Philharmonie in Köln: „Die Zauberflöte – Impepe Yomlingo“ zeigt Mozarts Werk in einem ganz anderen Licht

Rundschau | Paulina Malefane ist die musikalische Leiterin des südafrikanischen Isango Ensembles. Ab Mittwoch ist sie mit „Die Zauberflöte – Impepe Yomlingo“ in der Kölner Philharmonie zu sehen. Als Königin der Nacht steht sie auch auf der Bühne.Frau Malefane, was bedeutet es Ihnen, ein Teil südafrikanische Kultur mit der „Zauberflöte“ von Mozart auf die Bühne zu bringen?Hoffentlich können wir die Geschichte der „Zauberflöte“ in einer Weise neu erzählen. Denn der Inhalt ist heute immer noch aktuell. Für mich ist es eine Geschichte über Tag und Nacht. Wir alle gehen durch ähnliche Schwierigkeiten, überall auf der Welt. Wie Frauen mit sozialer Ungleichheit kämpfen und sich in einer männlich dominierten Gesellschaft durchsetzen müssen, ist eines dieser Themen. Wir möchten in dem Stück zeigen: Wir in Südafrika haben die Probleme auch. Und wir zeigen, wie wir damit umgehen.Wie kam es zu der Idee, Mozart und Südafrika zu verbinden?Wir wollten einem gemischten Publikum in Südafrika die Opernszene näherbringen. Menschen von unseren Gemeinden konnten sich nicht mit Opern identifizieren, denn sie haben die Texte – in Italienisch oder Deutsch gesungen – nicht verstanden. Die Idee war es, die Geschichte zu nehmen und in einen südafrikanischen Kontext zu legen. So verstehen Südafrikanerinnen und Südafrikaner den Inhalt und können die Musik von Mozart mit der nicht so fremden Geschichte verbinden.Sie sind Mitgründerin des Isango Ensembles, künstlerische Leiterin und stehen zusätzlich auch auf der Bühne. Wie würden Sie Ihre Rolle definieren?Hauptsächlich arbeite ich mit den Vokalisten und deren Stimmen. Ich achte auf technische Details in der Stimmarbeit, die schwierig technisch umzusetzen sein können. Aber meine wichtigste Rolle im Stück „Die Zauberflöte“ ist, dass ich selbst ein Teil der Kompanie bin und in der Vorstellung die Königin der Nacht spiele.iÜber das StückIn einem völlig neuen Licht möchte das Isango Ensemble das Werk von Wolfgang Amadeus Mozart zeigen. Das Ergebnis ist „Die Zauberflöte – Impepe Yomlingo“, das vom 10. bis 14. Juli im Rahmen des 35. Kölner Sommerfestivals in der Kölner Philharmonie gezeigt wird.Das Ensemble verpackt Mozarts „Zauberflöte dabei in ein südafrikanisches Gewand. Die Gesangssolisten kommen aus den Townships rund um Kapstadt. Unterstützt werden sie von einem Chor und einem Musikensemble mit Marimbas, Trommeln und weiteren traditionellen Instrumenten. „Über 35 Mitwirkende verwandeln die Bühne in einen magischen Schauplatz, der Mozarts rätselhafte Märchenwelt brillant mit afrikanischer Mythologie vereint“, heißt es in der Ankündigung.Regisseur Mark Dornford-May verwebt traditionelle afrikanische Rituale mit der Originalgeschichte um den Prinzen Tamino, der die Tochter der Königin der Nacht mithilfe einer magischen Flöte aus der Gefangenschaft des bösen Sarastro befreien soll. Gesungen wird auf Englisch, mit Dialogen in Englische und südafrikanischen Sprachen.Für die sechs Aufführungen ab dem 11. Juli gibt es noch Tickets ab 59,10 Euro.Was für ein Ensemble ist das Isango Ensemble?Das Ensemble arbeitet nur, wenn es eine Tour gibt, zum Beispiel in Europa oder Amerika. Wir haben nicht die Finanzen, um ein ganzes Jahr über zu arbeiten. Wir sind nicht die typische Theaterkompanie. Wir arbeiten bis kurz vor der Premiere an der Vorstellung. Wenn etwas in der Show nicht klappt, dann besprechen wir es in der großen Runde und denken über Auswege nach. Das heißt, jede Vorstellung der „Zauberflöte“ ist unterschiedlich?Jede Vorstellung ist ein Unikat. Wenn ein Detail der Show in Hannover schön auf der Bühne aussah und funktionierte, muss es in Köln nicht unbedingt funktionieren. Wir arbeiten auch immer mit der Energie des Publikums: Die Menschen im Saal heute werden nicht die gleiche Stimmung haben, wie das Publikum morgen. Da möchten wir unsere Energie an das Publikum weitergeben. Was ist der schönste Moment für Sie, wenn Sie auf der Bühne stehen?Es ist schwierig, einen Moment auf der Bühne zu beschreiben. Auf der Bühne teile ich mich in zwei: Ich werde der gespielte Charakter und ich bleibe auch ich selbst. Die Rolle der Königin der Nacht und ich werden vereint. Es ist schwer zu sagen, wie ich mich in dem Moment auf der Bühne fühle, denn ich muss mich als die Königin identifizieren können und entsprechend fühlen.Nach mehr als 20 Jahren als Sängerin werde ich immer noch nervös und unruhig.Paulina MalefaneWie ist es für Sie, vor einem großen Publikum aufzutreten?Nach mehr als 20 Jahren als Sängerin werde ich immer noch nervös und unruhig. Und ich nehme die Möglichkeit, auf der Bühne auftreten zu können, nicht für selbstverständlich. Ich liebe das Adrenalin auf der Bühne, wenn ich das Publikum vor mir sehe. Wir schauen schon vor der Show ins Publikum und können ersten Augenkontakt aufbauen. Wir sehen, wie die Menschen sich unterhalten und die fertige Bühne beobachten. Selbst wenn Nervosität immer noch da ist, haben wir das gute Gewissen, dass da Menschen im Publikum sitzen, die gekommen sind, um uns und die Vorstellung zu sehen. Es ist einfach aufregend.Was können die Zuschauerinnen und Zuschauer erwarten?Sie sollten nicht mit irgendwelchen Erwartungen kommen. Es ist besser, die Show unvoreingenommen anzusehen. Je verschiedener das Publikum, desto besser, weil „Die Zauberflöte“ eine Geschichte für Familien ist. Kinder können die Vorstellung genauso genießen, wie Eltern und Erwachsene. Sie können die Show genießen, Mozarts Werk in einem ganz anderen Licht zu sehen und zu erleben.
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