„Nichts schiefgelaufen“ und „Grundrechte nur für Geimpfte“: Zwei angebliche Zitate von Angela Merkel im Faktencheck

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Ein Facebook-Beitrag enthält zwei angebliche Zitate von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie habe in einem Interview zur Impfsituation in Deutschland gesagt: „Im Großen und Ganzen ist nichts schiefgelaufen“ und es solle „Grundrechte nur für Geimpfte“ geben. 

Dadurch, dass eine der beiden Aussagen ein echtes Zitat ist, wirkt es so, als habe Merkel auch die zweite Aussage so getroffen. Das stimmt jedoch nicht. „Grundrechte nur für Geimpfte“ ist kein echtes Zitat, sondern eine überspitzte Interpretation ihrer Aussagen in dem Interview. Insgesamt fehlt dem Facebook-Beitrag wichtiger Kontext. 

Der Facebook-Beitrag mit den vermeintlichen Zitaten (Quelle: Facebook / Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Durch den Veröffentlichungszeitpunkt am 2. Februar, den Hashtag #020221 (2. Februar 2021) und die Aussage, dass es um ein 15-minütiges Interview mit Angela Merkel gehe, ist naheliegend, dass sich der Beitrag auf das Interview mit der Bundeskanzlerin vom 2. Februar 2021 bei der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ bezieht. Das Interview ist auf dem Youtube-Kanal der Tagesschau zu finden und startet im Video bei Minute 0:46.

„Nichts schiefgelaufen“ bezieht sich auf den Einkauf von Impfstoffen

Tatsächlich äußert Merkel darin den Satz, dass „im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen“ sei. Worauf sich der Satz bezieht, fehlt als Kontext in dem Facebook-Beitrag. Konkret formulierte der Moderator Rainald Becker bei Minute 4:47 die Frage: „Es stellt sich zum Beispiel die Frage: Wer viel zahlt, kann auch viel impfen? Siehe Großbritannien, siehe Israel, es gibt andere Beispiele. Und es stellt sich die Frage: Was hat die EU eigentlich gemacht? Warum hat die EU nicht bei aussichtsreichen Herstellern schneller und größere Mengen bestellt? […] Was ist denn da jetzt eigentlich schiefgelaufen?“ 

Darauf antwortet Merkel bei Minute 5:18: „Also ich glaube, dass im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen ist und dass wir […] das bekommen, was versprochen wurde.“ In der weiteren Antwort geht die Kanzlerin darauf ein, weshalb etwa Großbritannien die Zulassung für den Impfstoff von Astrazeneca schneller erteilt hat. Außerdem erklärt Merkel, dass ihrer Einschätzung nach Deutschland auch mit mehr Geld nicht mehr Impfstoff hätte kaufen können. In den vergangenen Wochen hatte es laut Medienberichten Kritik an der Impfstoff-Beschaffung Deutschlands gegeben.

Merkel im Interview mit der ARD: „Grundrechte hat jeder“

Bezüglich der Grundrechte sagte Merkel jedoch nicht, diese würden nur für Geimpfte gelten. Tatsächlich sagte sie, dass jeder Grundrechte habe. Im Wortlaut klingt das wie folgt: 

„Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, dass das normale Leben, wie wir es kennen, mit unseren Freiheiten, das Leben ist, was nicht mehr normal ist. Da wollen wir wieder hin. Das sind die Grundrechte und die hat jeder.“ Solange nicht geklärt sei, ob die Impfung verhindere, dass man andere ansteckt, könne es, so Merkel weiter, keine „besonderen Maßnahmen oder Rechte hin zu den normalen Rechten für Geimpfte“ geben.

Merkel erklärt jedoch auch: „Ich glaube, wenn wir später sehr vielen Menschen ein Angebot gemacht haben können zum Impfen, und dann sagen manche Menschen: ‚Wir haben ja keine Impfpflicht‘, dann sagen manche Menschen: ‚Jetzt möchte ich nicht geimpft werden‘, dann muss man vielleicht schon solche Unterschiede machen und sagen: ‚Okay, wer das nicht möchte, der kann vielleicht auch bestimmte Dinge nicht machen.‘“ 

Dass Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, ihre durch die Pandemie eingeschränkten Grundrechte nicht zurückerhalten werden, hat Merkel nicht gesagt.

Redigatur: Uschi Jonas, Alice Echtermann

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck: 

  • ARD-Interview mit Angela Merkel vom 2. Februar auf Youtube: Link

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Dadurch, dass eine der beiden Aussagen ein echtes Zitat ist, wirkt es so, als habe Merkel auch die zweite Aussage so getroffen. Das stimmt jedoch nicht. „Grundrechte nur für Geimpfte“ ist kein echtes Zitat, sondern eine überspitzte Interpretation ihrer Aussagen in dem Interview. Insgesamt fehlt dem Facebook-Beitrag wichtiger Kontext. 

Der Facebook-Beitrag mit den vermeintlichen Zitaten (Quelle: Facebook / Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Durch den Veröffentlichungszeitpunkt am 2. Februar, den Hashtag #020221 (2. Februar 2021) und die Aussage, dass es um ein 15-minütiges Interview mit Angela Merkel gehe, ist naheliegend, dass sich der Beitrag auf das Interview mit der Bundeskanzlerin vom 2. Februar 2021 bei der ARD-Sendung „Farbe bekennen“ bezieht. Das Interview ist auf dem Youtube-Kanal der Tagesschau zu finden und startet im Video bei Minute 0:46.

„Nichts schiefgelaufen“ bezieht sich auf den Einkauf von Impfstoffen

Tatsächlich äußert Merkel darin den Satz, dass „im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen“ sei. Worauf sich der Satz bezieht, fehlt als Kontext in dem Facebook-Beitrag. Konkret formulierte der Moderator Rainald Becker bei Minute 4:47 die Frage: „Es stellt sich zum Beispiel die Frage: Wer viel zahlt, kann auch viel impfen? Siehe Großbritannien, siehe Israel, es gibt andere Beispiele. Und es stellt sich die Frage: Was hat die EU eigentlich gemacht? Warum hat die EU nicht bei aussichtsreichen Herstellern schneller und größere Mengen bestellt? […] Was ist denn da jetzt eigentlich schiefgelaufen?“ 

Darauf antwortet Merkel bei Minute 5:18: „Also ich glaube, dass im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen ist und dass wir […] das bekommen, was versprochen wurde.“ In der weiteren Antwort geht die Kanzlerin darauf ein, weshalb etwa Großbritannien die Zulassung für den Impfstoff von Astrazeneca schneller erteilt hat. Außerdem erklärt Merkel, dass ihrer Einschätzung nach Deutschland auch mit mehr Geld nicht mehr Impfstoff hätte kaufen können. In den vergangenen Wochen hatte es laut Medienberichten Kritik an der Impfstoff-Beschaffung Deutschlands gegeben.

Merkel im Interview mit der ARD: „Grundrechte hat jeder“

Bezüglich der Grundrechte sagte Merkel jedoch nicht, diese würden nur für Geimpfte gelten. Tatsächlich sagte sie, dass jeder Grundrechte habe. Im Wortlaut klingt das wie folgt: 

„Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, dass das normale Leben, wie wir es kennen, mit unseren Freiheiten, das Leben ist, was nicht mehr normal ist. Da wollen wir wieder hin. Das sind die Grundrechte und die hat jeder.“ Solange nicht geklärt sei, ob die Impfung verhindere, dass man andere ansteckt, könne es, so Merkel weiter, keine „besonderen Maßnahmen oder Rechte hin zu den normalen Rechten für Geimpfte“ geben.

Merkel erklärt jedoch auch: „Ich glaube, wenn wir später sehr vielen Menschen ein Angebot gemacht haben können zum Impfen, und dann sagen manche Menschen: ‚Wir haben ja keine Impfpflicht‘, dann sagen manche Menschen: ‚Jetzt möchte ich nicht geimpft werden‘, dann muss man vielleicht schon solche Unterschiede machen und sagen: ‚Okay, wer das nicht möchte, der kann vielleicht auch bestimmte Dinge nicht machen.‘“ 

Dass Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, ihre durch die Pandemie eingeschränkten Grundrechte nicht zurückerhalten werden, hat Merkel nicht gesagt.

Redigatur: Uschi Jonas, Alice Echtermann

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„Nichts schiefgelaufen“ bezieht sich auf den Einkauf von Impfstoffen

Tatsächlich äußert Merkel darin den Satz, dass „im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen“ sei. Worauf sich der Satz bezieht, fehlt als Kontext in dem Facebook-Beitrag. Konkret formulierte der Moderator Rainald Becker bei Minute 4:47 die Frage: „Es stellt sich zum Beispiel die Frage: Wer viel zahlt, kann auch viel impfen? Siehe Großbritannien, siehe Israel, es gibt andere Beispiele. Und es stellt sich die Frage: Was hat die EU eigentlich gemacht? Warum hat die EU nicht bei aussichtsreichen Herstellern schneller und größere Mengen bestellt? […] Was ist denn da jetzt eigentlich schiefgelaufen?“ 

Darauf antwortet Merkel bei Minute 5:18: „Also ich glaube, dass im Großen und Ganzen nichts schiefgelaufen ist und dass wir […] das bekommen, was versprochen wurde.“ In der weiteren Antwort geht die Kanzlerin darauf ein, weshalb etwa Großbritannien die Zulassung für den Impfstoff von Astrazeneca schneller erteilt hat. Außerdem erklärt Merkel, dass ihrer Einschätzung nach Deutschland auch mit mehr Geld nicht mehr Impfstoff hätte kaufen können. In den vergangenen Wochen hatte es laut Medienberichten Kritik an der Impfstoff-Beschaffung Deutschlands gegeben.

Merkel im Interview mit der ARD: „Grundrechte hat jeder“

Bezüglich der Grundrechte sagte Merkel jedoch nicht, diese würden nur für Geimpfte gelten. Tatsächlich sagte sie, dass jeder Grundrechte habe. Im Wortlaut klingt das wie folgt: 

„Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, dass das normale Leben, wie wir es kennen, mit unseren Freiheiten, das Leben ist, was nicht mehr normal ist. Da wollen wir wieder hin. Das sind die Grundrechte und die hat jeder.“ Solange nicht geklärt sei, ob die Impfung verhindere, dass man andere ansteckt, könne es, so Merkel weiter, keine „besonderen Maßnahmen oder Rechte hin zu den normalen Rechten für Geimpfte“ geben.

Merkel erklärt jedoch auch: „Ich glaube, wenn wir später sehr vielen Menschen ein Angebot gemacht haben können zum Impfen, und dann sagen manche Menschen: ‚Wir haben ja keine Impfpflicht‘, dann sagen manche Menschen: ‚Jetzt möchte ich nicht geimpft werden‘, dann muss man vielleicht schon solche Unterschiede machen und sagen: ‚Okay, wer das nicht möchte, der kann vielleicht auch bestimmte Dinge nicht machen.‘“ 

Dass Personen, die sich nicht impfen lassen wollen, ihre durch die Pandemie eingeschränkten Grundrechte nicht zurückerhalten werden, hat Merkel nicht gesagt.

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