Straße bleibt erhalten. Eigentlich sollte das Galeria-Warenhaus Ende August für immer schließen, doch diese Pläne sind seit heute vom Tisch.

Riesenerleichterung bei den rund 150 Galeria-Beschäftigten an der Breite Straße: Heute Mittag erfuhren sie per Lautsprecherdurchsage von der Geschäftsleitung, dass ihr Warenhaus doch nicht geschlossen wird. Spontaner Applaus brandete auf, es flossen Tränen der Freude, Verkäuferinnen und Kundinnen lagen sich in den Armen. Vor genau 41 Tagen, am 27. April, hatte die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof während ihres dritten Insolvenzverfahrens das Aus für den Traditionsstandort verkündet.

Doch nun hat sich das Blatt überraschend gewendet. Das seit 1914 bestehende Warenhaus wird in der bisherigen Form weitergeführt und bleibt Teil des Galeria-Konzerns. „Es ist uns gelungen, diese Filiale zurückzuholen“, sagte Galeria-Finanzchef Guido Mager am Freitag vor Journalisten in der Breite Straße. Sämtliche Verkaufsflächen bleiben erhalten und sollen nun weiterentwickelt werden, auch durch Untervermietung an andere Einzelhändler. „Die Mitarbeitenden sind überglücklich. Heute wird gefeiert“, freute sich Christian Donth, Geschäftsführer der Filiale Breite Straße.

Möglich wurde die „Wiedergeburt“ durch ein Entgegenkommen des Gebäudeeigentümers Aroundtown SA bei der Höhe der Miete. Diese sei  „signifikant gesunken“, sagte Mager. „Wir zahlen jetzt eine Marktmiete.“ Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen, sagte aber, angesichts einer marktüblichen Miethöhe von acht bis zehn Prozent des Umsatzes bewege man sich jetzt „im unteren Bereich, also genau das, was der Insolvenzverwalter für die überlebenden Häuser angestrebt hat“.

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Wie berichtet, hatte der Eigentümer Aroundtown SA eigentlich geplant, das Karstadt-Gebäude abzureißen und einen neuen Wohn- und Geschäftskomplex zu errichten – mit Einzelhandel im Erdgeschoss, Büros und Wohnungen darüber sowie einer Tiefgarage und einem Hotel. Doch offenbar haben die Zinswende und die hohen Kostensteigerungen im Bausektor auch diese Pläne mit einem dicken Fragezeichen versehen. 

„Wir merken schon seit Anfang des Jahres, es gibt eine Wende in der Sicht, wie man Warenhäuser zu beurteilen hat“, sagte Galeria-Finanzchef Guido Mager. Man erlebe „eine kleine Renaissance des stationären Einzelhandels“, während das Onlinegeschäft im Moment rückläufig sei. „Wir haben steigende Frequenzen, mindestens stabile Frequenzen, würde ich mal behaupten. Das haben unsere Eigentümer und Vermieter der Häuser auch gemerkt.“ Bei den Projektüberlegungen zur Breite Straße sei dem Vermieter eines klar geworden: „Ohne einen so großen Ankermieter wie Galeria wird ein Projekt nicht funktionieren.“ Das sei ein Lernprozess. gewesen. „Andere Vermieter waren da schneller. Hier dauerte der Lernprozess etwas länger.“

Flächen aufgeben wolle man an der Breite Straße nicht, doch das Konzept werde weiterentwickelt, sagte Mager. „Wir haben insgesamt überall eher zu viel Fläche als zu wenig.“ Deshalb wolle man mehr untervermieten. „Wir versuchen, noch mehr Flächen in die Bewirtschaftung von anderen zu bringen, die es noch besser können als wir. Warum nicht? Und damit stabilisieren wir auch den Standort. Da kommt auch mehr Leben rein. Das ist das, was wir hier vorhaben. Nicht nur hier, auch in anderen Häusern.“

Auch Galeria-Häuser Berlin-Spandau, Mainz, Mannheim, Oldenburg und Würzburg bleiben erhalten

Vor neun Tagen, am 29. Mai, hatte die Gläubigerversammlung von Galeria Karstadt Kaufhof in der Messe Essen dem Sanierungsplan der angeschlagenen Warenhauskette zu gestimmt. Demnach sollten 1400 Stellen gestrichen und 16 von bundesweit 92 Filialen geschlossen werden, darunter auch die Breite Straße. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus hatte aber nicht ausgeschlossen, dass es für einzelne Filialen noch Lösungen geben könne.

Am Freitag gab das Unternehmen bekannt, dass auch die Galeria-Standorte Berlin-Spandau, Mainz, Mannheim, Oldenburg und Würzburg erhalten bleiben. Demnach werden jetzt nur noch 900 Stellen abgebaut. Insgesamt 500 Jobs konnten gerettet werden. Von 92 Filialen bleiben 82 erhalten.

Die Nachricht von der geplanten Schließung der Breite Straße hatte Ende April Entsetzen in der Belegschaft ausgelöst. Der Standort schreibe schwarze Zahlen, betonte der Betriebsrat gegenüber der Rundschau. Nun kann die Belegschaft wieder positiv in die Zukunft schauen. „Wir freuen uns riesig und werden den Standort jetzt weiterentwickeln“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Stefan Knott der Rundschau.

Reker: Beschäftigte haben Beitrag zur Neuaufstellung geleistet

Dass die Kölner Galeria-Standorte Hohe Straße und Nippes erhalten bleiben, stand bereits am 27. April fest. In letzter Minute wurde nun auch der dritte Kölner Standort an der Breite Straße gerettet. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärte, sie habe die Entscheidung mit großer Erleichterung aufgenommen. „Das sind vor allem gute Nachrichten für alle Mitarbeitenden. Sie haben immer wieder über viele Jahre mit großem Engagement und persönlichem Einsatz ihrem Konzern nicht nur die Treue gehalten, sondern darüber hinaus einen mutigen und entschlossenen Beitrag zur Neuaufstellung des Warenhauskonzerns geleistet“. Sie freue sich, so Reker, „dass nun alle Kölner Filialen erhalten bleiben können. Köln ist ein attraktiver Standort und ich hoffe, dass der Konzern hier nach seiner Umstrukturierung an seine alten Erfolge neu anknüpfen kann.“

Manfred Janssen, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Kölnbusiness, sagte: „Für Köln ist der Erhalt der Galeria-Filiale auf der Breite Straße ein sehr gutes Zeichen. Es bleiben Arbeitsplätze erhalten und ein beliebter Anlaufpunkt für Kölnerinnen und Kölner bleibt bestehen. Diese Kehrtwende im Insolvenzverfahren zeigt, dass die Investoren an diesem Standort Potenzial sehen. Das spricht für die Attraktivität der Kölner Innenstadt. Galeria profitiert von dieser Attraktivität und Köln wiederum von Galeria. “

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