Verkehrsbetriebe in Köln: KVB zahlen Vorstand trotz Problemen Boni

Rundschau | Nichts ist mehr beim Alten bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB). Seit über einem Jahr wird nicht mehr nach dem mit der Stadt Köln vereinbarten Fahrplan gefahren. Seit der Corona-Krise bekommt der Betrieb seine Personalprobleme nicht mehr in den Griff. Unternehmensberater sollen nun dabei helfen, den Betrieb vom Kopf aus neu zu strukturieren. Ist denn wirklich gar nichts mehr beim Alten bei den KVB? Doch, eins schon. Die Boni-Zahlungen an die Vorstandsmitglieder.65.100 Euro zusätzlichNach Informationen der Rundschau bleiben die Sonderzuschläge für das Jahr 2023 auf der gleichen Höhe wie im Jahr 2022, auch wenn die KVB seit rund zwei Jahren durch eine der schwersten Krisen in der Betriebsgeschichte manövriert. Unabhängig von den immensen Finanzproblemen, vor denen die KVB im Zuge der Verkehrswende stehen, hat der Aufsichtsrat in seiner jüngsten Sitzung einen Vergütungsbericht durchgewunken, wonach die Vorstände des Verkehrs-Betriebs je 65.100 Euro als „variable Vergütung“ bekommen. Offen ist, ob es vielleicht sogar noch einen üblichen Zuschlag von drei Prozent geben kann. Der ehemalige Finanzvorstand Thomas Schaffer, der nach einer Dienstwagenaffäre und Streit im Vorstand den Betrieb zum 1. Juni verlassen hat, bekommt ebenfalls diesen Boni.Zuschlag mehr als das Doppelte eines Fahrer-GehaltsNicht nur, dass Erfolge ausbleiben, es kann noch nicht einmal die Leistung geliefert werden, die eigentlich vereinbart ist – und dennoch gibt es Leistungszuschläge? Nichts anderes sind nämlich die „variablen Vergütungen“, die nun bei Peter Densborn (Personalvorstand), Jörn Schwarze (Technikvorstand), Stefanie Haaks (Vorstandsvorsitzende) und dem ehemaligen Finanzvorstand Thomas Schaffer die private Kasse klingeln lassen. Sie alle können sich über 65.100 Euro zusätzlich freuen. Das Einstiegsgehalt für Fahrerinnen und Fahrer bei den KVB liegt bei 2645 Euro brutto im Monat. Das bedeutet, ohne Zuschläge kommen die Fahrerinnen und Fahrer im Jahr noch nicht einmal auf die Hälfte der Summe, die die jeweiligen Vorstände oben drauf bekommen– auf Festvergütungen, die sich ohne Zuschläge schon sehen lassen. Alles zum Thema Kölner Verkehrs-BetriebeKriterien für Zahlungen lassen Krise außer AchtMag 2022 die Krise der KVB noch in der Entstehungsphase gewesen sein, 2023 schlug sie voll durch. Bleibt offen, warum hat der Aufsichtsrat für das vergangene Jahr dennoch wieder die vollen Zuschläge genehmigte. Zumal er eigentlich in Aussicht gestellt hatte, daran etwas zu ändern. Dass es für 2023 wieder den vollen Zuschlag gab, habe an den Kriterien für die „variablen Vergütungen“ gelegen, ist zu hören. Die Boni werden nämlich nicht pauschal und freihand verteilt, sondern sie sind an einen Kriterienkatalog gebunden. Dessen Punkte müssen erfüllt sein, soll die Sonderzahlung vollumfänglich fließen. Die Kriterien würden allerdings nicht die aktuelle Problemlage der KVB berücksichtigen. Punkte wie Fahrplanerfüllung oder gute Zusammenarbeit im Vorstand seien durch sie nicht abgedeckt. Als Lehre aus den Boni-Zahlungen der vergangenen zwei Jahre sollen die Kriterien nun der Realität angepasst werden, ist aus dem Vorstand zu hören. Fragt sich nur, warum das nicht bereits im Vorfeld geschehen ist. Die KVB stecken ja nicht erst seit gestern in der Krise.iVergütungen2022 bezog Peter Densborn als KVB-Personalvorstand 287 500 Euro an Festvergütung. An variabler Vergütung kamen 65 100 Euro und an Sach- und sonstigen Bezügen 36 300 Euro dazu. So kam er auf eine Gesamtvergütung von 388 900 Euro. Dazu kommen noch der Aufwand für die Altersversorgung von 279 000 Euro.Jörn Schwarze bezog als KVB-Technikvorstand 287 500 an Festvergütung plus 65 100 Euro an variabler Vergütung und an Sach- und sonstigen Bezügen 25 900. Daraus ergibt sich die Gesamtvergütung von 378 500 Euro. Für die Altersvorsorge kamen nochmals 291 300 Euro dazu.Stefanie Haaks bezog als Vorstandsvorsitzende 284 700 Euro an Festvergütung, 65 100 Euro an variabler Vergütung und 8900 Euro an Sach- und sonstigen Bezügen. Die Gesamtvergütung betrug damit 358 700 Euro. Für die Altersvorsorge kamen 271 100 Euro dazu.Thomas Schaffer kam 2022 als Finanzvorstand auf 258 800 Euro Festvergütung, 65 100 Euro an variabler Vergütung, 7700 Euro an Sach- und sonstigen Bezügen. Gesamtbezüge: 331 600 Euro. Die Altersvorsorge schlug bei ihm mit 282 400 Euro zu. Die Zahlen für 2023 werden in den kommenden Wochen vorgestellt.Drei Vorstände angeblich zu Einschnitten bereitZumal der Vorstand sich angeblich zu Einschnitten bereit gezeigt habe – größtenteils jedenfalls. Dem Vernehmen nach hätten Haaks, Densborn und Schwarze einem Verzicht auf zehn Prozent der „variablen Vergütungen“ zugestimmt. Jedoch hätte sich dazu auch Schaffer bereit erklären müssen, heißt es. Doch weil mit dem ehemaligen Finanzvorstand schon über viele Monate über sein Ausscheiden aus dem Betrieb mühsam verhandelt worden sei, habe man die Minderung der Zusatzzahlung mit ihm nicht nochmals nachverhandeln wollen, ist aus dem Umfeld des Verkehrs-Betriebes zu hören. Nach dem Prinzip: Gleiches Recht für alle, sei es dann bei den 100 Prozent für alle Vorstandsmitglieder geblieben.Schaffer Grund für vollen Zuschlag?Damit bekommen die Boni-Zahlungen noch eine besonders bittere Note. Schaffer sorgte für Schlagzeilen, weil er die Sonderleistung eines KVB-Dienstwagens bis an die äußerste Grenze der vertraglichen Vereinbarung ausreizte. Seine Oberklassenlimousine auf Betriebskosten, mit der eigentlich im Auftrag der KVB unterwegs sein sollte, stand überwiegend bei seiner Familie in Frankfurt. Damit verletzte er zwar nicht die Vereinbarungen für den Dienstwagen, weil diese einen solchen Fall nicht vorsahen. Aber er sorgte für einen beachtlichen Imageschaden, als sein verhalten publik wurde. Weil mit Schaffer auch das Klima im Vorstand nicht stimmte, hat er schließlich die KVB zum 1. Juni verlassen. Er soll ab September bei einem Straßenbahnbetrieb für Gelsenkirchen und Bochum anfangen. Sein Gehalt wird aber noch bis August weiter bezahlt. Nun gibt es noch einen Zuschlag hinterher. Und ausgerechnet Schaffer wird als Grund angegeben, dass eine Minderung von zehn Prozent nicht durchgeführt werden konnte.
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