Interview mit Helmut Loggen: „Mich beschäftigt sehr die Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung“

Interview mit Helmut Loggen: „Mich beschäftigt sehr die Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung“

Rundschau |

Interview mit Helmut Loggen„Mich beschäftigt sehr die Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung“

Lesezeit 6 Minuten
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Helmut Loggen der neue Chef des Fördervereins Romanische Kirchen.

Copyright: Nabil Hanano

Helmut Loggen ist Jurist und war bis zu seiner Pensionierung stellvertretender Direktor des Diözesan-Caritasverbands Köln. Jetzt ist er der neue Chef des Fördervereins Romanische Kirchen.

Wie kamen Sie zu dem Amt?

Für mich hat sich damit ein bisschen der Lebenskreis geschlossen. Im Rahmen meiner juristischen Referendarzeit war ich 1981 im Amt für Denkmalpflege bei Stadtkonservatorin Hiltrud Kier tätig. Das war genau die Zeit, als der Förderverein Romanische Kirchen Köln gegründet wurde. Seitdem interessiere ich mich für Denkmalschutz. Ich bin auch seit über 40 Jahren Mitglied im Rheinischen Verein für Denkmalpflege und im Dombauverein. Im Sommer wurde ich angesprochen, ob ich den Vorsitz des Fördervereins übernehmen würde. Als Pensionär habe ich jetzt Zeit, und es passte thematisch zu mir. Ich finde es schön, sich für die Stadt Köln, die man liebt, einbringen zu können.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Mir ist wichtig, den Verein gemeinsam mit dem gesamten Vorstand in die Zukunft zu führen. Ein Thema, das mich sehr beschäftigt, ist die Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung. Die Mitgliederzahl stagniert bei etwa 2500. Neue Mitglieder zu werben und dafür zu sorgen, dass die Mitglieder uns die Treue halten, wird mein Hauptthema sein. Ich möchte auch mehr Unternehmen für den Verein interessieren, denn wir brauchen natürlich Sponsoren für den Erhalt der Kirchen. Daneben geht es um die Frage: Wie präsent ist unser Verein in der Stadtgesellschaft? Da ist noch Luft nach oben.

Woran messen Sie das?

Wenn ich an 1981 zurückdenke, als der Verein gegründet wurde, war das eine ganz andere Situation. Ich kann mich erinnern, dass Frau Kier in den Kirchen Vorträge gehalten hat und da saßen dann tausend Leute und mehr. Diese Zeit ist vorbei. Die Generation derer, die die romanischen Kirchen hier in Köln noch als Ruinen kennen, bis in die 80er Jahre hinein, die hatte ja die Motivation, diese Wunden zu heilen und die Kirchen wieder aufzubauen. Diese Generation stirbt aber aus.

Was folgt daraus?

Heute gilt es, wieder neu eine Identifikation mit den romanischen Kirchen zu schaffen und Begeisterung für das wunderbare historische Erbe zu wecken, das wir hier in Köln haben. Das ist ein großer Schatz, das möchte ich wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Auf meinem Pilgerweg nach Santiago de Compostela durch Frankreich habe ich die romanische Kirche Ste-Marie-Madeleine in Vézelay im Burgund besucht. Das ist eine fantastische Basilika. Aber wenn man bedenkt, dass Köln einen Kranz aus zwölf großen romanischen Kirchen hat und außerdem noch 13 kleine, dann kann man zu Recht stolz darauf sein, dass es hier ein weltweit einzigartiges Ensemble gibt.

Aber in Köln überstrahlt der Dom alles, vor allem bei den auswärtigen Gästen…

So ist es. Deshalb wollen wir Wege finden, das Interesse an den romanischen Kirchen wieder zu stärken. Nicht in Konkurrenz zum Dom, sondern in enger Partnerschaft. Auch unser langfristiges Ziel, dass Kölns romanische Kirchen in das Weltkulturerbe aufgenommen werden, haben wir nicht aufgegeben. Dafür möchten wir uns gerne zu einem passenden Zeitpunkt bewerben. Eine solche Auszeichnung würde sicher mehr Aufmerksamkeit auf unsere wunderschönen romanischen Kirchen lenken, insbesondere beim internationalen Publikum. Aber das ist ein weiter Weg.

Wie wollen Sie denn neue Mitglieder gewinnen?

Indem wir deutlich machen, wie schön es in unserem Verein ist (lacht). Mitglieder erhalten für ihren Beitrag unser reich illustriertes Jahrbuch „Colonia Romanica“, aber auch Angebote für Exkursionen und Veranstaltungen. Wir organisieren ein Weihnachtskonzert und vieles mehr.

Wir möchten stärker deutlich machen: Wer bei uns Mitglied ist, trägt aktiv zum Erhalt der romanischen Kirchen bei. Hier geht es um Gebäude, die teils seit über 1000 Jahren kontinuierlich genutzt wurden. Das ist eine einzigartige Tradition, die es zu bewahren gilt.

Wie wollen Sie das Bewusstsein für diese Bauwerke stärken?

Wir werden ab Ostern gemeinsam mit dem Domforum und „Katholisch in Köln“ das Angebot an Führungen durch die romanischen Kirchen erweitern, die Rundschau hat ja bereits darüber berichtet. Das sind einstündige Touren, die man bequem und schnell per Internet buchen kann . Oder man kauft die Tickets im Domforum. Sie führen teils in Bereiche der Kirchen, die man sonst nicht zu sehen bekommt. Zum Beispiel in die gotische Sakristei von St. Gereon mit ihrer Schatzkammer. Wir möchten auch unsere Präsenz in den Veedeln verstärken, etwa über mehr Zusammenarbeit mit Schulen, Hochschulen, Karnevalsgesellschaften und Vereinen. Ich kann mir Kooperationen mit Anbietern von Flusskreuzfahrten vorstellen, um mehr internationale Gäste anzusprechen. Wir sind auch an neuen Veranstaltungsformaten interessiert.

Was schwebt Ihnen da vor?

Wir würden die Kirchen als sakrale Räume gerne stärker für Kulturveranstaltungen öffnen, die natürlich mit dem liturgischen Raum vereinbar sein müssen. Zum Beispiel Konzerte und Lesungen. Die lit.Cologne war ja gerade wieder sehr erfolgreich. Ich fände es wunderbar, wenn das Literaturfestival künftig auch Lesungen in   den romanischen Kirchen veranstalten würde. Mit der Kölner Hochschule für Musik und Tanz habe ich schon über mögliche Konzerte gesprochen. So etwas geht selbstverständlich nur gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Pfarrgemeinden. Wir sind ja nicht der Eigentümer oder der Hausherr.

Wie steht es um die konkreten Förderprojekte des Vereins?

Da ist zum einen die Gestaltung der Fenster in Sankt Andreas durch den großartigen Künstler Markus Lüpertz. Das ist ein großes Projekt, in das wir viele Eigenmittel investieren. Auf der Südseite sind wir auf der Zielgeraden. Es müssen noch zwei Fenster eingesetzt werden: die Darstellung im Tempel und das Rosenkranzfenster. Daran schließt sich ein weiterer Teil an, und zwar die Fenster in der Eingangshalle. Dort sind deutlich kleinere Fenster. Sie sollen auch von Herrn Lüpertz gestaltet werden, es gibt aber noch keine Entwürfe.

Und was ist mit den historischen Glasmalereien in St. Kunibert?

Das ist unser zweites großes Projekt. Wir finanzieren die Restaurierung der drei Obergadenfenster. Das sind die ältesten Fenster in Köln, die noch an dem Ort sind, für den sie gemacht wurden, sie sind um 1230 entstanden. Im Augenblick wird das Kunibertfenster restauriert, danach das in der Mitte: Wurzel Jesse. Das kostet rund 300.000 Euro pro Fenster. Zwei hoch qualifizierte Restauratorinnen arbeiten an einem Fenster fast vier Jahre.

Das dritte große Projekt des Fördervereins ist der Bau einer Eingangshalle für Groß St. Martin. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Im Augenblick ist der Prüfstatiker noch damit beschäftigt. Es muss sichergestellt sein, dass das Fundament, sprich die Decke der Tiefgarage darunter, die Halle trägt. Man hat beim Bau der Tiefgarage bereits berücksichtigt, dass dort eine Vorhalle gebaut wird, die Idee für das Projekt stammt ja aus den 70er-Jahren.   Aber damals ging man nicht davon aus, dass es so ein massiver Bau wird. Von daher muss man prüfen, ob die Decke von unten verstärkt werden muss.

Wann sollen die Bauarbeiten an der Vorhalle losgehen?

Ich hoffe, dass das Ausschreibungsverfahren in den nächsten vier bis sechs Wochen beginnt. Und dass die Grundsteinlegung noch in diesem Jahr sein wird. Das hoffen wir sehr.

Sind die stark gestiegenen Baukosten ein Problem?

Die Kosten waren bisher mit rund 1,2 Millionen Euro kalkuliert. Der Förderverein kann 600.000 Euro dazugeben, aber nicht mehr. Ich habe mit dem Erzbischof darüber gesprochen und mit meinen Ansprechpartnern im Generalvikariat. Bis jetzt gibt es keine Anzeichen dafür, dass das Projekt zurückgestellt wird.

Haben Sie eigentlich eine Lieblingskirche unter Kölns romanischen Kirchen?

Ja, zwei: St. Georg – dort habe ich geheiratet. Und St. Maria Lyskirchen – dort sind unsere Kinder getauft.

www.romanische-kirchen-koeln.de


Helmut Loggen ist Jurist und war bis zu seiner Pensionierung stellvertretender Direktor des Diözesan-Caritasverbands Köln. Der Familienvater stammt aus Eschweiler und lebt seit dem Studium in Köln. Zu seinen Hobbys gehört das Wandern und Pilgern. 2022 ist er den Jakobsweg von Köln bis Santiago de Compostela zu Fuß gelaufen.

Der Förderverein Romanische Kirchen Köln e.V. wurde 1981 gegründet. Sein Ziel ist die Erhaltung und Ausgestaltung der romanischen Kirchen in der Stadt Köln zu fördern. Der Verein unterstützt die Kirchengemeinden bei substanzerhaltenden Maßnahmen an den Bauwerken und bei Restaurierungen an Teilen der historischen Ausstattungen. Gefördert werden vor allem die zwölf großen romanischen Innenstadtkirchen. Der Verein widmet sich auch der wissenschaftlichen Forschung über Kölner Kirchen. (fu)

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