1. FC Köln: Wie die Südtribüne die sensationelle Wende beim 2:1 gegen den VfL Bochum erlebte

1. FC Köln: Wie die Südtribüne die sensationelle Wende beim 2:1 gegen den VfL Bochum erlebte

Rundschau |

1. FC KölnWie die Südtribüne die sensationelle Wende beim 2:1 gegen den VfL Bochum erlebte

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Die Südtribüne feiert den Sieg gegen den VfL Bochum.

Copyright: Jens Meifert

Als Luca Waldschmidts Kopfball im Dreieck einschlug, entlud sich der Groll einer gesamten Spielzeit. Eine Eruption der Gefühle, ein Strom aus Bierduschen.

Ein Fußballspiel vorzeitig zu verlassen, ist eine große Sünde. In Uerdingen soll es zahlreiche Menschen geben, die vor fast 40 Jahren das Ende beim legendären 7:3 gegen Dynamo Dresden nicht mehr im Stadion gesehen haben – aber dies später nie zugaben. Möglicherweise wird auch der ein oder andere FC-Fan nach diesem Samstag seine persönliche Stadiongeschichte retuschieren müssen. Denn als sich der 1.FC Köln in der Nachspielzeit und aus dem Nichts zu diesem unfassbaren 2:1-Sieg gegen den VfL Bochum aufschwang, waren etliche Besucher schon auf dem Heimweg.

Allerdings hätte es für die Abreise mildernde Umstände gegeben. Zu lethargisch, blutleer und hoffnungslos war der Auftritt des FC gegen den ebenfalls minderbemittelten Gegner aus dem Ruhrgebiet gewesen. Als auch noch das 0:1 auf der Anzeigetafel aufleuchtete, stand der nächste Abstieg mehr oder weniger fest, die Unterstützung auf der Südtribüne wandelte sich zunehmend in Frust und einzelne Schimpfiraden. Das ging bis zum Beginn der Nachspielzeit so. Und dann kamen die 99 völlig verrückten Sekunden von Müngersdorf.

„Tigges, Tigges“, hatten einige noch spöttisch die Einwechslung des Angreifers gefeiert, der trotz seiner stattlichen Größe (1,93 Meter) nicht gerade als Kopfballungeheuer gilt. Das könnte sich mit der 1:1 in der Nachspielzeit geändert haben. Die „Süd“ bebte das erste Mal, als der Stürmer einen Eckball ins Tor verlängerte, und doch war den meisten bewusst, dass dies als finales Ergebnis nur wenig an der ausweglosen Lage geändert hätte.

FC gegen Bochum: Eine Eruption der Gefühle

Stadionsprecher Michael Trippel darf sich einen Kleinstanteil an „der Mutter aller Wenden“ zugutehalten. Als er mit euphorischer Betonung die Nachspielzeit von 5 Minuten ankündigte, ging ein Raunen durchs Stadion. Die Gelegenheit, Großes zu schaffen, war auf einmal spürbar. Und schon segelte die Flanke von Benno Schmitz in den Strafraum. Hundertfach sind diese Bälle in dieser Saison ins Nirwana geflattert. Doch dieses Mal hatte der Fußballgott anderes im Sinn. Als Luca Waldschmidts Kopfball im Dreieck einschlug, entlud sich der Groll einer gesamten Spielzeit. Eine Eruption der Gefühle, ein Strom aus Bierduschen, ein Feuerwerk der Freude. Die Lautstärke spiegelte vor allem die Sehnsucht nach einem solchen Glücksmoment.

„Ich habe schon viele verrückte Spiele gesehen“, sagt Christian Engel, „aber noch nie war das so unerwartet.“ Auch Minuten nach dem Abpfiff schaut er noch ungläubig auf den Rasen. Aus der Kurve ertönt „Wir sind die Weltmeister vum Rhing“, der ein oder andere muss sich die Tränchen von den Wangen wischen. Und dann: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“.

1. FC Köln: Fans wittern nächsten historischen Moment

Das Auswärtsspiel in München ist der nächste Schritt auf der Mission Klassenerhalt. „Vielleicht bekommen wir ihren Ärger ab“, mutmaßt Engel über die ungewohnt erfolglosen Bayer. „Aber vielleicht geht auch etwas.“ Andreas Hoffstadt wird dabei sein. Er ist mit seiner Tochter Jule (18) bei dem furiosen Finale von Müngersdorf und wittert in München den nächsten historischen Moment: „Da ist die Saison doch gelaufen, der Trainer bekommt die Hucke voll.“ Da könne der FC schon was holen. Überhaupt sei nun der große Vorteil, dass man die Bochumer so richtig tief in den Abstiegsstrudel gezogen habe. „Die werden jetzt viel nachdenken.“ Für den FC könne es dagegen der große Hallo-Wach-Moment gewesen sein.

Es braucht an diesem Nachmittag nicht lange, um die die kölsche Seele in den Modus Glückseligkeit zu schalten. Zum Song „Tommi“ liegen sich nun wirklich alle in den Armen, und oben in der Loge schunkelt Jonas Hector. Der frühere Kapitän dürfte ebenso ungläubig wie alle anderen 50.000 Besucher das Spektakel miterlebt haben. Zum Glück ist er bis zum Schluss geblieben.

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