2. März 2026 Autor: Köln erleben
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Einfach draufloswandern war gestern. Heute versprechen zertifizierte Wanderwege mit klangvollen Namen einen Mehrwert durch besondere Erlebnisse, hohe Laufsicherheit und Service. Wir haben einige der schönsten Wanderrouten beschritten. Lesen Sie drei persönliche Wandergeschichten.
Pfadig und leicht im Abgang – der „Vulkanpfad“ in der Eifel:
Zusammen mit meiner Freundin Anke Voerkel und deren Tochter Klara erwandere ich den „Vulkanpfad“ bei Mayen. Wir wandern in luftiger Höhe auf dem Kraterrand eines Vulkans. „Bitte von der Steilkante fernbleiben! Absturzgefahr!“ warnt man uns auf den Schautafeln entlang des ausgetretenen Pfades über Wiese, Fels und Staub.
Panoramablick
Der Weg eröffnet uns einen weiten Blick auf den Kraterbereich des Bellerberg-Vulkans und die Vulkanlandschaft der Osteifel – bis hin zum Neuwieder Becken. Halbmondförmig flankieren der Ettringer Bellerberg, über den wir gerade marschieren, und der Kottenheimer Büden den Krater. Dessen Boden bedecken heute landwirtschaftliche Felder und Äcker. Auf der äußeren Seite des Kraterkegels fallen Trockenwiesen sanft ab.
Vor 200.000 Jahren explodierte hier, unter unseren Füßen, die Erde. Mehr als 1.000 Grad Celsius heißes Magma und rotglühende Schlacke-Fetzen schossen in die Höhe und türmten nach und nach den Kraterrand des Vulkans auf. Ein Lavastrom durchbrach den Vulkankegel im Osten und wälzte sich in die Landschaft – das kann man noch gut erkennen. Die Schautafeln entlang unseres Weges erklären anschaulich, wie Vulkane im Allgemeinen entstanden sind und im Besonderen die hiesige Vulkanlandschaft.
Moor, Wald- und Heidelandschaften
Der ausgewiesene Rundwanderweg ist nur einer von 26 „Traumpfaden“ – einer Marke des Touristikzweckverbands des Landkreises Mayen-Koblenz, der Rhein-Mosel-Eifel-Touristik. Alle Traumpfade sind mit dem Wandersiegel „Premiumweg“ ausgezeichnet, das das Deutsche Wanderinstitut für Wanderwege in Deutschland und darüber hinaus auch in Europa vergibt.
Es steht für besonders erlebnisreiche und möglichst naturnahe Wanderwege. Sie führen durch abwechslungsreiche und attraktive Naturlandschaften wie schöne, offene Wälder, Heidelandschaften oder Moore, entlang natürlicher Gewässer und nah vorbei an Naturattraktionen wie spektakulären Schluchten, Wasserfällen oder besonderen Gesteinsformationen.
Häufig sind auch kulturelle Sehenswürdigkeiten auf einer Tour zu besichtigen. Auch die Wegebeschaffenheit und die Markierungen werden bewertet. „Pfadig“ sollten die Wege möglichst sein und so gut ausgeschildert, „dass ich mich nach menschlichem Ermessen einfach nicht verlaufen kann“, erklärt Wanderforscher Professor Dr. Heinz-Dieter Quack. Schöne Aussichten, besondere Ausblicke, attraktive Rastplätze und Gaststätten gehören auch dazu.
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Die Lavawände des Kottenheimer Winfelds. Foto: Klaus-Peter Kappest / REMET
Freizeit- und Outdoor-Sport
„Wandern ist eine vergleichsweise moderate körperliche Anstrengung mit relativ monotonen Bewegungsabläufen über einen längeren Zeitraum hinweg“, definiert Quack den beliebten Freizeitsport. „Man muss sich weniger auf die Koordination des Bewegungsablaufs konzentrieren als bei anderen Outdoor-Sportarten, wie zum Beispiel beim Radfahren. So hat man Zeit, sich mit der Landschaft auseinanderzusetzen, durch die man geht.“
Quack ist Professor für Tourismusmanagement an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Salzgitter. Er arbeitet sowohl mit dem Deutschen Wanderinstitut als auch mit dem Deutschen Wanderverband zusammen an der Entwicklung von Pfaden und Steigen.
Wie das Institut vergibt auch der Verband ein Zertifikat für solche Wege: Es ist das des „Qualitätswanderwegs“ unter dem Label „Wanderbares Deutschland“. „Die Grundidee von beiden Zertifikaten ist gleich, nämlich das abzubilden, was die Wanderer sich in der Summe von einem aus ihrer Sicht attraktiven Wanderweg erhoffen“, erklärt Quack.
„Wanderbares Deutschland“ – zuverlässig ausgeschildert
Doch zurück zum „Vulkanpfad“. Der Gras- und Buschbestand des Ettringer Bellerbergs unterscheidet sich bereits deutlich vom Waldbestand auf dem Kottenheimer Büden, zu dessen senkrechten Kraterwänden wir über einen steilen Pfad aufsteigen, nachdem wir den alten Lavastrom überquert haben.
Nach etwa der Hälfte der insgesamt 6,7 Kilometer langen Tour kommen wir in den lichten Laubwald des Kottenheimer Winfelds, der uns bald ein Labyrinth aus Basaltfelsen eröffnet. Dort floss einst der mächtigste von insgesamt drei Lavaströmen und verfüllte ein tief eingeschnittenes Tal.
Wie wir auf den Schautafeln entlang des Weges erfahren, haben hier die Menschen jahrtausendelang Basaltgestein abgebaut. Zunächst für Getreidereiben, später, um Mühlsteine herzustellen. Zuverlässig führt uns das orange Traumpfadlogo durch das Felsenlabyrinth.
Wir sind darauf vorbereitet, dass die im Schwierigkeitsgrad „mittel“ eingestufte Tour an wenigen Stellen Trittsicherheit erfordert. Dazu kommen längere, auch steilere An- und Abstiege und Pfade, die bei nassem Wetter schwieriger zu begehen sein könnten.

Schwierigkeitsgrade für jede Wanderung
Die Kategorien des Schwierigkeitsgrades seien auf die deutschen Mittelgebirge genormt, erklärt Wanderforscher Quack. „In alpinen Zusammenhängen ist das ein ganz anderes Niveau, das muss man schon sagen.“ Festzustellen sei, dass etwa die Hälfte der Wanderinnen und Wanderer über fünfzig Jahre sei und erst die über Siebzigjährigen weniger wanderten und kürzere Wanderungen bevorzugten. „Das liegt aber weniger an der abnehmenden eigenen Leistungsfähigkeit als vielmehr daran, dass sich die Menschen mit zunehmendem Alter vielleicht weniger zutrauen und vorsichtiger werden“, stellt Quack fest.
Doch einen als leicht qualifizierten Premium- oder Qualitätsweg könne jeder gehen, der nicht gehbehindert ist, versichert er. Entspannt und voller Eindrücke kommen wir nach drei Stunden wieder zum Ausgangspunkt unserer Rundwanderung. Meine Freundin Anke sinniert versonnen: „In diesen Zeiten eine Wanderung an der Caldera eines erloschenen Vulkans zu machen, relativiert vieles“, und streift ihre Wanderschuhe ab.
Ein Beitrag von Susanne Neumann.
Der Rheinsteig – im romantischen Rheintal

Auf dem Weg laden Raststellen zum Verweilen ein. Foto: Martina Dammrat
Wir haben es zu unserem Projekt gemacht! Mein Mann und ich wollen den Rheinsteig von Bonn bis Wiesbaden schaffen, 320 Kilometer. Davon haben wir fast zwei Drittel schon an Wochenenden oder als Kurzurlaub erwandert. Nächstes Ziel: die Loreley. Außer der Strecke durchs Neuwieder Becken wollen wir kein Stück des Weges missen, jedes ist anders, jedes bietet Sehenswürdigkeiten, Natur und Kultur, vor allem aber viel Landschaft.
Sehenswürdigkeiten am Wegesrand
Wir erklimmen beeindruckende Burgen und Schlösser, bestaunen prachtvolle Kirchen und Klöster. Sehen unverhofft während einer Brotzeit den Kaltwassergeysir von Namedy auf der anderen Rheinseite aufsteigen. Abends kehren wir gut gelaunt irgendwo ein. Und hängen dort auch schon mal unsere Regensachen zum Trocknen auf.
Bergische Streifzüge
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Ein guter Wegweiser – die Hinweistafeln auf den Premiumwegen. Foto: Lydia Schneider-Benjamin
Region mit Bergbaugeschichte
Besonders gefällt uns der Bergbauweg, die Nr. 15. Startpunkt ist der Bahnhof Hoffnungsthal, dort steht schon die große Übersichtskarte. Dann folgt man wie bei einer Schnitzeljagd der knallorangen Markierung mit der weißen 15. In der Regel gut zu finden, nur darf man nicht zu sehr ins Gespräch vertieft sein, dann kann man schon mal einen Abzweig verpassen. Man sollte stutzig werden, wenn an der nächsten Weggabelung das Schild nicht zu finden ist, dann heißt es zurückgehen!
Autor: Köln erleben
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