Großkontrolle: Unterwegs im Kampf gegen Drogenschmuggel auf der Rheinland-Route

Großkontrolle: Unterwegs im Kampf gegen Drogenschmuggel auf der Rheinland-Route

Rundschau |

Es geht um Bauchgefühl, Erfahrung und auch Kommissar Zufall. Wenn die Fahnder von Polizei und Zoll über die Autobahnen im Raum Köln fahren und Drogenschmuggler suchen, entgeht den Beamten kein Detail. „Auch abgefahrene Reifen können ein Indiz sein“, sagte ein Fahnder bei einer Großkontrolle an der A 57.

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Tierischer Einsatz in einem gestoppten Lastwagen. Die Durchsuchung ist in der Regel nach 15 Minuten vorbei.

Copyright: Thomas Banneyer

Ist der Wagen schon Tausende Kilometer von Osteuropa auf Drogenrouten nach Westeuropa unterwegs? Wurde das Auto schon sehr oft für die Touren eingesetzt? Der gestoppte hochwertige Volvo-Mietwagen aus Spanien hatte abgefahrene Reifen. Auch das Verhalten des Fahrers war verdächtig. Der Fahrer ignorierte das Anhalte-Zeichen der Polizei und überholte den Zivilwagen. Als die Polizei ihn wieder zum Stopp aufforderten, blieb der Fahrer auf der Autobahn plötzlich stehen. Es kam zu einer gefährlichen Situation auf der A 57. Nur weil hinter dem Volvo ein weiterer Zivilwagen die Situation mit Blaulicht absicherte, kam es nicht zu einem Unfall.

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Drogenspürhunde schnüffelten auf dem Parkplatz Esch an der A 57 nach Rauschgift.

Copyright: Thomas Banneyer

Später stellte sich nach der Kontrolle auf dem Parkplatz Esch heraus: Fahrer und Beifahrer waren unverdächtig. Sie waren wohl Messekunden aus dem Ausland und waren mit der Situation überfordert. Dieses Mal funktionierte es nicht mit dem Bauchgefühl. Aber das ist eher die Ausnahme.   Bei der Großkontrolle ging es um   den Drogenschmuggel von den Niederlanden nach Osteuropa. Deshalb hielten die Beamten mehrfach Fahrzeuge aus Rumänien an.

Wo vor ein paar Jahren noch ein halbes Kilo Kokain viel war, finden wir jetzt bis zu 20 oder 30 Kilogramm.

Jens Ahland, Zollsprecher, zu den Kokain-Funden

„Eine Tendenz ist für uns ganz klar: Seit Anfang des Jahres haben wir eine Zunahme, was die einzelnen Mengen an Drogen in den Fahrzeugen angeht“, sagt Jens Ahland vom Zoll.„Wo vor ein paar Jahren noch ein halbes Kilo Kokain viel war, finden wir jetzt bis zu 20 oder 30 Kilogramm“, ergänzte der Sprecher.   Rund 70 Kilogramm Kokain, fast 31 Kilogramm Marihuana, mehr als sieben Kilogramm Crystal-Meth, knapp fünf Kilogramm Amphetamin sowie fast vier Kilogramm Heroin zogen die Beschäftigten der Kölner Kontrolleinheit unlängst aus dem Verkehr.

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Auch Drogenspürhunde müssen Gassi gehen, um die Riechorgane für den nächsten Einsatz wieder zu sensibilisieren.

Copyright: Thomas Banneyer

Insgesamt neun Männer aus Slowenien, Belgien, Polen, der Slowakei, den Niederlanden und Serbien im Alter zwischen 25 und 68 Jahren wurden auf dem Weg aus den Niederlanden oder Belgien auf verschiedenen Autobahnen im Großraum Köln und Bonn von Zollstreifen kontrolliert. „Nach widersprüchlichen Angaben zum Grund und der Route ihrer Reisen verriet ein Drogenwischtest an den Handflächen der Männer den Kontakt mit Betäubungsmitteln“, sagte Jens Ahland vom Hauptzollamt Köln. Bei der Suche nach dem Rauschgift mussten die Fahnder ganz genau hinschauen. „Speziell eingebaute Drogenverstecke in Autos sind für uns nichts Neues. Bei diesen Schmugglerfahrzeugen fanden wir die Drogen hinter dem Armaturenbrett oder Handschuhfach, im Motorraum und in doppelten Böden im Kofferraum oder der Reserveradmulde. Bei dem mit 68 Jahren ältesten Drogenschmuggler aus den Niederlanden fanden wir mit fast 33 Kilogramm Kokain die größte Einzelmenge. 30 szenetypische Kokainziegel waren im Kofferraum unter einer Metallplatte versteckt.

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Mund auf zur Speichelprobe: Dieser Mann wird überprüft.

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Nicht nur auf den Straßen sind die Fahnder unterwegs: „Die Bekämpfung des Drogenschmuggels in Zügen oder Reisebussen gehört für uns ebenfalls zum täglichen Geschäft. Vor allem die Größenordnung der Einzelaufgriffe hat in den letzten Jahren spürbar zugenommen. Eine junge Frau war mit mehr als zwei Kilogramm Kokain in ihrer Laptoptasche unterwegs“, erklärt der Zollsprecher. „In absolute Lebensgefahr begeben sich manche Schmuggler, wenn sie die Drogen in ihrem Körper verstecken. Einen für uns traurigen Rekord stellte vor knapp zwei Jahren ein 39-jähriger nigerianischer Busreisender mit mehr als einem Kilogramm Kokain im Bauch auf.“ Um die Drogen auszuscheiden, werden die Schmuggler in Krankenhäuser gefahren.

An der Aktion waren auch Polizisten aus den Niederlanden beteiligt. Eine der wichtigsten Schmugglerrouten läuft durchs Rheinland. Mit dabei waren   neben den Drogenspürhunden Bargeldspürhunde. „Wenn ich eine Million im Auto hätte, wäre ich am Strand in Antalya und nicht hier in Köln“, sagte ein Autofahrer zu den Durchsuchungen.

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