Volker Weininger: „Niemand ist vor Depressionen gefeit“

Report-K

Köln | Corona. Krieg. Schwere Zeiten für Spaßmacher.

Wie kann man in der momentan so schwierigen Gemütslage anderen Menschen Frohsinn vermitteln?

Im Interview mit report-k erklärt Bütt-Shootingstar Volker Weininger, warum gerade jetzt seine Bühnenauftritte wichtig sind. Der im Karneval beliebte „Sitzungspräsident“ gibt sich brutal offen.

Volker, kann man aktuell überhaupt Spaß haben?

Weininger: Die Frage liegt natürlich auf der Hand. Grundsätzlich muss erst mal jeder für sich selbst entscheiden: Wie gehe ich mit der Situation um? Da hat wahrscheinlich jeder seinen eigenen Weg und es gibt kein Richtig oder Falsch. Wir leben jetzt seit über zwei Jahren in schwierigen und bedrückenden Zeiten.

Und Corona würde sicher immer noch die Schlagzeilen dominieren, wenn der furchtbare Krieg nicht wäre. Ich finde, gerade jetzt ist es absolut notwendig, dass man sich ab und zu auch mal aus dieser Spirale von Negativ-Nachrichten befreit. Wir brauchen das. Wenn man ins Kino oder Theater geht, das ist eine Mini- Auszeit, eine kleine Realitätsflucht, und das halte ich für wichtig, weil sonst die Gefahr besteht, von unseren Ängsten beherrscht zu werden. Wenn man die Ängste rund um die Uhr zulässt und sich von einem Artikel zum nächsten scrollt, schadet das der Seele. Wir müssen trotz allem versuchen, unseren Alltag zu leben. Es hilft niemandem, wenn man sich vor Angst zerfrisst.

Volker Weininger: „Putin? Würde ich nicht machen“

Gab es wegen dieser Einstellung Anfeindungen?

Weininger: Zum Glück gar nicht. Ich bin seit Mitte März wieder auf Solo-Tour, und ich erfahre das genaue Gegenteil. Die Leute schreiben mich an oder bedanken sich nach der Vorstellung, dass sie einfach mal wieder ein paar Stunden unbeschwert lachen konnten.

Das freut mich total, denn genau da sehe ich momentan meine Aufgabe. Und das Eine schließt ja das Andere nicht aus: Wir verschließen ja gar nicht die Augen vor der Realität, wir sind natürlich auch voller Mitgefühl und Sorgen, aber ab und zu ist es völlig okay, das auch mal für eine Weile auszublenden.

Kann man über Putin Witze machen?

Weininger: Ich habe in meinem Programm keine Witze über Putin drin. Das war bei mir noch nie Thema und würde auch inhaltlich gar nicht passen. Ich würde es aber in der momentanen Situation auch für schwierig halten, das zu tun.

Nicht weil es ein Tabu wäre. Aber es muss passen und nicht nur deshalb geschehen, weil man das Gefühl hat, dazu muss jetzt was rein. Und es besteht leicht die Gefahr, Dinge zu bagatellisieren. Ich klammere das Thema aber auch deshalb aus, um die Leute im Saal mal auf andere Gedanken zu bringen.

Wie hoch waren für Sie die Ausfälle durch Corona?

Weininger: Mich hat es ausgerechnet in der Woche, in der die ARD-Fernsehsitzung aufgezeichnet wurde, erwischt. Zum Glück nicht schlimm, aber ja: Natürlich gab es dadurch dann finanzielle Einbußen. Ich rede nicht gern über Summen, aber es wäre die einnahmestärkste Woche der Session gewesen. Ich will mich aber nicht beklagen. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die insgesamt wesentlich härter getroffen sind.

Volker Weininger in seiner Rolle als Sitzungspräsident. Foto: Oliver Brückner

Kurt Krömer hat mit seinem Outing zum Thema Depression für Aufsehen gesorgt. Sind auch viele Bütt-Stars betroffen?

Weininger: Ich finde das super, dass prominente Kollegen wie Krömer und Torsten Sträter ganz offen über ihre Depressionen reden. Das ist extrem wichtig und hilft, die Krankheit zu enttabuisieren. Es sind sehr viele Menschen davon betroffen, und es ist eine Krankheit, die Leben nehmen und Familien zerstören kann. Ich selber habe zum Glück noch nie Depressionen gehabt.

Ich bin aber überzeugt, dass niemand davor gefeit ist. Jeder hat Phasen depressiver Verstimmung, die kenne ich schon, das haben sicher auch viele in den Jahren der Pandemie ähnlich miterlebt. Denn die Pandemie hat auf irgendeine Weise uns alle getroffen, nicht nur gesundheitlich oder wirtschaftlich. Jeder ist durch die zwei Jahre angegriffen, man wird dünnhäutiger, ängstlich, dann kommt jetzt auch der Krieg dazu. Ich persönlich habe da zum Beispiel plötzlich so etwas wie einen Kontrollverlust gespürt.

Plötzlich lagen die Dinge nicht mehr in meiner Hand. Andere haben auf einmal entschieden, ob ich arbeiten darf oder nicht. Wie sich das alles entwickelt, darauf habe ich keinen Einfluss.

Und jetzt im Krieg ist es ja ähnlich: Viele Leute haben Ängste – auch ich – weil wir nicht kontrollieren können, ob das noch weiter eskaliert oder nicht. Das liegt einfach nicht in unserer Hand. Und diesen Kontrollverlust spürt man. Das bedeutet, dass Vieles im Leben nicht mehr wirklich planbar scheint. Das kann einem schon zu schaffen machen, dass man nicht genau weiß, wie es weitergeht.

Das kannte ich bislang so in der Form nicht. Aber ich versuche trotzdem, zuversichtlich zu bleiben. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es zum Konzept des Optimismus einfach keine Alternative gibt!

Was für Projekte stehen jetzt an?

Wenininger: JP Weber, Martin Schopps und ich planen mit dem Herrengedeck ein Dankeschön-Konzert für die Vereine, die Hilfen im Sonderfonds beantragt haben. Wir laden demnächst Vertreterinnen und Vertreter dieser Gesellschaften für den 17. Mai in die Volksbühne ein, um damit unsere Wertschätzung für die ehrenamtliche Arbeit zu zeigen.

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