25 Jahre Caritas Jugendbüro: Wie sich die Jugendarbeit in Ehrenfeld ändert – und was gleich bleibt

25 Jahre Caritas Jugendbüro: Wie sich die Jugendarbeit in Ehrenfeld ändert – und was gleich bleibt

Rundschau |

25 Jahre Caritas JugendbüroWie sich die Jugendarbeit in Ehrenfeld ändert – und was gleich bleibt

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Tanja Ahrendt konnte Arno Moormann die Zusage über eine Unterstützung der Marga und Walter Boll-Stiftung für die kommenden drei Jahre sogar schriftlich geben.

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In den 25 Jahren Caritas-Jugendbüro blieb eine Sache gleich, sagt der Leiter – trotz Internet und Social Media.

Es fühle sich ein bisschen so an, als bringe man jemandem das Radfahren bei: So beschreibt Nadine Marx ihre Arbeit im Jugendbüro der Caritas in Ehrenfeld. „Wir begleiten und stützen bei Bedarf. Ziel ist es, uns überflüssig zu machen.“ Erreicht ist das Ziel, wenn die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen den großen Schritt in eine Berufsausbildung oder feste Anstellung machen: „Das ist immer ein schöner Augenblick.“

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1999, vor 25 Jahren also, wurde das erste Jugendbüro der Caritas in Bickendorf eröffnet, inzwischen sind drei weitere in Ehrenfeld, Meschenich und der Innenstadt hinzugekommen. Derzeit erhalten dort jährlich bis zu 750 Rat suchende junge Menschen im Alter bis zu 27 Jahren Unterstützung auf ihrem Weg ins Berufsleben.

„Wir versuchen, einen Weg aufzuzeigen.“

Nadine Marx, Sozialpädagogin

Insgesamt waren es mehr als 12.000, 900 wurden direkt in einen Job vermittelt, 2400 erhielten Ausbildungsverträge. Hinzu kommen die vielen Fälle, in denen eine vorherige schulische oder berufliche Qualifikation als sinnvollste Lösung erschien.

Schulen können sich nicht um jeden einzelnen Schüler kümmern

Sehr vieles habe sich geändert im vergangenen Vierteljahrhundert, sagt Arno Moormann, Leiter der Caritas-Jugendbüros, gerade wenn es um Ausbildung und Beruf gehe. Nur eines nicht: Heute wie vor 25 Jahren seien viele Jugendliche mit diesen Themen überfordert: „Selbst wenn sie wissen, in welche Richtung es gehen soll, haben sie oft keine Ahnung, wo sie sich bewerben sollen und wie man so eine Bewerbung angeht. Das Internet hat in dieser Hinsicht nichts verbessert.“ Die Schulen könnten sich nicht um jeden einzelnen Schüler kümmern, auch vielen Eltern sei es – aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht möglich, die nötigen Hilfestellungen bereitzustellen.

In den Jugendbüros aber nehmen sich die momentan insgesamt 16 Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen Zeit, hören genau hin, sprechen mit den Betroffenen über ihre Interessen und Fähigkeiten, suchen nach möglichen Defiziten und Problemen. „Wir versuchen, einen Weg aufzuzeigen“, erzählt Nadine Marx. Der kann zum Beispiel darin bestehen, dass jemand erst mal einen Hauptschulabschluss machen muss, bevor die gewünschte Berufsausbildung infrage kommt.

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Beziehungsarbeit sei das, so Moormann, dafür fehle den Mitarbeitern des Jobcenters oder den Integrationsfachkräften meist schlicht die Zeit. Drei Monate dauere eine Betreuung mit zwei Terminen pro Woche, manchmal auch sechs Monate. Dabei wird ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, das häufig auch nach dem Übergang in eine feste Anstellung weiterbesteht. „Wenn dann jemand in der Ausbildung Ärger mit einer Kollegin hat, kommt er wieder zu uns“, berichtet Marx.

In einige Fällen hätten ehemalige Kunden sogar ihre Kinder ins Jugendbüro geschickt. Denn nicht alle Ratsuchenden werden über das Jobcenter vermittelt, viele kommen aus freien Stücken. Außer der individuellen Beratung gibt’s Gruppenangebote, präventiv werden die Mitarbeiter auch an Schulen tätig.

„Von den Arbeitgebern kommt jedenfalls ein positives Feedback“, lobt Martina Würker, Geschäftsführerin des Kölner Jobcenters, das Konzept der Jugendbüros. Und Tanja Ahrendt, Leiterin des Stiftungsbüros der Marga und Walter Boll-Stiftung, betont, dass es sich die Gesellschaft „angesichts des demografischen Wandels nicht leisten könne, potenzielle Arbeitskräfte im Abseits stehen zu lassen.“ Deshalb werde die Stiftung die Jugendbüros auch weiter unterstützen. Das konnte sie für die kommenden drei Jahre fest zusagen.

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