Bertelsmann-Stiftung: Wie sich die Bevölkerung in Köln entwickelt

Bertelsmann-Stiftung: Wie sich die Bevölkerung in Köln entwickelt

Rundschau |

Bertelsmann-StiftungWie sich die Bevölkerung in Köln entwickelt

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Bis 2040 erwartet die Stiftung in Köln ein Bevölkerungswachstum um 5,1 Prozent.

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Bevölkerungsprognose der Bertelsmann-Stiftung rechnet mit rund 50.000 Kölnern mehr im Jahr 2040.

Nordrhein-Westfalen schrumpft, Köln wächst. So lautet, salopp gesagt, eine der zentralen Erkenntnisse aus der neuen Prognose der Bertelsmann-Stiftung zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland. Demnach sinkt die Zahl der Einwohner in NRW von aktuell 18,15 Millionen (Stand: 30. Juni 2023) bis zum Jahr 2040 auf 17,91 Millionen. Somit würde das bevölkerungsreichste Bundesland in den nächsten 16 Jahren 1,3 Prozent seiner Einwohner verlieren. 2040 würden in NRW also in etwa so viele Menschen leben wie im Jahr 2020.

Für Köln hingegen sagt der neue „Wegweiser Kommunen“ der Bertelsmann-Stiftung ein klares Wachstum voraus. Im Vergleich zum Ausgangsjahr 2020 werde die Einwohnerzahl bis zum kommenden Jahr um 3,2 Prozent auf 1,12 Millionen ansteigen. Bis 2040 erwartet die Stiftung in Köln ein Bevölkerungswachstum um 5,1 Prozent auf 1,14 Millionen Menschen. In ihrem Bericht heißt es, als größte Stadt in NRW habe Köln „den stärksten Anstieg zu erwarten. Ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt liegen auch die Ergebnisse für die Kreise in der Nachbarschaft von Köln.“ Dagegen müsse sich der Kreis Höxter auf einen Bevölkerungsrückgang um 9,7 Prozent einstellen.

Köln besitzt weiterhin starke Anziehungskraft

Als Metropole scheint Köln also weiterhin eine starke Anziehungskraft zu besitzen – trotz Wohnungsknappheit, hoher Mieten, fehlender Schulplätze und anderer Probleme. „Köln ist eine Marke, die für Lebensfreude, Tradition, Innovationsgeist und wirtschaftlichen Erfolg steht, und das zieht junge Menschen heute und auch in Zukunft an“, kommentiert Stadtentwicklungsdezernent Andree Haack die Magnetwirkung der Domstadt. „Die Universitäten, der Tourismus, die starke Wirtschaft, die kulturelle Vielfalt mit Großevents wie der Fußball-EM, dem CSD oder Karneval und vor allem die Weltoffenheit der Kölnerinnen und Kölner zieht die Menschen an. Daher ist Köln ein hochattraktives urbanes, wirtschaftliches, soziales und kulturelles Zentrum mit zahlreichen Attraktivitätsfaktoren.“

Doch wie valide sind solche Vorhersagen zur Bevölkerungsentwicklung? Bekanntermaßen sind Prognosen ja schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Die Stadt Köln ist jedenfalls zurückhaltender als die Bertelsmann-Stiftung. Ihre Bevölkerungsprognose 2022 bis 2050 bleibt selbst in der optimistischsten Variante unter den Werten der Stiftung. In der Basisvariante einer mittleren Entwicklung geht die Stadt ab 2035 nur von rund 1,11 Millionen Einwohnern aus, deren Zahl sich bis 2050 nicht nennenswert erhöhen wird (siehe Grafik).

Vor wenigen Jahren hatte das noch ganz anders geklungen. 2018 erwartete die Stadt Köln ein kontinuierliches jährliches Wachstum der Bevölkerung bis zum Jahr 2040 auf 1.146.100 Menschen. Das statistische Landesamt IT.NRW rechnete bis dahin sogar mit 1.251.100 Kölnerinnen und Kölnern – rund 160.000 mehr als heute.

Doch dann gab es 2020 eine Trendwende. Zum ersten Mal seit sieben Jahren schrumpfte die Bevölkerung wieder. Mehr Menschen zogen aus Köln weg als hierher. Die Stadt sprach auch von einer Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Außerdem nahm die Zahl der Geburten weiter ab – ein Trend der schon 2016 begann. Auch im Jahr 2021 sank die Einwohnerzahl – auf 1,08 Millionen Menschen. Plötzlich erschienen die Prognosen zu optimistisch.

Jedoch zogen 2022 so viele Menschen aus dem Ausland nach Köln wie nie zuvor: insgesamt 27.969 Personen, davon 11 446 aus der Ukraine.In der Folge stieg Kölns Einwohnerzahl auf den Rekordwert von 1 092 118 Personen. Und das, obwohl die Zahl der neugeborenen Kölner mit 9811 auf den tiefsten Stand seit 2010 fiel und die Zahl der Todesfälle (10.682) die Zahl der Geburten um 871 überstieg. Diese Entwicklung verstärkte sich 2023. Wie das Amt für Stadtentwicklung und Statistik auf Anfrage der Rundschau erklärte, sank die Zahl der neugeborenen Kölner voriges Jahr auf 9099, ein Rückgang um 712 Kinder (minus 7,3 Prozent). 10.554 Kölner starben.

Zur Prognose der Bertelsmann-Stiftung für 2040 erklärte das Statistikamt, diese liege in absoluten Zahlen zwar über dem Wert der Stadt, bewege sich aber in einem ähnlichen Bereich und sei „nachvollziehbar“. Zur Frage, ob die These zutreffe, dass immer mehr Familien Köln verlassen, weil sie hier keine Wohnung finden, teilte das Amt mit: „Seit dem Jahr 2014 verlassen jährlich mehr Deutsche Köln als nach Köln ziehen. Es sind konstant die 30- bis unter 45-Jährigen sowie die unter 18-Jährigen, die im Saldo am stärksten Köln verlassen. Die individuellen Gründe für die Fortzüge können über das Melderegister nicht erfasst werden.“

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