S11 im Kölner Norden: Helga Wagner macht Druck für verlässliche Halte in Chorweiler

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Wenn die S11 verspätet ist, wird der Bezirk Chorweiler immer wieder einfach umfahren. Helga Wagner hat dieses Ärgernis in der Bezirksvertretung erneut deutlich angesprochen – und rückt damit ein Problem in den Fokus, das viele Fahrgäste im Kölner Norden seit Jahren belastet.

Regelmäßige S-Bahn-Nutzerinnen und -Nutzer in Köln sind Kummer gewohnt. Doch im Stadtbezirk Chorweiler kommt ein besonderer Frust hinzu: Wenn die Verspätungen der S11 zu groß werden, fahren die Züge immer wieder nicht über die sogenannte Chorweiler Schleife. Stattdessen nutzen sie eine Abkürzung, die die Halte im Bezirk auslässt. Auf Longerich folgt dann direkt Dormagen.

Für Menschen in Chorweiler, Heimersdorf, Volkhoven/Weiler, Blumenberg und Umgebung bedeutet das: Die Bahn fährt zwar – aber nicht für sie. Gerade für Berufspendler, Schülerinnen und Schüler, ältere Menschen und alle, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, ist das mehr als nur ein Ärgernis.

Helga Wagner benennt das Problem klar

In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Chorweiler wurde das Thema erneut aufgegriffen. Besonders deutlich positionierte sich dabei Helga Wagner. Sie brachte auf den Punkt, was viele im Bezirk seit Langem empfinden:

„Wir wissen alle, mit welchen Mängeln das Kölner S-Bahnnetz zurzeit zu kämpfen hat, aber dass ein ganzer Bezirk umfahren wird, das geht einfach nicht.“

Damit sprach Wagner aus, was im Kölner Norden längst Alltagserfahrung ist: Die Menschen im Bezirk Chorweiler dürfen nicht zur Ausweichmasse werden, wenn der Bahnverkehr aus dem Takt gerät. Wer im Fahrplan einen Halt zugesagt bekommt, muss sich auch darauf verlassen können, dass dieser Halt bedient wird.

Während die übrige SPD-Fraktion bei diesem Thema öffentlich bislang keine eigene Akzente gesetzt hat, war es vor allem Wagner, die in der Sitzung klar und verständlich formulierte, worum es geht: um Verlässlichkeit, Gleichbehandlung und die Frage, ob der Kölner Norden beim Nahverkehr wieder einmal hintenangestellt wird.

Bezirksvertretung fordert sichere Bedienung der Halte

Der Antrag wurde gemeinsam von SPD, Grünen und der Vertreterin von Die Linke, Lilo Heinrich, eingebracht. Gefordert wird, dass die planmäßige Bedienung der Stationen im Kölner Norden sichergestellt und die Haltepflicht wirksam durchgesetzt wird.

Das Auslassen einzelner Haltepunkte, nur um Verspätungen zu reduzieren, sei nicht hinnehmbar. Im Antrag wird darauf verwiesen, dass den Menschen im Bezirk dadurch der Zugang zu einer gesetzlich verankerten Leistung der Grundversorgung genommen werde. Zugleich stelle sich die Frage nach der Gleichbehandlung: Warum soll ausgerechnet ein ganzer Stadtbezirk darunter leiden, wenn die Bahn ihre Verspätungen in den Griff bekommen will?

Auch die CDU unterstützte das Anliegen. Cäcillia Nesseler erklärte, ihre Fraktion habe in den vergangenen Jahren ebenfalls versucht, auf das Problem aufmerksam zu machen und an Lösungen mitzuwirken. Zugleich gab sie zu bedenken, dass die Wirkung des Antrags vermutlich eher symbolisch bleiben werde. Dennoch stimmte auch die CDU dem Antrag zu.

Lichtblick erst in den 2030er Jahren

Parallel gibt es erstmals konkretere Perspektiven für Verbesserungen im S-Bahn-Verkehr. Im Zuge des Ausbaus des Kölner Bahnknotens soll die Bedienung der Strecke zwischen Bergisch Gladbach und Worringen neu organisiert werden. Nach Angaben der NRW-Landtagsabgeordneten Lena Teschlade soll die Kapazität deutlich erhöht werden.

Die S6, die die Chorweiler Schleife derzeit nur in den Stoßzeiten anfährt, soll künftig die Route des R8 bedienen und eine Verbindung zwischen Köln und Mönchengladbach herstellen. Die S11 soll außerdem durch eine neue Linie, die S10, ergänzt werden. Zusammen sollen S10 und S11 auf der Strecke einen 10-Minuten-Takt ermöglichen.

In den Hauptverkehrszeiten soll zusätzlich die S14 zwischen Köln-Nippes und Bergisch Gladbach verkehren. Dadurch könnte in den inneren Bereichen sogar ein 5-Minuten-Takt entstehen.

Der Haken: Diese Verbesserungen kommen nicht kurzfristig. Zunächst muss der Ausbau der Strecke im rechtsrheinischen Abschnitt abgeschlossen werden. Realistisch werden die Änderungen daher frühestens in den 2030er Jahren spürbar.

Chorweiler braucht jetzt Verlässlichkeit

Für Lindweiler und den gesamten Kölner Norden ist das zu spät, um das aktuelle Problem einfach auszusitzen. Die Menschen im Bezirk brauchen nicht nur langfristige Ausbauversprechen, sondern kurzfristig eine klare Zusage: Die S-Bahn-Halte der Chorweiler Schleife dürfen nicht länger regelmäßig geopfert werden.

Dass Helga Wagner dieses Thema erneut deutlich angesprochen hat, ist deshalb wichtig. Es reicht nicht, den Kölner Norden in Sonntagsreden als bedeutenden Stadtbezirk zu bezeichnen. Entscheidend ist, ob seine Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag zuverlässig angebunden werden.

Der öffentliche Nahverkehr ist Teil der Daseinsvorsorge. Wer in Chorweiler, Lindweiler, Heimersdorf oder Blumenberg wohnt, hat denselben Anspruch auf verlässliche Mobilität wie Menschen in anderen Stadtteilen Kölns. Genau darum geht es bei der Kritik an der Umfahrung der Chorweiler Schleife – und genau deshalb darf dieses Thema nicht wieder in Ausschüssen, Zuständigkeiten und Bahn-Ausreden verschwinden.