„Die Klimakrise hat große Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in Kenia“

„Die Klimakrise hat große Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in Kenia“

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„Die Klimakrise hat große Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in Kenia“

Eva, 29, kommt aus Kenia. Sie erzählt, wieso das Land dringend Alternativen zu Maismehl braucht und warum die Nilpferde von ihrem Lieblingssee abwanderten.

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Foto: Eva Kaari Ntara

Die Auswirkungen der Klimakrise bedrohen die Lebensgrundlage von Menschen weltweit. An manchen Orten sind die Folgen schon heute besonders zu spüren. In den Klimatagebüchern berichten Menschen davon, wie sich das Leben in ihren Regionen durch die Klimakrise verändert. 

In der 19. Folge berichtet Eva Kaari Ntara, 29, warum wegen der Klimakrise die Nilpferde von ihrem Lieblingssee abwanderten und wie die Bemalung einer Brücke für Klimabildung bei der lokalen Bevölkerung sorgte. 

Die Klimakrise hat große Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in Kenia, und generell in Ostafrika. Wenn die Ernten schlecht ausfallen, steigen die Preise – aber die Menschen verdienen nicht automatisch mehr Geld. Und vieles gibt es schlichtweg nicht am Markt zu kaufen, weil die Ernten so schlecht sind. Etwa Mais, ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Nahrung hier: Wir essen täglich Gerichte aus Maismehl. Allerdings ist der Mais besonders stark von den Veränderungen von Klima und Niederschlägen betroffen. In den Ladenregalen und auf dem Markt gab es während der Dürre der vergangenen Jahre weniger Mais zu kaufen, und wenn dann war er viel teurer. Deswegen mussten die Menschen nach Alternativen suchen, etwa Perlhirse, Maniok oder Sorghum, ebenfalls eine Hirse-Art. Sie versuchten, daraus Mehl zu machen.

Das hat uns gezeigt, dass wir unsere Ernährung dringend diverser gestalten müssen. Wenn man von ein oder zwei Hauptnahrungsquellen wie Reis oder Mais abhängt, und diese wegbrechen, hat man ein Problem. Meine Eltern betreiben in meinem Heimatort Nakuru Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Deswegen hatte ich immer genug Maismehl. Ich lebe zwar nicht mehr mit ihnen im Dorf, aber sie haben es mir geschickt oder mitgegeben, wenn ich zu Besuch war. Früher haben meine auch Eltern mit den Nachbar:innen geteilt, wenn sie Gemüse übrig hatten. Seit es immer mehr Dürren gibt, müssen wir teilweise Gemüse zukaufen, weil es für uns nicht reicht.  

Durch diese Erlebnisse habe ich verstanden, wie alles miteinander zusammenhängt in der Klimakrise. Und wir Menschen stehen im Zentrum. Denn die meisten Klimaprobleme entstehen durch menschliche Aktivitäten wie Bergbau, Entwaldung, CO₂-Produktion. Wir können vieles reduzieren – wir müssen es nur schnell tun.  Am Ende hat alles Auswirkungen auf das ganze System. Als das Maismehl knapp war, diskutierten die Menschen über Lösungen. Das gleiche geschah, als der Olbolossat-See austrocknete – es gab verschiedene Initiativen, unter anderem wurden viele Bäume um den See gepflanzt, um weiteres Austrocknen zu verhindern. Ich glaube, wir sind in Kenia relativ gut in solchen konstruktiven Diskussionen, in denen alle Beteiligten einschließlich der Regierung an einen Tisch kommen und gemeinsam soziale Probleme lösen.  

Als ich 2020 von meinem Masterstudium in Deutschland zurückkam, zog ich nach Nairobi. In Kikuyu, einem Vorort der Stadt, gibt es eine große Brücke, die über den Ondiri Sumpf führte. Irgendwann hatte ich die Idee, die Brücke zu bemalen. Denn das Moor ist ein Ort, den wir schützen müssen, es trägt viel zum Klimaschutz bei, etwa durch CO₂-Speicherung. Bis dahin wurde das Moor nicht groß beachtet und die Locals haben ihren Müll einfach dort entsorgt. Vor allem hingen dort regelmäßig ein paar Jugendliche herum, es war eher ein gefährlicher Ort.

Aber ich sah die Möglichkeiten: Menschen könnten den Sumpf als Naherholungsgebiet oder für Öko-Tourismus nutzen. Also habe ich mich mit Friends of Ondiri Wetland, einer lokalen Organisation, in Verbindung gesetzt. Sie setzen sich seit Jahren für das Moor ein und unterstützten mich in der Planung. Ich bezahlte einige örtliche Künstler:innen aus meiner eigenen Tasche, das war mir wichtig, da in Kenia viele Künstler:innen sehr arm sind. Später bekam ich ein Stipendium von einem Forschungsinstitut, den Allan Robertson Grant, und konnte zumindest die Kosten decken. Beim Kikuyu Art Festival bemalten sie die Brücke mit Umweltschutzmotiven. Es gab außerdem geführte Spaziergänge durch die Natur und wir haben Bäume gepflanzt. Der Eintritt war frei, viele Menschen aus der Nachbarschaft haben mitgeholfen und mitgemacht. Das alles hatte eine riesige Wirkung: Die Locals schützen und besuchen den Sumpf seither.  

Das hat mich so motiviert, dass ich mich bei der EU um eine Förderung in Kenia bewarb. Ich bekam sie und konnte damit drei kleinere Projekte finanzieren. Eines davon war im Oloolua-Wald im Südwesten Nairobis, der auch als die „Lunge Nairobis“ bezeichnet wird und gleichzeitig von Entwaldung und Infrastrukturprojekten bedroht ist. Wir haben dort gemeinsam mit Frauengruppen und jungen Menschen einen Teil des Waldes aufgeforstet. Wir haben außerdem drei Betonbänke aufgestellt, die von lokalen Künstler:innen bemalt wurden. Mittlerweile feiern die Menschen dort Geburtstage und verbringen Zeit in der Natur. Das zweite Projekt war in einem Slum von Nairobi, an großen Mauern haben Künstler:innen aus dem Slum ihre Alltagsprobleme gemalt: Gewalt gegen Frauen oder Polizeigewalt. Wir fokussierten uns aber auch auf Umweltschutz, um die Locals zu inspirieren, die katastrophale Müllsituation vor Ort anzugehen. Beim dritten Projekt haben wir mit Kindern und Jugendlichen Bäume am Olbolossat-See gepflanzt. Jede:r von ihnen hat einen Obstbaum ‚adoptiert‘, wir haben gemeinsam getanzt und die Schüler:innen konnten ihre Ideen für besseren Umweltschutz einbringen. 

Kunst bringt Menschen zusammen. In Kombination mit Klima- und Umweltschutz entfaltet sie eine geniale Wirkung. Die Menschen bleiben stehen und schauen zu, wenn etwas bemalt wird. Sie bringen sich ein und wollen ihren Teil zum Umweltschutz beitragen.“

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