„Endlich geht es los“: Ford in Köln startet in eine neue Ära

„Endlich geht es los“: Ford in Köln startet in eine neue Ära

Rundschau |

„Endlich, ich freue mich, dass es endlich losgeht. So geht es auch unseren Mitarbeitenden und dem Handel.“ Die Erleichterung bei Christian Weingärtner, Geschäftsführer Marketing und Verkauf der Ford-Werke, ist deutlich spürbar am Tag, an dem Ford die Serienfertigung des ersten europäischen Elektroautos in Köln gestartet hat. Und sie ist auch bei den 2300 Mitarbeitenden in der Produktion spürbar, die das Explorer genannte Auto in der Y-Halle des Werks in Köln-Niehl montieren oder in anderen Hallen Teile dafür herstellen.

Ford investiert zwei Milliarden in Köln

Zwei Milliarden Dollar hat Ford in den Umbau des Werks in das neue Cologne Electric Vehicle Center investiert, in dem ausschließlich E-Autos vom Band rollen werden. In einer neuen Halle schweißen 400 Roboter die Karosserien zusammen. Über 1000 Schweißpunkte setzen sie dabei und verbinden dabei auch hochfeste Stähle miteinander, die die Batterie rundherum schützen. Zunehmend wird auch Kleber verwendet, etwa zum Abdichten, damit die Batterie vor Nässe geschützt wird.

Drei Stunden dauert es, bis der Unterboden fertig ist, in sechs Stunden dann die komplette Karosserie. Alle 54 Sekunden kann eine Rohkarosse vom Band laufen, wenn die Produktion hochgefahren ist. Theoretisch könnten im Jahr 250 000 Fahrzeuge gebaut werden.

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Am Dienstag hat die Produktion des Ford Explorer in Köln begonnen.

Copyright: Costa Belibasakis

Neu ist ein Messzentrum, in dem Karosserien komplett von außen und auch innen gescannt werden. Hier werden auch für das Auge kaum sichtbare Abweichungen von 0,1 Millimeter entdeckt. Zwei Autos pro Schicht werden hier unter die Lupe genommen, zusätzlich auch drei bis fünf Teile aus der Komponentenfertigung.

Auch bei der Fahrzeugmontage wird an der Linie fleißig gescannt. Lose Steckverbindungen oder fehlerhafte Verschraubungen in der Batterieumgebung sollen etwa entdeckt werden. Dies ist durchaus komplex. Es gibt Kabel, Leitungen und Kühlkanäle, die die Batterie kühlen sollen. Fällt hier ein Fehler erst auf, wenn Antriebsstrang und Karosserie bei der sogenannten Hochzeit verbunden sind, sind sehr aufwendige Nacharbeiten nötig. Vielleicht muss sogar die Batterie wieder entfernt werden.

Ford in Köln: In der Lackiererei herrschen die Roboter

Neu ist auch die Lackiererei, wo die Fahrzeuge in Tauchbädern eine Hohlraumkonservierung, einen Rostschutz sowie letztlich den Lack erhalten. Die kommt praktisch ohne Mitarbeitende aus, Roboter erledigen auch hier die Arbeit. Im neuen Kontrollzentrum lässt sich der gesamte Fertigungsprozess in Echtzeit überwachen – bis hin zur Anzahl einzelner Schrauben und Muttern an einer Arbeitsstation. Dazu läuft auf einem Touchscreen, der eine ganze Wand einnimmt, der sogenannte „digitale Zwilling“ des Werks. Er bildet sämtliche Arbeitsstationen sowie die dazugehörigen Informationen über Werkzeugausstattung, Materialflüsse, Arbeitssicherheit und vieles mehr ab. Zusätzliche Informationen über den Status ihrer Arbeitsstationen steuern die dortigen Beschäftigten über kleine Touchscreens bei.

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700 Robototer arbeiten im Ford-Werk in Köln Niehl. Sie schweißen Bleche zusammen, schneiden sie oder lackieren auch Fahrzeuge.

Copyright: Costa Belibasakis

„Wir überwachen jeden Fertigungsschritt, vom Zusammensetzen der ersten Teile bis zum Herausrollen des fertigen Fahrzeugs, und erzielen so für unsere Kunden ein nie dagewesenes Qualitätsniveau“, erklärt Rene Wolf, Geschäftsführer Produktion der Ford-Werke.

Antriebsstrang und Karosserie sind mit 58 Schrauben miteinander verbunden. Die ziehen Roboter an. Beim Fiesta reichten dafür sechs Schrauben. Weniger Arbeit habe man mit Elektroautos nicht.

Das Kölner Werk zählt zu den effizientesten Fertigungsstätten von Ford weltweit. Gleichzeitig konnte man laut dem Autobauer die Emissionen, den Wasserverbrauch sowie den Energiebedarf deutlich verringern. Schon heute deckt Ford den Strom- und Gasbedarf des Werks vollständig aus zertifiziertem erneuerbarem Strom und Biomethan.

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Zwei Milliarden Dollar hat Ford in den Umbau des Werks investiert.

Copyright: Costa Belibasakis

Eigentlich hätte der in Köln-Merkenich entwickelte Wagen auf Basis einer VW-Plattform schon im Herbst des abgelaufenen Jahres auf den Markt kommen sollen. Doch kurz vor dem geplanten Produktionsanlauf im August trat der Autobauer voll auf die Bremsen. Der Wagen sollte eine andere Batterie als ursprünglich geplant bekommen. Die sollte neue weltweite Regelungen unter anderem zum Brandschutz erfüllen. Deshalb musste der Wagen umkonstruiert werden. Es wäre Kunden kaum zu vermitteln gewesen, so Weingärtner, dass nur wenige Monate nach seinem Kauf bessere Batterien zur Verfügung stehen. Und deshalb kommt der Explorer jetzt etwa neun Monate später auf den Markt.

Bestellen konnten Kunden das Auto bereits seit Ende März. Der Wagen mit 286 PS und einer Reichweite von bis zu 602 Kilometern hat eine Aktionspreisempfehlung von 48 510 Euro. Als Einstiegspreis für das Fahrzeug mit kleinerer Batterie nennt Ford 42 500 Euro zuzüglich Überführungskosten. Dieses Fahrzeug, das es nur mit Heckantrieb gibt, ist ab Jahresende bestellbar.

Der Einstiegspreis liegt sogar noch etwas unter dem ursprünglich von Ford in Aussicht gestellten. Ford habe sich im Vorfeld etwas Luft gelassen, so Weingärtner. An der Ausstattung werde jedenfalls nicht gespart, betont er.

Der Wagen ist 4,47 Meter lang, 1,87 Meter breit und 1,63 Meter hoch. „Der Wagen ist breitbeinig“, so Weingärtner. Dafür stehe Ford mit ikonischen Modellen wie den Geländewagen F 150 und Bronco sowie auch dem Mustang. Der Explorer reiht sich bei den Abmessungen ein zwischen Kompakt- und Mittelklasse, etwas größer als der Puma, aber mehr als zehn Zentimeter kürzer als der Ford Kuga und eine ganze Fahrzeugklasse unter dem Ford Mustang Mach-E. 2,4 Tonnen bringt der Explorer auf die Waage, allein 600 Kilogramm wiegt die Batterie.

Ford Explorer: Viele Vorbestellungen

Der Wagen kommt laut Weingärtner an bei den Verbrauchern. „Mit den Vorbestellungen sind wir sehr zufrieden“, sagt er. Sie lägen über denen des kompakten Crossovers Ford Puma, damals für Ford eine neue Fahrzeugklasse . Für den Wagen mit stärkerer Batterie und wahlweise Heck- oder Allradantrieb erwartet er den größeren Absatz. In der ganzen Autoindustrie sei zu beobachten, dass die Kunden Fahrzeuge mit größerer Reichweite bevorzugten. Bis zu 602 Kilometer schafft der Explorer mit einer Batterieladung — das ist sogar noch etwas mehr, als der VW iD4 schafft, der auf der gleichen Plattform steht.

Auch gebe es günstige Leasingangebote für das Fahrzeug. Die kalkulierten Restwerte, eine wichtige Größe bei Leasingraten, seien hoch ausgefallen. Bei den Leasingraten seien die Unterschiede zwischen den Modellen dann nicht mehr so groß.

Am Dienstagnachmittag ist der erste Explorer einem Kunden übergeben worden. Weingärtner rechnet mit einem deutlichen Anziehen der Nachfrage, wenn der Wagen bei den Händlern steht und auch Probe gefahren werden kann. Mit den Modellen mit alter Batterie ging das nicht. Die hatten keine Zulassung. Im August sollen die Händler mit dem neuen Auto versorgt sein.

Und bis Ende des Jahres kommt auch das zweite Modell aus Kölner Fertigung in den Handel. Einzelne Fahrzeuge des sportlichen Crossovers werden schon gebaut. Es ist ein wenig größer als der Explorer und soll auch eine etwas größere Reichweite haben, unter anderem wegen einer etwas besseren Aerodynamik. Preise wollte Weingärtner aber noch nicht nennen.

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