Denkmal des Monats: Verwunschener Baumplatz nicht zugänglich – Treppe für Fort in Marienburg fehlt

Denkmal des Monats: Verwunschener Baumplatz nicht zugänglich – Treppe für Fort in Marienburg fehlt

Rundschau |

Denkmal des MonatsVerwunschener Baumplatz nicht zugänglich – Treppe für Fort in Marienburg fehlt

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Die verwunschen anmutenden Baumplätze, angelegt um 1926, stehen noch heute. Der Schmuckgarten mit Rosen- und Staudenbeeten, Oleandersträuchern und Brunnen ist verschwunden.

Copyright: Stephanie Broch

Den Schmuckgarten auf dem Dach eines Forts in Marienburg gibt es nicht mehr, aber immer noch wundervolle Baumplätze. Doch eine Treppe dorthin fehlt.

Die alten Kopfplatanen recken ihre Äste in den Himmel, zwischen ihren kräftigen Stämmen lockt grünes Gras, übersät mit blühendem Löwenzahn. Daneben eine große Wiese, dann wieder ein erhöhter Baumplatz mit Kopfplatanen. Der Ort wirkt verwunschen, die Zeit scheint stillzustehen. Dass unten Autos fahren, tut der friedlichen Stimmung keinen Abbruch. Auf dem Dach des Zwischenwerks VIIIb am Militärring in Marienburg liegt ein ehemals prächtiger Schmuckgarten in tiefem Dornröschenschlaf.

Denkmalverein fordert Wiedererrichtung der historischen Treppe

Der Aufstieg ist beschwerlich und nicht offiziell, nur steile Trampelpfade führen nach oben. Das ist einer der Gründe, warum der Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz Köln das alte preußische Fort nahe dem Heinrich-Lübke-Ufer im April zum „Denkmal des Monats“ kürte.

„Vor einigen Jahren ließ die Stadt die historische Treppenanlage zum einstigen Schmuckgarten abbauen, weil sie marode war. Bisher gibt es keinen Ersatz, und auch die Pflege der Anlage hat sehr abgenommen“, sagt Alexander Hess, Leiter des Arbeitskreises „Denkmal des Monats“, der in unregelmäßigen Abständen Objekte zum Denkmal des Monats auswählt. „Das sind meist Sorgenkinder, die wir in den Fokus rücken wollen“, so Hess.

Das Zwischenwerk VIIIb sei zudem das einzige Fort im äußeren Grüngürtel, bei dem noch eine Kehlkaponniere – ein Vorbau mit Schießscharten – und die äußere Grabenmauer erhalten sei, erklärt der Diplom-Geograf.

Das Fort wurde 1876 erbaut und bildete den südlichen Abschluss des äußeren Festungsgürtels, den die Preußen als Schutz vor Angriffen der Franzosen zwischen 1873 und 1918 errichteten. Nachdem Deutschland den 1. Weltkrieg verloren hatte, mussten dem Friedensvertrag von Versailles gemäß allen Festungsanlagen „geschleift“, also gesprengt, werden. Dass beim Marienburger Fort mehr als üblich erhalten blieb, ist dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer zu verdanken.

Adenauer plante Lokal auf Fort-Dach

Seinen Plänen zufolge, von denen er die Alliierten überzeugen konnte, sollte auf dem Dach des Zwischenwerks ein Lokal mit Blick auf den Rhein als Ausflugsziel für die Kölner entstehen. Die Weltwirtschaftskrise machte der Idee einen Strich durch die Rechnung, aber nach den Plänen des Gartenarchitekten Fritz Encke wurde die Festung 1925/26 in ein „grünes Fort“ umgewandelt.

Auf dem Dach des Gebäudes entstand ein prächtiger Schmuckgarten, mit Rosen- und Staudenbeeten und Oleandersträuchern, einem sternförmigen Brunnen, Rasenflächen und zwei seitlich flankierenden und erhöhten Baumplätzen. Eine imponierende Treppenanlage aus Backsteinen führte in den Dachgarten, der von den Kölnern über Jahrzehnte rege aufgesucht wurde.

Schmuckgarten auf dem Dach des Marienburger Forts gab es bis Anfang der 90er Jahre

1980 wurde das Zwischenwerk in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen. „Den Schmuckgarten gab es bis Anfang der 90er Jahren, wenn auch aus finanziellen und personellen Gründen in reduzierter Form“, informiert Hess.

Die Baumplätze sind erhalten, Reste des Brunnens sind heute noch zu erkennen. Nicht nur die historische Treppe müsse wiederhergestellt, auch Schäden in der äußeren Grabenfangmauer müssten behoben werden, fordert der Verein für Denkmalpflege. „Sonst werden die Schäden immer größer und die Sanierungskosten höher“, sagt Hess.

1985 errichtete der Kunstraum Fuhrwerkswaage in der Außenanlage einen Skulpturenpark. Heute sind noch sieben der ursprünglich acht Werke ausgestellt. „Auch hier muss etwas gemacht werden. Die Kunstobjekte sollten ursprünglich gar nicht so lange hier stehen und sind mittlerweile in die Jahre gekommen. Es gibt auch keine erklärenden Schilder“, bemängelt Hess. Seit 2004 befindet sich das Kölner Festungsmuseum, das von einem Verein betrieben wird, im Zwischenwerk VIIIb.

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