Nach Pillenkick-Recherche: Fußball und Handball wollen Schmerzmittelmissbrauch erforschen

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Im vergangenen Sommer haben die ARD-Dopingredaktion und das Recherchezentrum CORRECTIV ihre gemeinsame Pillenkick-Recherche veröffentlicht. Ein Resultat: Nicht nur in den Profiligen werden Schmerzmittel zuweilen „wie Smarties“ (Neven Subotic) eingeworfen. Auch viele Amateurspieler nehmen regelmäßig Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac. Zahlreiche Fußballer berichteten über gesundheitliche Folgen. An diesem Mittwoch befasst sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestags in einer Experten-Anhörung mit der Problematik.

Nach Informationen von CORRECTIV und ARD hat aber auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) selbst Konsequenzen gezogen. Der DFB nimmt Geld für eine Studie in die Hand – und dabei sowohl die Profis als auch die Amateurspieler ins Visier.

In DFB-Studie werden aktive Fußballer und Ärzte befragt

Mithilfe der Schmerzmittelstudie will der DFB herausfinden, auf welche Weise und in welchem Maß die Spieler Schmerztabletten einnehmen. Die Studie soll sich auch intensiv mit der Rolle der Mediziner befassen. Zudem soll die Untersuchung eine wesentliche Frage beantworten: Inwieweit wissen die Spieler um die Gefahr, die regelmäßiger Konsum von Schmerztabletten mit sich bringen kann? Einen Hinweis auf der Packungsbeilage, das hatten auch Spieler bei einer Online-Umfrage von CORRECTIV und ARD ergeben, nehmen Spieler mitunter überhaupt nicht wahr.

Spieler, Trainer, Ärzte, aber auch Vereinsfunktionäre sollen für die Studie befragt werden. Der DFB hat demnach Größeres vor. DFB-Präsident Fritz Keller hatte sich vergangenen Sommer „betroffen“ gezeigt, als er mit den Pillenkick-Recherchen konfrontiert wurde – und umgehend eine Reaktion angekündigt.

Auch der Handball handelt

Ebenfalls auf die Schmerzmittel-Recherche von CORRECTIV und ARD reagiert hat der Deutsche Handballbund (DHB). „Auch wir haben das Problem weiterhin, da ist der Handball sicherlich keine Ausnahme“, sagte Sport-Vorstand Axel Kromer der ARD. Der DHB hat deshalb beim Bundesinstitut für Sportwissenschaften die Finanzierung einer dreijährigen Studie beantragt – und bewilligt bekommen.

Die Studie habe „oberste Priorität“, sagte Sport-Vorstand Kromer. Sie werde helfen, „den Schmerzmittelmissbrauch im Handball besser kennenzulernen und auch die richtigen Sanktionen daraufhin zu beschließen“. Durchgeführt wird die Handball-Untersuchung an der Universität Tübingen durch den Sportwissenschaftler Ansgar Thiel.

Neun Sachverständige sprechen im Bundestag

Professoren werden an diesem Mittwoch auch beim Sportausschuss des Bundestages auftreten (Liste aller Sachverständigen und ihre Stellungnahmen), etwa Tim Meyer, Chefmediziner des Deutschen Fußball-Bunds, Bernd Wolfahrth, der Olympiaarzt des Deutschen Olympischen Sportbundes, und Dieter Leyk, der an der Deutschen Sporthochschule in Köln die Forschungsgruppe Leistungsepidemiologie leitet. 

Zwei Vertreter der Nationalen Anti-Doping-Agentur sind ebenso geladen, bei ihnen dürfte es um die Frage gehen, inwieweit Schmerzmittel die Leistung von Sportlern steigern oder überhaupt erst ermöglichen. Zudem spricht der Journalist Jörg Mebus über die zentralen Ergebnisse der Pillenkick-Recherchen von CORRECTIV und der ARD. 

Ein Fußballspieler selbst zählt nicht zum Expertenkreis. Die Perspektive der aktiven Spieler wird am ehesten die internationale Spielergewerkschaft FIFPro einnehmen. „Der Einsatz von Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten im Fußball ist nach unserer Erfahrung ein signifikantes Gesundheitsproblem, das unzureichend Aufmerksamkeit erhält“, äußert sich FIFAPro-Generalsekretär Jonas Bär-Hoffmann bevor er einen Tag später vor den Abgeordneten des Bundestags sprechen wird. Er spricht von „strukturellen und kulturellen Veränderungen“, die nötig seien und fordert „spezifischen regulative“ Maßnahmen über die Ländergrenzen hinweg.

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