Bluttat in Köln-Rodenkirchen: „Nicht nur den Eltern den Sohn, sondern mir selbst den besten Freund genommen“

Bluttat in Köln-Rodenkirchen: „Nicht nur den Eltern den Sohn, sondern mir selbst den besten Freund genommen“

Rundschau |

Bluttat in Köln-Rodenkirchen„Nicht nur den Eltern den Sohn, sondern mir selbst den besten Freund genommen“

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Kerzen sind nach der Tat in Gedenken an den Getöteten aufgestellt worden.

Copyright: Thomas Banneyer

Im Prozess um einen im vergangenen September in Rodenkirchen erstochenen 19-Jährigen hat der Beschuldigte sich erstmals über einen seiner Verteidiger geäußert.

In der Erklärung beklagte der 24 Jahre alte Angeklagte, dass er mit der Tat nicht nur den Eltern des 19-Jährigen den Sohn genommen habe, sondern sich selbst auch den „besten Freund“.

Die Einlassung des Angeklagten stellte sich als schonungsloses Eingeständnis eines durch übermäßigen Drogenkonsum verpfuschten jungen Lebens dar, das mit der sinnlosen Bluttat vom 23. September 2023 einen vorläufigen Tiefpunkt erreichte. Die Eltern des Getöteten, die in dem Prozess als Nebenkläger auftreten, bat der 24-Jährige um Verzeihung, auch wenn er wisse, „dass das sehr viel verlangt ist.“ Eigentlich wollte der 24-Jährige sich selbst vor Gericht erklären, „aber in meinem Kopf geht einfach zu viel durcheinander“, hieß es in der von Verteidiger Philipp Stangier verlesenen Erklärung des Angeschuldigten. Bereits mit 15 Jahren kam demnach der 24-Jährige mit Cannabis in Kontakt; mit 17 nahm er dann auch regelmäßig Kokain und gelegentlich Amphetamin sowie Ecstasy. Den Konsum finanzierte er „aus einer Erbschaft meines Urgroßvaters“, später dann durch Drogenhandel, weshalb er mehrfach mit der Justiz in Konflikt kam.

Das spätere Opfer lernte der Beschuldigte 2020 kennen. „Ohne zu zögern hätte ich gesagt, dass er mein bester und einer der wenigen echten Freunde gewesen ist.“ Anfang 2023 fuhren der Angeschuldigte, der 19-Jährige und weitere Bekannte nach Amsterdam. „Da ging es natürlich hoch her und wir haben jede Menge Drogen genommen.“ Der 24-Jährige konsumierte dort auch erstmals psychoaktive Pilze, „die mir überhaupt nicht gut bekommen sind. Im Grunde habe ich mich davon nicht mehr erholt, irgendetwas ist da hängengeblieben.“ Anschließend entwickelte der 24-Jährige Misstrauen. Ärzte diagnostizierten kurz vor der Tat eine Angststörung: „Ständig habe ich gedacht, die Jungs hecken irgendwas gegen mich aus.“ Er sollte in eine Psychiatrie, dazu sei es aufgrund der Tat aber nicht mehr gekommen. Am Tattag kiffte der Angeschuldigte wie üblich. Am Abend traf er den 19-Jährigen und weitere Bekannte anlässlich der Kirmes in Rodenkirchen.

Wie stets hatte der 24-Jährige sein Messer dabei — die spätere Tatwaffe — und trug es in einer Scheide am Gürtel. In der Nacht seien sie alle am Bahnhof Rodenkirchen gewesen. Dort trat der Angeschuldigte einem der Freunde ins Gesicht. Warum? „Ich habe absolut keine Ahnung mehr.“ Wenig später gingen der 24-Jährige und das spätere Opfer gemeinsam zu dessen Wohnung. Davor kam es zum Streit. „Wahrscheinlich habe ich ihm wieder sinnlos vorgeworfen, er und die Jungs wollten mich fertig machen.“ Er und der 19-Jährige hätten sich geschubst, wobei er den — vermutlich falschen — Eindruck hatte, der 19-Jährige wollte ihm das Messer entwenden. „Ich habe dann selbst das Messer gezogen, und ich habe einfach ungezielt einmal zugestochen.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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