Nach Recherche zur RWTH Aachen: Hinweise auf weitere Fälle

Quelle: CORRECTIV.Faktencheck!

China Science Investigation

Nach Recherche zur RWTH Aachen: Hinweise auf weitere Fälle

Die Recherche zu intransparenten Geschäftspraktiken und China-Verbindungen von Professoren der RWTH Aachen löste ein lautes Echo aus. Dutzende Menschen meldeten sich nach der Veröffentlichung und berichteten von eigenen Erfahrungen – auch an anderen Universitäten. CORRECTIV geht diesen Hinweisen jetzt einzeln nach.

von Till Eckert

Das Gebäude Super C der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule in Aachen (RWTH). (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Berg)

Unsere Recherche „Die Bling-Bling-Professoren aus Aachen“ führt aktuell zu breiten Diskussionen: In sozialen Netzwerken zeigten sich einige Menschen geschockt, andere schreiben, dass die darin beschriebenen Vorgänge schon lange ein offenes Geheimnis gewesen seien.

CORRECTIV beschrieb in der Recherche fragwürdige und intransparente Geschäftspraktiken von Professorinnen und Professoren der Universität sowie Verbindungen zu militärnahen Einrichtungen in China. 

Nach Veröffentlichung äußerten sich Politiker und die RWTH selbst publizierte eine Stellungnahme. Vor allem aber meldeten sich seither Dutzende Menschen bei CORRECTIV, mit ihren eigenen Erfahrungen an den Lehrstühlen der RWTH – und an weiteren Universitäten im Land. Diese Hinweise werten wir jetzt systematisch aus.

Gehring: Forschungskooperationen und Geschäftsbeziehungen mit China können Sicherheitsbedrohung darstellen

Der Vorsitzende des Forschungsauschusses im Bundestag und Grünen-Politiker Kai Gehring sagt nach der Veröffentlichung: „Wer, nach allem, was über chinesische Cyber-Angriffe und Know-How-Spionage bekannt ist, Aufträge von militär-nahen Einrichtungen aus China annimmt, riskiert eigene Forschungsfortschritte und unterstützt den Überwachungsstaat der kommunistischen Partei.“ 

Laut des Politikers müssten in allen Fakultäten, Laboren und Ausgründungen „die Sensibilität bestehen, dass Forschungskooperationen bis hin zu Geschäftsbeziehungen in Hochrisikobereichen eine Bedrohung unserer Sicherheit darstellen können und unsere technologische Souveränität auf dem Spiel steht“. Aus der China-Strategie müssten konkrete Maßnahmen folgen, „von Compliance über Awareness bis zur Einrichtung einer Nationalen Clearingstelle“.

 „Wissenschaftsfreiheit entbindet Forschende nicht von gesellschaftlicher, ethischer und sicherheitspolitischer Verantwortung“, sagt Gehring.

RWTH spricht von „veralteten Informationen“

Die RWTH veröffentlichte gestern eine Stellungnahme zu unserer Recherche. Sie geht darin jedoch nicht auf die zentralen Vorwürfe der Insider ein. 

So erklärt die Universität nicht, warum die konkreten Verträge und Geldflüsse an sogenannte „Professoren-GmbHs“ – das sind Vermittlerfirmen zwischen Geldgebern und Uni – nicht überprüft werden und damit intransparent bleiben. Auch auf konkrete weitere mögliche Geschäftsbeziehungen zwischen Professoren-GmbHs und chinesischen Unternehmen geht die Uni nicht ein.

Einige Informationen aus unserem Text seien laut der RWTH „veraltet“ und einige Kritikpunkte lägen „Jahre zurück“. Die Uni schreibt bezüglich der Zusammenarbeit mit China: „Das Handeln ist in Aachen und anderswo seitdem sehr viel sensibler geworden.“

Nach unseren Recherchen sind die von uns skizzierten Probleme aber weiterhin aktuell: So kooperierte eine Professorin beispielsweise in einer erst im Januar 2024 publizierten Forschungsarbeit zu „drahtlosen Lokalisierungstechniken und -systeme für Innenräume“ mit der in unserer Recherche genannten National University of Defence Technology (NUDT), einer chinesischen Militäreinrichtung. Die Forschung wurde laut der Arbeit von einer Stiftung mitfinanziert, die dem chinesischen Technologie-Ministerium untersteht. Eine weitere Forschungsarbeit dieser Professorin mit der NUDT erschien im Dezember 2023.

Seit Veröffentlichung meldeten sich Dutzende neue Hinweisgeber bei CORRECTIV

Die Recherche führte nach CORRECTIV-Informationen zu einiger Aufregung auf den Fluren der RWTH Aachen und wird dort breit diskutiert. Aber auch in den sozialen Netzwerken diskutieren Teile der wissenschaftlichen Szene über die geschilderten Praktiken, so etwa auf LinkedIn oder Reddit

Seit der Veröffentlichung meldeten sich Dutzende Menschen bei uns und teilten ihre eigenen Erfahrungen aus Lehrstühlen der RWTH – und auch an weiteren Universitäten in Deutschland. Die von uns geschilderten Vorgänge werden in ihren Nachrichten nicht nur bestätigt; viele liefern uns neue Hinweise. 

CORRECTIV wird diese nun auswerten und plant weitere Recherchen zum Themenkomplex, um undurchsichtige Praktiken an Universitäten offenzulegen.

Unsere Quellen bleiben anonym. Falls auch Sie an einer Universität arbeiten und Hinweise zu fragwürdigen Praktiken haben, melden Sie sich gerne: Signal

Zur Quelle wechseln

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert