Polizisten erschießen Geiselnehmer: Dieses Video stammt nicht aus Spanien, sondern aus Brasilien

Polizisten erschießen Geiselnehmer: Dieses Video stammt nicht aus Spanien, sondern aus Brasilien

Quelle: CORRECTIV.Faktencheck!

Faktencheck

Polizisten erschießen Geiselnehmer: Dieses Video stammt nicht aus Spanien, sondern aus Brasilien

Ein Video soll zeigen, wie spanische Polizisten einen Geflüchteten erschießen – das behaupten zumindest Nutzerinnen und Nutzer auf X und Telegram. Doch das Video ist aus Brasilien und die Identität des Mannes nicht bekannt.

von Viktor Marinov

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Dieses Video verbreitet sich in Sozialen Netzwerken mit einer falschen Ortsangabe – die Aufnahme stammt nicht aus Spanien (Quelle: Telegram; Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Behauptung

Ein Video zeige eine Geiselnahme durch einen Geflüchteten in Spanien. Die Polizei habe den Geiselnehmer erschossen.

Aufgestellt von: Beiträgen auf X und Telegram
Datum:
24.03.2024

Quelle

Bewertung

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Falscher Kontext
Über diese Bewertung

Falscher Kontext. Das Video ist im Jahr 2018 in Brasilien entstanden. Der Geiselnehmer ist an den Folgen der Schusswunden gestorben. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Mann Geflüchteter war.

Hinweis: In diesem Faktencheck ist Videomaterial verlinkt, das die Folgen von Gewalt zeigt. 

Er habe das Video „eben per Whatsapp bekommen“, schreibt ein Nutzer auf X im März 2024. Die Aufnahme zeige eine Geiselnahme durch einen Geflüchteten in Spanien. „Die Polizei fackelt dort nicht lange… mit 5 Schüssen ist das Ganze schnell erledigt“, kommentiert der Nutzer. 

Auf dem Video ist zu sehen, wie ein Mann eine alte Frau packt und ihr eine Pistole an den Kopf hält, während er eine Straße entlang geht. Ein Polizist folgt dem Mann und richtet seine Waffe auf ihn. An einer Stelle stolpert die alte Frau, der Polizist hat freie Sicht auf den Geiselnehmer und schießt auf ihn. Passanten klatschen anschließend Beifall.

Weitere Nutzer auf X und Telegram verbreiten das Video im Juni ebenfalls mit der Ortsangabe Spanien. Einer der X-Beiträge wurde über 1.100 Mal geteilt.

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Auf X verbreitet sich die Aufnahme von einer Geiselnahme, die fälschlicherweise in Spanien verortet wird (Quelle: Telegram; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Video entstand 2018 in der brasilianischen Stadt Valença

Doch das Video entstand nicht in Spanien. Ein Hinweis darauf sind die im Video zu hörenden Personen – sie sprechen Portugiesisch. Eine Bilder-Rückwärtssuche führt zu zahlreichen Medienberichten von Dezember 2018 über den Vorfall, der sich im brasilianischen Valença, einer Stadt südlich von Rio de Janeiro zugetragen haben soll: Ein Mitglied der Militärpolizei habe den Geiselnehmer aus dem Video am 5. Dezember 2018 erschossen, heißt es in den Artikeln. Der Mann habe Schmuck gestohlen und sei zu Fuß geflohen – er sei später an den Folgen der Schussverletzungen gestorben. 

Im Video sind auf einem Gebäude die Worte „Casa do Fazendeiro“ zu sehen. Mit de£m Hinweis konnten wir über eine Stichwortsuche den genauen Ort in Valença lokalisieren, an dem das Video entstand. Ein Vergleich mit einem Standbild aus der Aufnahme und einem Foto von Google Maps zeigt, dass es sich um dieselbe Ecke handelt: Ein Gebäude und das Geschäft im Erdgeschoss sind dieselben, sogar eine Beschädigung am Bordstein ist in beiden Fällen zu sehen.

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Ein Vergleich mit Aufnahmen von Google Maps von 2011 (links) und dem Standbild aus dem Video (rechts) zeigt den Ort der Aufnahme: die brasilianische Stadt Valença (Quelle: Google Maps / Telegram; Collage und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

In den Medienberichten über den Fall heißt es, die Polizei habe die Identität des erschossenen Mannes nicht veröffentlicht. Es gibt darin keine Hinweise darauf, dass er Geflüchteter sein könnte. Unsere Anfrage an die brasilianische Militärpolizei blieb bislang unbeantwortet.

Redigatur: Sophie Timmermann, Uschi Jonas

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Check:

  • Medienbericht über die Geiselnahme in Valença, GZH, 5. Dezember 2018: Link
  • Medienbericht über die Geiselnahme in Valença, Clarín, 5. Dezember 2018: Link

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