Das KVB Problem in Zahlen

Das KVB Problem in Zahlen

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Symbolbild Stadtbahn der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB): Haltestelle Rathaus

Köln | In dieser Woche tagt der Verkehrsausschuss des Kölner Rates. Die FDP im Kölner Rat stellte eine Anfrage zu den Ausfällen und Abweichungen zum Regelfahrplan bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB). In 189.373 Fällen wurden bei Bus und Bahn in Köln der Regelfahrplan nicht eingehalten. Teilt man diese Summe durch 365, so wären das rein rechnerisch rund 518 Fahrten und Fahrtanteilen pro Tag.

Diese nicht unerhebliche Summe teilt sich auf in 106.528 Fahrten oder Anteile von Fahrten mit der Stadtbahn und 82.845 Fahrten oder verkürzte Fahrten im Busbetrieb. Dabei fiel in den allermeisten Fällen die Fahrt aus, bei der Stadtbahn waren dies 95.600 Fahrten und beim Bus 69.150. Die rechnerisch ermittelten 518 Fahrten pro Tag stimmen in etwa auch mit den tatsächlichen Ausfällen bei Bahn und Bus überein.

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Screenshot aus der Beantwortung der Stadtverwaltung Köln zum Stadtbahnbetrieb der KVB im Jahr 2023.
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Screenshot aus der Beantwortung der Stadtverwaltung Köln zum Busbetrieb der KVB im Jahr 2023.

Zu den Ausfällen errechnete die KVB auf Anfrage der Liberalen im Rat die ausgefallenen Nutz-Kilometer. Das waren bei der Stadtbahn 911.131 Kilometer und beim Bus 695.299 Kilometer. Die Teilausfälle, also etwa wegen verkürzter Fahrt finden sich hier nicht aufgelistet. Was die KVB nicht auflistet ist, was sie dadurch an Kosten für Strom und Diesel eingespart hat. Ein Dieselbus benötigt rund 50 Liter Diesel auf 100 Kilometer.

Die Rechnung

695.299 Kilometer eingespart

/ 100 Kilometer

= 6.952,99

x 50 Liter (Durchschnittsangabe)

= 347.649,50 Liter Diesel

x 1,6 Euro

= 556.239 Euro (rechnerische Einsparung)

Bevor Mythen entstehen: Das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene hat errechnet, dass ein Linienbus im Personennahverkehr durchschnittlich 3,3 Liter Treibstoff auf 100 Personenkilometer benötigt. Ein Pkw liegt mit 6,1 Litern pro 100 Personenkilometern fast doppelt so hoch.

Und in anderen deutschen Metropolen?

Die Kölner Verkehrsbetriebe zeigen gerne in ihren Mitteilungen zur Fahrplansituation auf andere Verkehrsunternehmen in Deutschland. Die FDP fragte also dazu auch an und die Stadtverwaltung antwortete. In Düsseldorf fährt die Rheinbahn nach Fahrplan. In Berlin fahren U-Bahnen und Straßenbahnen nach Regelfahrplan. Nur auf 44 Buslinien passten die Berliner das Angebot an. In Hamburg fahren die Bahnen im Regelbetrieb. In München fährt die U-Bahn im Regelbetrieb. Allerdings haben die Münchner ihr Busangebot deutlich reduziert und eine Trambahnlinie wurde ausgesetzt, weil Personal in der Werkstatt fehlt. In Frankfurt am Main wurde eine Buslinie eingestellt und Parallelverbindungen bei U-Bahn und Straßenbahn eingestellt. Bei einigen U-Bahn- und Stadtbahn- sowie Busverbindungen wurde das Angebot in Frankfurt am Main ausgedünnt.

Die studentischen Fahrerinnen und Fahrer

In den Jahren 2006 bis 2013 arbeitete die KVB mit Studierenden zusammen, die sie als Stadtbahnfahrerinnen und -fahrer einsetzte. Dazu schreibt die Stadtverwaltung: „In der Praxis erwies sich das Modell allerdings auch aufgrund der arbeitsrechtlichen Vorgaben (z. B. Ankündigungsfrist vier Tage vor dem Dienst) als nicht so flexibel wie geplant. Eine kurzfristige Kompensation von Personalausfällen war mit diesem Modell daher nur sehr begrenzt möglich. Darüber hinaus wurden auch die anspruchsvolle Akquise, die schwierige und daher zeitintensive Disposition als auch die beanspruchten Ausbildungskapazitäten der geringen und zeitlich meist auf eine kurze Dauer befristeten Produktivität der Studierenden im Fahrdienst gegenübergestellt. Die KVB-eigenen Fahrschulkapazitäten wurden mittlerweile zugunsten der Ausbildung von hauptberuflichem Fahrpersonal umgeschichtet. Aufgrund der aktuellen Bedarfslage und dem zusätzlichen Aufwand (Akquise, Ausbildung und Disposition) werden daher derzeit keine studentischen Stadtbahnfahrer*innen gesucht.“

Das sagt die FDP im Kölner Rat zu den Antworten

Die nun veröffentlichten Zahlen kommentiert Christian Beese, verkehrspolitischer Sprecher der FDP Ratsfraktion:

„Die absurd hohen Zahlen von Fahrtausfällen und verkürzten Fahrten bei den KVB machen fassungslos. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, gab es 2023 knapp 165.000 Fahrten weniger, als es der Regelfahrplan vorsah, über 57.000 Fahrten waren verkürzt, brachen also ab und fuhren den Linienweg nicht bis zum Ende. Insgesamt konnten so über 220.000 Fahrten im Kölner Stadtgebiet nicht nach Plan stattfinden. Zu diesem ohnehin schon ausgedünnten Fahrplan fielen auch im Jahr 2023 etliche weitere Fahrten aus oder wurden verkürzt. So wurden zusätzlich 1,6 Millionen Kilometer Strecke nicht bedient. Das entspricht einer Strecke von 40 Erdumrundungen, vier Ausflügen zum Mond oder einer Linie 18, die 800-mal bis nach Istanbul fährt.

Gleichzeitig muss die Stadt einräumen, dass es in anderen deutschen Großstädten wesentlich besser läuft. Während die KVB sich mit massiven Personal- und Ressourcenmangel auseinandersetzen müssen und weiterhin einen ausgedünnten Fahrplan anbieten, gab es in Düsseldorf oder Hamburg keine Einschränkungen im Jahr 2023. In Berlin sind lediglich einige Busfahrten betroffen, jedoch nicht die U- oder Straßenbahn und in auch in München fährt die U-Bahn nach Plan. Die Kölner FDP kann die Ausflüchte des KVB-Vorstandes nicht mehr hören. Sie sollten sich lieber mit der Frage befassen, was Düsseldorf und Hamburg besser machen, wo Köln versagt! Die KVB müssen endlich ein umfassendes Maßnahmenpaket erarbeiten, eine Personaloffensive starten und ihre internen Probleme lösen, um den Kölnerinnen und Kölnern ein zuverlässiges ÖPNV-Angebot machen zu können. Die KVB dürfen nicht weiter ein Bremsklotz für die Verkehrswende sein!“

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