Was taugt die Mallorca-Ausgabe der Art Cologne?

Monopol-Magazin

Der Ableger der Kölner Kunstmesse auf Mallorca zeigt sich als Boutique-Version der großen Schwester. Ein innovatives Preismodell macht die Messe auch für Nachwuchsgalerien erschwinglich

Art Cologne Palma Mallorca – schon wieder!? Der letzte Versuch der Kölner ist doch gerade erst 19 Jahre her. Und damals grandios gescheitert. Aus verschiedenen Gründen. Einer davon war der Austragungsort, das alte Flughafenterminal, vor dem zwar keine Taxis standen, in das es aber hereinregnete.

Heute ist die Ausgangslage deutlich besser. Der 2017 eröffnete Palau de Congressos liegt direkt am Meer, die Bushaltestelle des funktionierenden ÖPNV ist ebenso vor der Tür, genau wie der Strand, und zur Not kann man zu Fuß in die Altstadt laufen. Es ist also nicht nur alles besser als früher, sondern vieles auch besser als in Miami. Die Strandmesse wurde seinerzeit von Spöttern als Vergleichsgröße herangezogen. Das war damals Unsinn und wäre es heute auch.

Auf Mallorca will die Art Cologne weder das Rad neu erfinden noch den Grundstein legen für ein weltumspannendes Kunstmessenreich à la Art Basel oder Frieze. Vielmehr vermutet sie einen lokalen Markt, der vor allem aus wohlhabenden Menschen mit Nebenwohnsitz auf der Insel besteht. Dieses Kalkül dürfte heute eher aufgehen als vor zwei Jahrzehnten. Denn inzwischen wohnen hier nicht nur überwiegend reiche Deutsche ohne Geschmack. Viele Sammler aus ganz Europa haben auf Mallorca oder auf einer der anderen Baleareninseln ein Standbein. Die Galerienszene vor Ort hat sich ebenfalls entwickelt. Auf der Vernissage am Donnerstag war sogar vereinzelt Spanisch zu hören.

Rheinland am Mittelmeer

Dennoch ist leichte Verunsicherung zu spüren, bei Besuchern und Ausstellern. “Du musst nachher unbedingt erzählen, wie du es findest”, wird einem schon am Eingang zugerufen von Bekannten, die gerade aus der Messe kommen. Denn zumindest am ersten Tag fühlt man sich doch arg ins Rheinland versetzt. Gefühlt ist die halbe Kunstszene von dort angereist, um auf viele Aussteller zu treffen, die sie alljährlich in den Kölner Messehallen sehen. Hier in Palma erwartet sie jedoch ein etwas labyrinthischer Parcours, der an Ikea-Besuche erinnert.

Courtesy Art Cologne Palma Mallorca

Architekt Francisco Mangado hat das Gebäude des Palau de Congressos entworfen

Doch das ist nur ein Teil der Realität. Vor allem auf kleinere, jüngere Galerien trifft man hier, die man sonst oft nicht so wahrnimmt. Bei Mountains aus Berlin, einer Galerie, die erst seit sechs Jahren existiert, gibt es eine Mischung des Galerieprogramms an zumeist kleinformatigen Arbeiten von 1300 (Yana Tsegay) bis 31 000 EUR (David Medalla) zu sehen. Die unterschiedlichen Positionen harmonieren erstaunlich gut miteinander. Das ist nicht der bunte Gemischtwarenladen, mit dem viele Galerien selbst zur Art Basel anreisen, weil dort die Standmieten so teuer sind, dass für viele Aussteller Risikominimierung oberstes Gebot ist.

Vor allem die Galerien mit den kleinsten Ständen, mit fünf Meter langen Wänden entlang der Gänge, zeigen oft nur eine Position oder zwei, die sie zumeist klug in Dialog setzen. Suburbia Contemporary existiert seit 2018 in Barcelona und ist seit zwei Jahren Gastgalerie in der Spinnerei in Leipzig. Hier tritt die Galerie mit den großformatigen Fotografien von Strandruinen Giovanni Ozzolas (Auflage 1+1, 14 000 und 16 000 Euro) und den gemalten Seestücken von Jake Aikman (4000 bis 14 900 Euro) an.

Kleine Galerien, klare Hängungen

Alex Flick ist schon wenige Stunden nach der Eröffnung glücklich. Kein Wunder, betreibt seine Galerie Gathering mit Stammhaus in London doch eine Filiale auf Ibiza. Er habe viele Kunden auch auf Mallorca, erzählt er, nicht nur Deutsche, auch Engländer oder Schweden. Bei der Auswahl für seinen Auftritt hatte er sowohl das Preisgefüge als auch den kuratorischen Aspekt im Auge. Mit Anyi Ji aus China und Soojin Kang aus Südkorea zeigt er zwei Künstlerinnen, deren Praxis komplementär wirkt. Die textilen Wandarbeiten der Koreanerin kosten 14 000 und 19 000 Euro, während die Keramiken der Chinesin für Preise zwischen 1000 und 2000 britischen Pfund zu haben sind. Gathering gehört zur kleinen Riege international agierender Galerien, die sich in den letzten Jahren hier niedergelassen haben. Die prominenteste von ihnen ist Hauser & Wirth, die allerdings nicht den Weg von Menorca nach Mallorca geschafft hat. Es ist vielleicht auch nicht ihre Preislage hier.

Obgleich Kewenig aus Palma/Berlin immerhin einen Anselm Kiefer für 1,3 Millionen mitgebracht hat. Der hatte es aber wahrscheinlich auch nicht weit. Die Zugeständnisse an die lokale Galerienszene fallen allerdings auf. Die Galerie Gerhardt Braun aus Palma/Andratx/Madrid zeigt Noah Becker, überdimensionale bunte Blätter von Francesca Martí und silbrige Kleinskulpturen von Heiner Meyer.

Boutique mit System

Die auswärtigen Galeristen, also weder aus Spanien noch Köln, teilen einen recht pragmatischen Ansatz. “Die Messe ist etwas Neues, hat etwas von einer Boutique-Messe und kostet nicht viel”, erzählt Miles Thurlow von Workplace aus London. Er kombiniert Arbeiten der Zwillinge Laura und Rachel Lancaster mit denen von Ki Yoong und Wang Pei, die sich alle mit Erinnerung und medialer Brechung beschäftigen. Die Preise bewegen sich im vierstelligen Bereich, und er berichtet von einigen Verkäufen, auch an Erstkäufer – allerdings alle über seinen PDF-Versand im Vorfeld der Messe. Erika Deák aus Budapest nimmt an der Messe teil, weil sie eine Handvoll ungarischer Kunden hat, die auf der Insel eine Immobilie besitzen. Ihre Auswahl ist auf sie zugeschnitten: Zsófi Barabás (um 3000 Euro), József Csató (bis 12 000 Euro) und Attila Szücs (bis 15 000 Euro) bespielen ihren Stand.

Mit 88 Teilnehmern in einem Kongresszentrum positioniert sich die Art Cologne Palma Mallorca als Boutique-Messe und Destination Fair, also eigentlich als das Gegenteil ihrer Mutter. Das funktioniert überraschend gut, ist an sich aber kein Game Changer im internationalen Wettbewerb. Wirklich innovativ ist allerdings das Preismodell der Messe. Zwar ist der Quadratmeterpreis für die Aussteller durchschnittlich höher als in Köln.

Doch die kleinen Stände und ein abgestuftes Preismodell (im Branchensprech als sliding scale bekannt) sorgen für zum Teil sehr niedrige absolute Kosten. So können junge Galerien schon für 3500 Euro dabei sein. Sie zahlen 350 Euro pro Quadratmeter. Etablierte Händler hingegen werden für die größten Stände mit 750 Euro zur Kasse gebeten. Die Unterschiede sind deutlich größer als bei den Konzernmessen, die schon stolz auf zehn oder 20 Prozent Rabatt für den finanzschwächeren Nachwuchs sind. Hier ist die Art Cologne auf dem richtigen Weg.

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