Polizei erschießt Mieter in Ostheim: Er war Kölner Straßenmusiker und spielte vor der Philharmonie

Polizei erschießt Mieter in Ostheim: Er war Kölner Straßenmusiker und spielte vor der Philharmonie

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Köln | Louzef war Straßenmusiker. Das Auftrittsverbot im Corona-Lockdown und damit der Entzug seiner Lebensgrundlage warfen ihn aus der Bahn. Freunde und Musiker, die ihn kennen, zeichnen ein anderes Bild, als das der Boulevardmedien, die ihn als aggressiven Nachbarn pauschal diffamieren. Ein „WDR“-Beitrag über den Straßenmusiker, der mit seinem Xylophon vor der Kölner Philharmonie spielte, vermittelt einen guten Eindruck.

Der WDR-Beitrag zu Louzef ist hier auf Youtube zu finden

Der Beitrag des „WDR“ über den Kölner Straßenmusiker Louzef

Sava Freudenfeld von der Multikultiband Hot Stop Banda musizierte gemeinsam mit Louzef . Hot Stop Banda wird von der Presse als Band in höchsten Tönen gelobt. (Website von Hot Stop Banda: www.hopstopbanda.com) Freudenfeld kannte Louzef und er ist verärgert darüber wie ein Mensch nach einer solchen Tragödie auch noch öffentlich diffamiert wird. Dazu zählt auch, dass der Kölner Boulevard das Bild des aggressiven Russen zeichne. Louzef , der in St. Petersburg geboren wurde und Sohn einer berühmten russischen Geigerin ist, ist jüdischer Abstammung. Mit 12 sagt Louzef in dem WDR-Porträt sei er zur Musik gekommen und habe vier Jahre lang klassische Musik in St. Petersburg studiert. Dann kam der Tschetschenien-Krieg und er wollte nicht Soldat in der russischen Armee sein. Daher setzte er sich 1993 nach Köln ab, wo er an der Musikhochschule studierte. Es war die Zeit der Auflösung der Sowjetunion. Der damalige tschetschenische Präsident Dschochar Dudajew verkündete die Unabhängigkeit seines Landes 1991. In der Folge verstärkte die russische Regierung ihre Truppen an der Grenze und beschloss am 29. November 1994 den Angriff und damit den Beginn des 1. Tschetschenien Krieges, bei dem nach Schätzungen der Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands 14.000 Soldaten starben.

Louzef sei ein netter Mensch gewesen, erinnert sich Freudenfeld und vor allem nicht gewalttätig. Zudem sei er hochintelligent gewesen. Es sei der Lockdown und der Verlust seiner Einkünfte, die Louzef schwer zusetzten. Ein Schicksal, bei dem er Trost im Alkohol suchte. Freudenfeld beschönigt aber auch nichts und sagt: „wenn er getrunken hatte ist er sehr laut geworden“. Als ihm angekündigt wurde seine Wohnung zu verlieren, habe er mit Selbstmord gedroht.

„Louzef war ein Virtuose der klassischen Musik“, sagt Freudenfeld. Und auch in dem „WDR“-Beitrag, den ein anderer Musiker von Hot Stop Banda, Micha Duboff am 28. Oktober 2021 auf Youtube einstellte, loben ihn die Besucher:innen vor der Kölner Philharmonie, etwa wie schnell und präzise er die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart auf seinem Xylophon interpretieren konnte. Das Porträt zeigt einen Musiker, der den Wunsch hatte auf die große Bühne zu kommen, aber obwohl ihm das anscheinend nicht gelang, der nie aufgab, für seine Musik zu leben. Selbst als ihm sein Instrument mehrfach gestohlen wurde.

Es geht nicht darum, über Tote nur Gutes zu sagen. Das Gute und das Schlechte muss benannt werden, aber nie nur die eine Seite. Es ist Verpflichtung für die Überlebenden aufrichtig mit denen umzugehen, die verstorben sind, denn sie können nicht mehr Stellung beziehen. Und die Frage ist, was muss an die Öffentlichkeit? Den Straßenmusiker Louzef, jüdischer Abstammung, nur als „Russen“ zu diffamieren zeichnet ein völlig falsches Bild, das seine Freunde zu Recht empört und ihm als Mensch nicht gerecht werden dürfte. Es hilft auch nicht bei der ehrlichen Aufarbeitung der Geschehnisse im Gernsheimer Weg 17, wo heute die Trauerkundgebung um 14 Uhr stattfindet. Die Gesellschaft und die, denen Verantwortung übergeben wird, müssen sensibler und differenzierter mit schwierigen Situationen umgehen. Eine Wohnung zu verlieren, aus welchen Gründen auch immer, darf nicht zum Tod eines Menschen führen. Hier muss die Gesellschaft, Politik und die Exekutive eine bessere Strategie entwickeln, um dies zu verhindern.

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