Warum merken Kinder nicht, dass sie Sand in den Schuhen haben?

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Wenn Kinder vom Spielen im Freien nach Hause kommen, haben sie etwas mitgebracht. Und obwohl man eigentlich darauf vorbereitet sein sollte, ist man stets überrascht, wie viel es ist: Sand.

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Wie kann es sein, dass die Kinder den Sand in den Schuhen nicht bemerken? Ein Anruf bei Arne-Björn Jäger, Oberarzt der Orthopädie: «Das ist eine komplexe Fragestellung!» Der Fuß, das sei ein «filigranes Bauwerk», sagt Jäger. «Er besteht aus vielen einzelnen Knochen – insgesamt 28, die in gelenkiger Verbindung sind. Dazu kommen Bänder und Muskeln.»

System, das den Sand bemerkt, entwickelt sich noch

Es gebe einerseits das sogenannte protopathische System, sagt der Mediziner aus Trier. Das sei das Schutzsystem – es vermittle Schmerz, grobe Berührungen, auch Temperatur. «Wenn wir auf etwas sehr Heißes treten, ziehen wir den Fuß weg.» Dieses System entstehe sehr früh, bereits im Mutterleib.

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Daneben gebe es aber noch das sogenannte epikritische System. Es sei in der Lage, Formen zu erkennen oder Enge zu bemerken. «Dieses System ist es auch, das uns vermittelt, dass Sand im Schuh ist. Sand ist ja per se nichts, was starke Schmerzen hervorruft», sagt Jäger. «Der Unterschied ist nun: Das epikritische System entwickelt sich erst nach und nach. Es unterliegt einem Lernprozess. Und bei vielen Kindern ist es offenbar noch nicht so ausgebildet, dass sie den Sand im Schuhe bemerken

Kinder spüren beim Schuhe anprobieren den Druck nicht

Aber der Orthopäde gibt Entwarnung: «Ich habe noch kein Kind gesehen, das durch Sand im Schuh anatomische Schäden davon getragen hat. Höchstens mal eine Blase», sagt er.

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Die Analyse deckt sich mit den Eindrücken, die man beim Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie gewonnen hat. Dort verweist Sprecherin Claudia Schulz ebenfalls auf das Phänomen, dass kleine Kinder offenbar noch kein ausgeprägtes Druckempfinden hätten. «Deshalb ist die Anprobe von Schuhen auch immer so eine Sache», sagt sie. Kinder sagten oft, dass ein Schuh passe, obwohl er eigentlich zu klein sei – weil er ihnen gefalle. «Weil sie den Druck nicht spüren.»

Sand am besten mit dem Staubsauger entfernen

Und wie geht man mit dem Sand auf dem Boden um? «Ich würde bei Sandverschmutzung immer auf das Saugen setzen», sagt Hélène Staiber, Meisterin im Gebäudereinigungshandwerk. «Vor allem bei rauen Böden ist saugen wichtig, damit der Sand auch aus den Vertiefungen rausgeht.» Ausnahme: Hochglanzfliesen, die womöglich zerkratzen. Dann schlägt die Stunde von Besen und Kehrblech.

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Letzte Baustelle: die Spielplätze. Was machen die eigentlich, wo ihnen doch immer wieder Sand abhandenkommt? «Die Notwendigkeit einer Sandnachfüllung beziehungsweise eines Sandaustauschs wird durch regelmäßig stattfindende Kontrollen festgestellt», erläutert dazu ein Sprecher der Stadt Köln. «Der Sand an den Spielplätzen wird somit bedarfsgerecht und regelmäßig nachgefüllt oder ausgetauscht.» dpa/nak

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