Kabarettistin Lisa Eckhart: Als Kaiserin zum Staatsbesuch im Kölner Tanzbrunnen

Kabarettistin Lisa Eckhart: Als Kaiserin zum Staatsbesuch im Kölner Tanzbrunnen

Rundschau |

Es wurde dunkel im voll besetzten Tanzbrunnen, dazu erklang das Lied von Rammstein „Hier kommt die Sonne“. Die schlanke, platinblonde Kabarettistin erschien auf der Bühne und trug über ihrem hautfarbenen Body ein Reifrock-Gestell, gekrönt mit einer goldenen Sonnenkrone. Als Kaiserin Stasi die Erste von Ostdeutschland und Österreich kam sie auf Staatsbesuch in den Westen. Bei dem Wort Stasi handelt es sich um eine Wortschöpfung aus Stalin und Sissi.

Begrüßt wurden die Zuschauer also auch mit den Worten: „Liebe Genossinnen und Genossen“. Die in der Steiermark geborene Wahl-Leipzigerin sieht ihre Zeit für ein kommunistisches, monarchisches Kaiserreich endlich gekommen. „Österreich Ostdeutschland braucht mich, sonst öffnet Angela Merkel wieder die Grenzen zum Westen. Dabei habe ich endlich die Ostdeutschen aus ihrer Knechtschaft befreit und zurück in die Diktatur geführt.“

Lisa Eckhart: Eine kontroverse und einzigartige Künstlerin

Die Österreicherin, die mit bürgerlichen Namen Lisa Lasselsberger heißt, polarisiert wegen ihrer scharfen Zunge, messerscharfer Pointen und null Tabus. Ihr Humor lebt von der Provokation. „Mir steht der Taliban näher als der Protestantismus“, bemerkt die Kaiserin, oder „die USA ist ein bemerkenswertes Land. Sterbehilfe ist verboten, aber die Todesstrafe erlaubt“.

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Mit ihrem österreichischen Dialekt scheut sie sich nicht, kontroverse und politisch unkorrekte Kommentare zu äußern und dabei auch die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. „Ich wäre gerne Papst. Ich mag Latein, weiße Kleider und Jungs“. Doch gerade diese Unerschrockenheit und ihre Fähigkeit, komplexe Sachverhalte auf den Punkt zu bringen, bringt ihr Publikum dazu, über die gesellschaftlichen Normen, die unser tägliches Leben prägen, nachzudenken.

„Die Vorteile des Lasters“

In ihrem aktuellen Programm „Die Vorteile des Lasters“ bleibt kein Thema offen. „Der Scholz hält Winterschlaf bis Juni und geht dann in die Sommerpause“. Oder sie schwadroniert darüber, ob „Putin seine Eitelkeit noch zum Verhängnis wird“ und ob „die verweichlichten Deutschen mit ihrem vierlagigen Toilettenpapier wieder zum Wehrdienst müssen. Wir kennen ja keinen Wettbewerb mehr. Bei den Bundesjugendspielen darf es keine Gewinner mehr geben. Da gilt das Motto wie bei den deutschen Militärs: Dabei sein ist alles“.

Auch über sich selbst spricht die selbsternannte Kaiserin: „Männer sind Jäger, Frauen sind Sammler. Ich sammele Jäger“. Als Mutter eines Sohnes stellt sie fest: „Erziehung darf kein Muster haben, so erzieht man Musterknaben“.

Eckart präsentiert menschliche Schwächen und Abgründe in einem 90-minütigen kabarettistischen Feuerwerk. Köln dankt es ihr mit Standing Ovations.

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