Junge psychisch Erkrankte: Frühe Hilfe bei „Chaos im Kopf“ – neue Angebote der Alexianer in Köln-Porz

Junge psychisch Erkrankte: Frühe Hilfe bei „Chaos im Kopf“ – neue Angebote der Alexianer in Köln-Porz

Rundschau |

Junge psychisch ErkrankteFrühe Hilfe bei „Chaos im Kopf“ – neue Angebote der Alexianer in Köln-Porz

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Professor Jens Kuhn, Chefarzt Alexianer Krankenhaus (rechts) und Regionalgeschäftsführer der Alexianer Peter Scharfe

Copyright: Beatrix Lampe

Die Alexianer Köln stellen Angebote für psychisch kranke junge Erwachsene vor. Chefarzt Jens Kuhn sieht wachsenden Bedarf in Krisen-Zeiten. 

Für junge Menschen haben die vergangenen Jahre schwer zu bewältigende Umbrüche und vielfältige Ängste im Gepäck gehabt. Covid hat nachweislich zu einer deutlichen Zunahme von Angststörungen und Depressionen geführt, Jugendliche und junge Erwachsene waren von Einsamkeit und Motivationsmangel stark betroffen. Neuen Stress bringt die globale Erderwärmung, die erhebliche begründete Zukunftssorgen mit sich führt. Die Notwendigkeit, jungen Menschen mit psychischen Erkrankungen möglichst frühzeitig verlässliche Begleitung, Behandlung und weitergehende Hilfen anzubieten, steht im Fokus neuer Angebote der Alexianer Köln.

Professor Jens Kuhn, seit Januar als Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Alexianer Fachkrankenhauses, und Peter Scharfe, Regionalgeschäftsführer der Alexianer Köln GmbH, stellten die Angebote speziell für junge Menschen jetzt vor. Kuhn machte deutlich, dass Stressfaktoren im Alltag, Ausgrenzung in sozialen Netzwerken, Mobbing in der Schule zu großem Leid führen könnten.

Durch Cannabiskonsum: Jugendliche bei psychischen Erkrankungen frühzeitig unterstützen

Er sprach auch die durch frühen Cannabiskonsum ausgelösten, gravierenden Folgen für die Entwicklung des Gehirns an, die psychische Erkrankungen zur Folge haben können. „Wenn wir betroffenen Menschen schon jungen Jahren helfen können, lässt sich oft noch viel abfangen, ehe eine Krankheitslast entsteht, die sich über die gesamte Lebenszeit erstrecken kann“, erwartet der Facharzt für Neurologie, Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie.

Der Aufbau eines Schwerpunktes für junge Menschen erfordere ein strukturelles Umdenken, sagte Peter Scharfe. Bei den für ältere Erwachsene wirksamen Hilfsangeboten beispielsweise in sozialpsychiatrischen Zentren „kommen junge Menschen nicht so richtig an“, sie bräuchten andere Formen der Ansprache. In den Beratungsstellen „Proberaum“  und „Proberaum WorX“ fänden junge Menschen hingegen altersentsprechende Unterstützung, wenn sie sich überwältigt vom „Chaos im Kopf“ fühlten.

Alexianer in Köln-Porz: Berufliche Perspektiven und Unterstützung für junge Menschen in der Krise

In geschütztem Rahmen, mit einer verlässlichen Begleitung an ihrer Seite, könnten die jungen Menschen sich wahrgenommen fühlen und lernen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. In Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Köln ließen sich dort auch Perspektiven beruflicher Art entwickeln.

„Manchmal brauchen junge Leute nur etwas Hilfe bei einem Nachreifungsprozess“, sagt der neue Chefarzt, Jens Kuhn, der zuvor die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Johanniter Krankenhaus Oberhausen geleitet hat. Nicht jede Krise erfordere psychiatrische Behandlung. Über enge Verbindungen zwischen Ärzteschaft und den Beraterinnen und Beratern in den Anlaufstellen für junge Menschen können weitergehende Unterstützung und Therapieangebote aber zeitnah und ohne Umweg erfolgen.

Mit der neuen „Station Anno“ im Alexianer Krankenhaus wurde jetzt ein speziell auf junge Erwachsene zugeschnittenes, stationäres Therapieangebot geschaffen. Schwerpunktmäßig werden von Depressionen oder Angsterkrankungen betroffene Frauen und Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren behandelt. Um die jungen Patienten kümmert sich ein Team, das „dafür auch selbst jünger im Kopf werden musste“, führt Peter Scharfe aus.

Die Alexianer wollen mit den Hilfen für junge Erwachsene eine Brücke zwischen den Angeboten für Kinder und Jugendliche einerseits und für ältere Erwachsene anderseits schlagen. Die angesprochene Zielgruppe werde bisher in Hilfesystemen zu wenig erfasst. Dabei sei das Problem offenkundig, berichten Scharfe und Kuhn. Sie wünschen sich auch von Gesetzgeberseite Unterstützung bei frühzeitigen Angeboten für junge psychisch Erkrankte. Über den Zusammenhang zwischen aktuellen Krisen-Zeiten und psychische Störungen referierte Kuhn im Rahmen seiner Vorstellung als neuer Chefarzt auch vor medizinischen Kolleginnen und Kollegen.

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