„Lost Place“ mit düsterer Vergangenheit: Diese Gruselgeschichten ranken sich um die Villa Fühlingen in Köln

„Lost Place“ mit düsterer Vergangenheit: Diese Gruselgeschichten ranken sich um die Villa Fühlingen in Köln

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Im Jahr 1888 wird an der heutigen Neusser Landstraße in unmittelbarer Nähe des Fühlinger Sees eine prachtvolle Villa auf rund 1400 Quadratmetern errichtet. Dass diese Villa gut 140 Jahre später immer noch Hauptbestandteil zahlreicher ominöser Geschichten sein wird, ahnte damals wohl noch niemand.

Der Bankier Eduard Freiherr von Oppenheim ließ die Villa als Sommerresidenz für sich und seine Familie erbauen. Außerdem ließ er Nebengebäude für seine Pferde errichten, denn Pferdezucht war die große Leidenschaft des Gestütsbesitzers. Eduard war das älteste von vier Kindern des Kölner Bankiers Simon Oppenheim, der Teilhaber und Mitgründer des Bankhauses Sal. Oppenheim war.

Villa Fühlingen in Köln: Grundstück war Schauplatz der Schlacht von Worringen

Das Grundstück, welches für den Bau der Villa ausgesucht wurde, hat bereits eine düstere Vergangenheit hinter sich und wird nicht ohne Grund auch „Blutacker“ genannt. 1288 kamen hier bei der Schlacht von Worringen mehr als 1000 Menschen ums Leben. Die Schlacht war ein entscheidender Konflikt im Limburger Erbfolgestreit. Dabei kämpften Truppen des Erzbischofs von Köln und des Grafen von Luxemburg gegen eine Koalition aus dem Herzog von Brabant, dem Grafen von Berg und anderen Verbündeten. Die Schlacht endete mit einem Sieg der Koalition, was die Macht des Erzbistums Köln schwächte und die Stadt Köln zu größerer Unabhängigkeit führte.

Viele Gruselgeschichten und Mythen

Einblicke in die Spukvilla von Köln-Fühlingen

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Doch auch Jahrhunderte nach dieser kriegerischen Auseinandersetzung, bei der Unmengen an Blut floss, kam es immer wieder zu grausamen Geschichten in dem zweieinhalbstöckigen Haus.

Der Legende nach soll der Geist des polnischen Zwangsarbeiters Edward Margol durch das Anwesen spuken. Der damals 19-Jährige soll 1943 von Mitarbeitern der Gestapo (Geheime Staatspolizei) in einer alten Ziegelei in der Nähe des Hauses öffentlich erhängt worden sein. Margol soll sich laut Aussagen des damaligen Pächters der Villa, Ernst Kolb, seiner Tochter unangebracht genähert haben. Als mittlerweile befreite Zwangsarbeiter von dem Schicksal Margols hörten, sollen sie aus Rache einen Bewohner des Hauses entführt und im Hühnerstall erschlagen haben.

Gruselgeschichten rund um die Villa Fühlingen: Ehemaliger NS-Richter soll sich hier erhängt haben

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte das Haus der Erbengemeinschaft von Buttlar. Einer der vier Erben, Gerhard van Kempen, lebte fortan mit seiner Ehefrau Alice in dem riesigen Anwesen. Van Kempens Vergangenheit ist allerdings ebenfalls düster: Er war während der NS-Zeit als Richter tätig und Teil des nationalsozialistischen Justizsystems, welches meistens politisch motivierte Prozesse durchführte, bei denen die Angeklagten chancenlos waren, um das Nazi-Regime nach und nach zu stabilisieren. Es gibt sogar Quellen, die berichten, dass van Kempen derjenige war, der den polnischen Zwangsarbeiter Margol zum Tod verurteilt haben soll. Für seine Tätigkeiten wurde van Kempen in den Jahren nach Ende des Kriegs nie zur Rechenschaft gezogen.

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Die Mauern der Villa Fühlingen sind marode. Überall droht Einsturzgefahr.

Copyright: Redaktion KStA

In der Silvesternacht des Jahres 1962 soll sich van Kempen im zweiten Stock des Hauses erhängt haben. Der Legende nach soll der Geist von Margol dadurch doch noch seine späte Rache bekommen haben. Van Kempens Witwe lebte bis ins Jahr 1999 als letzte Bewohnerin allein in der Villa und starb im Jahr 2000 schließlich in einem Seniorenheim.

Seitdem dient das mittlerweile abgerockte und marode Gebäude nicht nur als Protagonist für Spukgeschichten, sondern wird auch immer wieder von Jugendlichen aufgesucht, die dort Mutproben veranstalten. Hobby-Geisterjäger, die sich mit Infrarotkameras in die Flure des Hauses gestellt haben, sind sich zudem sicher: In dem Haus geht Übernatürliches vor sich. Auf Youtube gibt es zahlreiche Video-Creator, die sich beim Erkunden des Hauses filmen und über Unwohlsein berichten.

Dieser Mythos wurde im Jahr 2007 nochmal bestärkt, als sich ein 19-jähriger Mann aus Köln-Seeberg in den Ruinen des Hauses erhängte – vermutlich aufgrund Liebeskummers. Gefunden wurde er von zwei Kindern, die ebenfalls einen nächtlichen Ausflug in das Gebäude gemacht hatten.

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Die Spukgeschichten rund um das verrottete Anwesen werden wohl auch in Zukunft nicht weniger werden: Zuletzt wurde zwar immer wieder darüber diskutiert, dass das Haus abgerissen werden könnte. Eine endgültige Entscheidung über den möglichen Abriss wurde bislang aber noch nicht getroffen. Seit Mai 2023 steht das Haus allerdings nicht mehr unter Denkmalschutz, sodass ein Abriss weiterhin möglich erscheint.

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