Computer, Kameras, Rechenmaschinen: Uralt-Technik zum Anfassen im Computermuseum in Köln-Buchheim

Computer, Kameras, Rechenmaschinen: Uralt-Technik zum Anfassen im Computermuseum in Köln-Buchheim

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Computer, Kameras, RechenmaschinenUralt-Technik zum Anfassen im Computermuseum in Köln-Buchheim

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Informatik-Lehrer Nihat Sevinc vor dem Raum, in dem bald alte Technik zu bestaunen sein wird.

Copyright: Kulschewski

Informatik-Lehrer Nihat Sevinc wollte seinen Schülerinnen und Schülern alte Computer näherbringen. Durch großes Interesse entstand ein Museum.

Alles fängt im Computerraum des Schulzentrums Buchheim an: 2020 bringt Informatik-Lehrer Nihat Sevinc einen alten Computer mit, baut ihn mit den Realschülerinnen und Schülern auseinander, zeigt ihnen die Einzelteile des Rechners  – Festplatten, Grafikkarte, Prozessor, Diskette und Co. „Ich habe direkt gemerkt, dass die Kinder viel aufmerksamer waren als sonst“, erinnert sich Sevinc.

Kinder wissen, wie man Computer bedient, aber nicht, wie sie aufgebaut sind

Sie sind mit Digitalität aufgewachsen. Computer und Handys sind für sie Normalität, Selbstverständlichkeit. Wie diese aufgebaut sind, ist vielen jedoch nicht bewusst – Sevinc hingegen kennt sich aus, hat sich in seiner Jugend mit der damals neuen Technologie auseinandergesetzt. Wegen des offensichtlichen Interesses der Schüler brachte Sevinc noch mehr Hardware von zu Hause mit, baute sie auf der Fensterbank auf. Nachdem die voll war, lagerte er Sachen auf einem Tisch, dann in einer Vitrine vor dem Raum, im Treppenhaus und später in der Aula.

„Irgendwann habe ich auf Ebay Kleinanzeigern nach Sachen geguckt, die ich nicht zu Hause hatte, habe ganz viele Leute kontaktiert“, erzählt Sevinc, der Informatik studiert hat und vor vier Jahren als Quereinsteiger Lehrer geworden ist.

Viele Geräte wurden gespendet, für manches wurden Fördermittel aufgewendet

So entstand die Idee eines Computermuseums, an und in dem Schülerinnen und Schüler arbeiten und lernen können. „So etwas gab es nicht in Köln, also dachte ich, mache ich es einfach selbst“. Den passenden Raum fand der Hausmeister. Weil es sich um ein Schulprojekt handelte, bekam Sevinc viele Geräte gespendet, andere durfte er von Fördermitteln kaufen.

Heute steht Nihat Sevinc sichtlich stolz in einem Raum, dessen Fenster von außen mit einer roten Folie und dem weißen Schriftzug „Computer Museum. Cologne am Schulzentrum Buchheim“ versehen ist. Am 27. April wird dieser Raum, auf den Sevinc so stolz ist, im Rahmen eines offenen Informatiktags des Schulzentrums öffentlich präsentiert.

Um den Lehrer herum sind schon jetzt Hunderte Computer, Kameras, Rechen- und Schreibmaschinen aufgebaut. „Ich habe viel Zeit mit den Geräten verbracht, ich bin eins mit dem Projekt“, erzählt der Lehrer. Er habe zu jedem Gerät eine Geschichte, erinnere sich an den Transport nach Köln, an die Planung, die Menschen. Er erinnert sich auch bei vielen Geräten noch an die Zeit, als sie neu auf den Markt kamen.

Geräte müssen auch äußerlich spannend sein

So sei der erste Macintosh revolutionär gewesen: Auf dem Modell im Museum hat der Spender seine Doktorarbeit geschrieben. Die ersten portablen Computer, die eine Vorstufe des Laptops sind, nimmt Sevinc in die Hand wie einen Aktenkoffer, trägt sie durch den Raum. „Wichtig ist, dass die Geräte auch äußerlich interessant für die Kinder sind“, erzählt Sevinc.

Vor allem drei Realschülerinnen helfen Nihat Sevinc seit zwei Jahren tatkräftig. Sie haben eine AG gegründet und dürfen immer in das Museum. Sie sortieren und ordnen es, halten es sauber, erzählt Schülerin Precious. Die Kinder bringen Ideen ein, bauen klassenübergreifend die Geräte auseinander und wieder zusammen. So hat die Deutsch-Fachschaft Texte über Persönlichkeiten aus dem Bereich der Informatik verfasst und eingesprochen, die dann per QR-Code im Museum abgerufen werden können. Die Mathe-Fachschaft hat geschaut, wie alte Rechenmaschinen funktionieren.

„Mich fasziniert es, dass wir die Entwicklung der Geräte erkennen und wissen, wie sie früher mal waren“, erzählt AG-Mitglied Melinda von ihrem Interesse für die alte Technik. Rund 40 Prozent der Geräte funktionieren noch. Sie können angeschaltet und genutzt werden.

Im Computer-Museum darf die Technik angefasst werden

Dass alles angefasst werden darf, ist Nihat Sevinc wichtig, auch wenn er damit riskiert, dass die wertvollen Artefakte kaputtgehen. „Mittlerweile ist ein Computer nichts mehr zum Anfassen, alles ist in der Cloud, nicht greifbar“, erklärt er, „wenn die Kinder die alten Geräte nicht anfassen dürfen, entsteht keine Nähe“.

Ab der Eröffnung soll das Museum auch für Schulen und Vereine buchbar sein. Für die Öffentlichkeit solle es irgendwann an einzelnen Tagen zugänglich sein. Wie, steht noch nicht genau fest. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen und soll es auch nie werden. „Wir entwickeln uns jeden Tag aufs Neue, das gibt mir die Motivation, hier weiterzumachen“, sagt Michelle von der AG. Geht es nach Sevinc, soll das Museum im stetigen Wandel sein.

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