33 Jahre „Räuber“ in Köln: Generationswechsel und eine kaum für möglich gehaltene Auferstehung

33 Jahre „Räuber“ in Köln: Generationswechsel und eine kaum für möglich gehaltene Auferstehung

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33 Jahre „Räuber“ in KölnGenerationswechsel und eine kaum für möglich gehaltene Auferstehung

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Die Räuber mit Thommy Pieper (v.r.), Sven West, Kurt Feller, Martin Zänder und Andreas Dorn.

Copyright: Kay-Uwe Fischer

Die Räuber kamen nur schwer durch die Corona-Zeit. Danach gelangen der kölschen Band gleich mehrere Genie-Streiche.

Die Unsicherheit, die oftmals das Beschreiten unbekannter Wege begleitet, weil man sich ja verrannt haben könnte, wich bei Keyboarder Kurt Feller zu einem großen Stück im Sommer 2022 in Lindlar. Die Räuber hatten gerade ihr Sommerkonzert beendet und die frisch komponierte Nummer „Wigga Digga“ aufgeführt. „Ich war anfangs unsicher, ob das Lied auf der Bühne funktioniert“, gesteht Feller, das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Band. Der Refrain ist das eine, der sei schön eingängig, ein echter Ohrwurm. Aber Hip-Hop-Elemente hatten es bislang noch in kein Lied der Gruppe geschafft.

Als Kurt Feller sich nach dem Auftritt hinter der Bühne gerade den Schweiß abgewischt hatte, kam ein Security-Mitarbeiter auf ihn zu, im Schlepptau eine Dame jenseits der 70 mit Gesprächsbedarf. „Ich war mir sicher, was jetzt kommt. Dass ich der letzte in der Band bin, den sie noch kennt. Und dass wir nicht mehr ihre Musik spielen. Aber dann fragt sie, was mit den Räubern los sei, so viel Energie habe sie noch nie auf der Bühne gesehen, die neuen Lieder: stark. Der Chorgesang: super. Da dachte ich mir: Jetzt kann ich beruhigt in den Urlaub fahren“, erzählt Kurt Feller und lächelt zufrieden.

Die Räuber: Corona nur mit Mühe überstanden

Vielleicht erzählt sich die Geschichte der Räuber am besten von diesem Punkt aus, weil er den Wandel der Band und den Start ihrer musikalischen Neuzeit markiert. Nun feiert die Gruppe ihr 33-jähriges Bestehen, was im karnevalsverrückten Rheinland als rundes Jubiläum gilt. Abgesehen davon stand den Räubern vor drei Jahren der Sinn ohnehin nicht nach wilden Feierlichkeiten – nur mit Mühe hatte die Band die Corona-Pandemie überlebt. Schlagzeuger Wolfgang Bachem und Bassist Jürgen Gebhardt hatten sich verabschiedet, Martin Zänder und Thommy Pieper waren gerade als Neuzugänge präsentiert worden. „Die Pandemie hat uns hart getroffen. Aber es gab keine Diskussion. Wir wollten das Erbe der Räuber verteidigen, denn es war zu groß, um es zu beerdigen“, sagt Gitarrist Andreas Dorn, genannt „Schrader“.

Zwischen der musikalischen Nahtod-Erfahrung der Pandemie und dem 33-jährigen Band-Geburtstag ist der Gruppe eine kaum für möglich gehaltene Auferstehung gelungen. Mit „Wigga Digga“ gewann die Band das „Jeck-Duell“ des Radiosenders WDR 4. Und dann folgte nur ein Jahr später mit der Tanz-Nummer „Oben unten“ der nächste Genie-Streich. „Der erste Erfolg hat uns motiviert, aber zugleich den Druck erhöht. Aber so etwas sorgt auch für Freiheit“, sagt Andreas Dorn. In den Kneipen lief das Lied rauf und runter, kaum eine Tanzgruppe kam an der Nummer vorbei. „Wir haben unzählige Videos aus Kindergärten, aber auch von Senioren-Sportgruppen erhalten, die sich alle zu dem Lied bewegen“, erzählt Dorn. Die TikTok-Kampagne der Gruppe sorgte beständig für das heute nicht mehr wegzudenkende Grundrauschen in den sozialen Netzwerken.

Für Kurt Feller, der an der Seite von Mit-Gründer Karl-Heinz Brand schon Stücke wie „Am Eigelstein is Musik“ und natürlich das „Trömmelche“ spielte, war der musikalische Stilbruch der einzig denkbare Neustart. „Wir mussten einen neuen Weg beschreiten und wollen uns nicht so anhören wie andere Bands“, schildert er die Überlegungen der Gruppe. „Du musst dich verändern oder du gehst kaputt“, beschreibt er die Mechanismen der Branche. Gitarrist „Schrader“ sagt es so: „Es ist wie in einem Familienbetrieb. Bei einem Generationswechsel gibt es kein weiter so.“

Texten und Komponieren ist anders als früher Gruppenarbeit

Doch nicht nur der Stil, auch die Arbeitsweise der Räuber hat sich verändert. Früher schrieb fast ausschließlich Karl-Heinz Brand die Stücke, der Rest der Band half beim Feinschliff. Jetzt ist das Texten und Komponieren Gruppenarbeit. „Wigga Digga ist das Ergebnis einer Kreativ-Woche. Jeder hat etwas beigesteuert: die Hip-Hop-Elemente, den Refrain, die Einbeziehung des Publikums. Die Entwicklung des Liedes zog sich über mehrere Monate“, erzählt Andreas Dorn. Ohnehin muss jeder Song vor der Band als Fünfer-Gremium bestehen. Jeder hat ein Veto-Recht.

Schon kurz nach der Gründung zählten die Räuber neben Bläck Fööss, Höhnern und Paveiern zum vierblättrigen kölschen „Kleeblatt“. Inzwischen haben alle diese Bands einen Generationswechsel hinter sich, doch nirgendwo ist der Neustart so radikal und kompromisslos ausgefallen wie bei den Räubern. Zu den Konzerten der Band kommen plötzlich wieder jüngere Menschen. „Auch Räuber-Fans der ersten Generation sind auf einmal wieder da“, erzählt Feller.

Auch Kurt Feller hatte das Ende seiner Karriere schon avisiert. Doch das war vor dem Neustart. Jetzt will er weiter spielen. „Die Band hat sich super entwickelt, die Neuen waren ein Geschenk“, bilanziert er. Sie alle formten „Wigga Digga“ zum Soundtrack der Räuber-Metamorphose. Feller ist sich sicher: „Das war kein einmaliges Glück.“

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