Geschichte in Köln: Ferdinand Franz Wallraf entwarf den Melatenfriedhof – und ist selbst dort begraben

Geschichte in Köln: Ferdinand Franz Wallraf entwarf den Melatenfriedhof – und ist selbst dort begraben

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Geschichte in KölnFerdinand Franz Wallraf entwarf den Melatenfriedhof – und ist selbst dort begraben

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Ein Ort für die Lebenden und die Toten: Der von Ferdinand Franz Wallraf konzipierte Melatenfriedhof ist eine grüne Oase in der Stadt mit einer reichen Flora und Fauna.

Copyright: Thomas Banneyer

Der berühmte Melatenfriedhof geht auf die Planungen des vielbewunderten Sammlers, Gelehrten und Lokalhelden Ferdinand Franz Wallraf aus dem 19. Jahrhundert zurück.

„Trauert, Kirche, Wissenschaft und Kunst! Trauert, Bürger Kölns!“, ruft der Totenzettel zur Beerdigung von Ferdinand Franz Wallraf auf. Die Anteilnahme in Köln ist groß, als der verehrte Sammler, Gelehrte und Stadtgestalter am 18. März 1824 stirbt. In einem großen Trauerzug wird er von St. Aposteln aus zu Grabe getragen. Auf „seinem“ Gottesacker Melaten an der Aachener Chaussee findet der Planer des ersten städtischen Zentralfriedhofs selbst seine letzte Ruhe, damals noch weit vor den Toren der Stadt.

Die Fülle der Beisetzungen in der Stadt hatte zu nicht hinnehmbaren hygienischen Zuständen geführt.

Aus der Festschrift 200 Jahre Melatenfriedhof

Wallraf legte den Grundstein für einen der bedeutendsten Friedhöfe Deutschlands, 1810 eingeweiht. Was für Paris der berühmte Cimetière Père Lachaise, ist Melaten für Köln. Das erzählen heute Stadtführer gerne bei einem Spaziergang über die weitläufige Anlage mit gut 55 000 Gräbern auf 435 000 Quadratmetern. Über Prachtmeilen wie der „Millionenallee“ geht es zu versteckteren Winkeln unter alten Bäumen und unter den Fittichen vieler steinerner Engel, vorbei an Grabstätten von Persönlichkeiten, die Geschichte erzählen.

Melaten ist berühmt für seine aufwendig gestalteten historischen Grabmäler.

Copyright: Thomas Banneyer

Auch die von Wallraf. Sein Grab liegt am alten Hauptweg, direkt hinter dem von ihm entworfenen Haupt-Eingangsbereich Tor II. Auf dem Giebel steht die goldene Inschrift „Funeribus Agrippinensium Sacer Locus“   für die Gräber der Kölner heiliger Ort (s. Infotext).

Es ist ein Ort mit bewegter Vor-Geschichte. Sie führt vom mittelalterlichen Leprosenheim bis zu einer Art Revolution des Bestattungswesens im hillije Kölle. Die Entstehung des neuen Zentralfriedhofs geht auf Napoleon zurück. Mit einem Dekret untersagte der französische Kaiser während der Besatzung Kölns 1804 aus hygienischen Gründen alle Beerdigungen innerhalb der mittelalterlichen Stadt, was vor allem die Katholiken betraf.

Eines der Grabmäler auf Kölns berühmtem Friedhof

Copyright: Thomas Banneyer

Bis etwa 1800 hatten Bestattungen in Kirchen beziehungsweise auf Kirchhöfen stattgefunden, heißt es in der Festschrift der Stadt über Melaten zum 200. Geburtstag. Die Fülle der Beisetzungen habe zu „nicht hinnehmbaren hygienischen Zuständen geführt“.

Zahlreiche Führungen werden über Melaten angeboten.

Copyright: Thomas Banneyer

Das Bestattungswesen wurde darauf der Zivilgemeinde übertragen. Die Stadt musste notgedrungen eine neue Begräbnisstätte schaffen. Bis 1829 durften dort nur Katholiken beerdigt werden. Mit der Gestaltung beauftragte die Stadt Professor Wallraf, Fachmann für die schönen Künste, Ästhetik und Botanik. Sie kaufte für die Anlage das Areal des ehemaligen Leprosenheims an der Aachener Chaussee; außerhalb der Stadtgrenzen hatte man dort früher die Kranken wegen der Ansteckungsgefahr isoliert. Außerdem befand sich außerhalb des Geländes in der Nähe bis ins späte 18. Jahrhundert eine Hinrichtungsstätte.

Der Blick verfängt sich an vielen besonderen Statuen.

Copyright: Thomas Banneyer

Die Stiftung für Leprakranke trug den Namen „Maladen“, woraus sich „Melaten“ entwickelte, wohl auch abgeleitet vom französischen „malade“, krank. Frankreich und die Klassik inspirierten jedenfalls die Gestaltung des Gottesackers. Wallraf plante sein Werk im Stil des Klassizismus als Begräbnisstätte und öffentliche Grünanlage zugleich, ein Ort für die Toten und die Lebenden.

Als Gestaltungsprinzip wählte er ein weitgehend geometrisches Grundraster. Pragmatisch strukturierte er ein gradliniges Wegenetz mit Hauptachsen und rechtwinkligen Fluren, mit Bereichen für die mehr und die weniger Betuchten. Gartenarchitekt Maximilian Weyhe entwarf 1826 dazu ein Begrünungskonzept mit Alleen, Platanen und Linden.

Zur historischen Anlage gehören auch die Einfriedungsmauern entlang der Aachener Straße mit den Eingängen, darunter das frühere Hauptportal.   Der alte Hauptweg führt von hier aus nach Norden und kreuzt die Ost-West-Mittelachse, im Volksmund Millionenallee genannt. Später wurde der Haupteingang zur Piusstraße verlegt.

Ein eher schlichtes Grabkreuz

Copyright: Thomas Banneyer

Die Symmetrie stieß nicht bei allen auf Beifall. Kritiker der „uninspirierten“ Struktur favorisierten parkähnliche Anlagen nach englischem Trend mit geschwungenen, „natürlichen“ Wegen. Wallraf integrierte in den Friedhofsbereich auch die alte Kapelle des Leprosenhauses von 1474. St. Maria Magdalena und Lazarus wurde mehrfach instandgesetzt, heißt es in der städtischen Broschüre. Ihre Ursprünge reichen bis ins Jahr 1245 zurück. Ein historisches Juwel. Heute liegt die idyllische Kapelle etwa in der Mitte der verlängerten Friedhofsmauer, vis-à-vis der KVB-Haltestelle Melatenfriedhof an der Aachener Straße.

Der Gottesacker wächst und gedeiht. Es entstand ein Ort für die Trauer und Erinnerung, zugleich eine lebendige grüne Oase mit vielfältiger Flora und Fauna. Die rasant gewachsene Stadt hat den einst abgelegenen Platz längst eingeholt. Melaten liegt jetzt mittendrin. Ein Ort für die Toten und die Lebenden. Bis in alle Ewigkeit.


Wallrafs Grab

Viele Gräber erzählen Geschichte auf Melaten. Die „Promidichte“ unter den Bestatteten ist hoch auch Ferdinand Franz Wallraf und Museumsstifter Johann Heinrich Richartz sind hier begraben.

Der schlichte Grabstein

Copyright: Martina Windrath

Wallrafs Grab liegt am alten Hauptweg, der von der Aachener Straße gen Norden führt, direkt hinter dem von ihm klassizistisch entworfenen Entrée rechts. Auf dem Giebel von Tor II prangt die Inschrift „Funeribus Agrippinensium Sacer Locus“ (Für die Gräber Kölns heiliger Ort).

Auf der Rückseite hat der Planer signiert: „Der Kirchhof Melaten bei Coeln allhier wurde geweiht durch den Dompfarrer DuMont 1810 am 29. Juni F.F. Wallraf“. Die Grabstätte wurde nach dem Tod von Stifter Richartz 1861 zum Doppelgrab. Ein 1867 realisiertes Monument für beide wurde im II. Weltkrieg zerstört und in den 50er Jahren durch einen schlichten Grabstein (Foto) von Bildhauer Heribert Calleen ersetzt. Eine Führung mit Barbara Schock-Werner findet Freitag,10. Mai. ab 17 Uhr statt. Anmeldung nötig. (MW) rahnenfuehrer@ub.uni-koeln.de

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