In Köln wurde der Auftakt des Straßenkarnevals gefeiert

In Köln wurde der Auftakt des Straßenkarnevals gefeiert

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Weiberfastnacht: Jecker Start mit eher gemischten Gefühlen

Köln | Auf dem Pulheimer Bahnsteig in Fahrtrichtung Köln ist es am Morgen von Weiberfastnacht auffallend still. Nicht viele Menschen sind an diesem Tag mit Kostüm unterwegs. Nur das eine oder andere Ringelhemd ist unter den dicken Jacken zu sehen. Dazu kommen einige Cheerleader und ein plüschiger Elefant. Auch in der Regionalbahn, wo normalerweise schon heftig für die große Party vorgeglüht wird, ist die Stimmung verhalten. Nur drei Damen gönnen sich ihr Döschen Gin Tonic, „natürlich“ ohne Maske. Der Rest trägt diese meist wie gewohnt und auch hier sind nicht allzu viele kostümierte Jecken zu entdecken. Ob es an dem in der Nacht begonnenen Kriegsgeschehen in der Ukraine liegt, ob die Corona-Pandemie doch noch die Menschen verunsichert hat oder ob einfach das trübe Winterwetter vom großen Feiern abhält, ist schwer zu beurteilen.

Am Kölner Hauptbahnhof ist es jetzt kurz vor 9 Uhr noch nicht allzu viel vom sonst so farbenfrohen und lauten jecken Treiben zu bemerken. Einzelne kostümierte, junge Gruppen sind unterwegs. Doch auch hier scheint die Mehrheit um diese Uhrzeit nicht am Start des Straßenkarnevals interessiert zu sein. Der Eindruck setzt sich auf dem verhältnismäßig leeren Bahnhofsvorplatz und auf der fast leeren Domplatte fort.

Aber nicht jeder will auf die jecke Party an diesem Tag verzichten: „Ich will einfach mal wieder feiern. Das war in der letzten Zeit nicht möglich. Heute geht es nur ums Tanzen, Trinken und darum, nette Leute zu treffen“, sagt Maria (30) aus Düren, während einige Altstädter in Uniform zum Alter Markt unterwegs sind. „Ich habe trotz allem ein gutes Gefühl. Wir sind geboostert und frisch getestet. Jetzt machen wir im Kostüm einen kleinen Spaziergang um den Dom. Hier ist es schon fast gespenstisch leer, aber das füllt sich noch“, vermutet Kölnerin Sabine (39), die im Anschluss in ihre Stammkneipe weiterziehen möchte.

Beim Zugang in die Glasverbotszone der Altstadt ist die Lage gegen 9.30 Uhr sehr entspannt. Wo sonst viele Menschen Schlange stehen, kommt man ohne Wartezeit direkt auf den Alter Markt. Dort ist fröhliche Karnevalsmusik vom Regimentsspielmannszug der Altstädter zu hören. Rund um die Absperrung um die neue Arena mitten auf dem Platz ist noch sehr wenig los. Nur einige Menschen stehen schon an den Eingängen der Kneipen und warten darauf, eingelassen zu werden. Vor der Arena kommen die Bands für das Programm nach und nach mit ihren Wagen an – so auch die Funky Marys: „Wir sind mit gemischten Gefühlen unterwegs, jetzt überwiegt aber gerade die Vorfreude auf den Auftritt auf dem Alter Markt“, sagt Andrea Schönenborn.

Auf dem Heumarkt herrscht kurz vor 10 Uhr noch gähnende Leere. Nur wenige Jecken eilen bei einsetzendem leichten Regen über den Platz zu ihrem hoffentlich überdachten Ziel. Andi (56) und Ute (51) sind auf dem Weg in Richtung Alter Markt: „Was die Pandemie angeht, haben wir ein gutes Gefühl, wir erfüllen die 2Gplus-Regeln und haben Karten für eines der Brauhäuser. Die Altstadt ist sehr leer, kein Vergleich zu normalen Jahren. Deutlich mehr Angst machen uns die aktuellen Nachrichten. Da wird ein Vokabular wie 1939 gebraucht, da bekommt man ein sehr ungutes Gefühl in der Magengegend“, sagt Ute.

In der eigentlichen Arena erwartet den Besucher eine gänzlich andere Situation als an normalen Weiberfastnachtstagen. Die 750 Zuschauer verteilen sich auf die sechs im Kreis aufgestellten Tribünen. Der Platz vor der Bühne ist weitgehend leer. Diese Distanz scheint nicht allen Künstlern zu gefallen. So verlässt Marita Köllner kurz vor 11 Uhr kurzerhand die Bühne und begibt sich zu ihrem Publikum, das sofort begeistert ist.

Kurz nach 11 Uhr erreicht das Dreigestirn mit seinem Begleittross die Bühne. Für die drei ist es ein besonders Gefühl, bei ihren Altstädtern in ihrem „Wohnzimmer“ aufzutreten. Auch Prinz, Bauer und Jungfrau beschäftigt das Geschehen in der Ukraine: „Die Ereignisse der vergangenen Nacht sind natürlich auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Wir schunkeln nicht an den Sorgen der Menschen vorbei. Aber wir lassen uns auch nicht die Grenzen des Frohsinns von Menschen bestimmen, die die Freiheit und den Frieden mit Füßen treten“, erklärt Jungfrau Gerdemie (Björn Braun) in seiner Ansprache an die Jecken und bekommt dafür viel Zustimmung.

Beim Rückweg zum Hauptbahnhof sind mehr Kostümierte in der Altstadt zu entdecken. Es sind aber auch weiter deutlich weniger Menschen unterwegs, als in der Zeit vor der Pandemie. Im Bahnhof herrscht ein fast normales Werktagstreiben, Kostüme sind hier kaum noch zu entdecken. Das ändert sich schlagartig bei der Fahrt mit der Stadtbahn zum Barbarossaplatz. Große Gruppen, meist jugendlicher Partyfans sind hier in der Bahn unterwegs – Masken und Abstandspflichten scheinen hier nicht immer besonders wichtig zu sein. Auch Pandemie und Krieg werden wohl an diesem Tag vom jungen Partyvolk weitgehend ausgeblendet.

Am Barbarossaplatz angekommen, ergibt gegen 12 Uhr sich ein gänzlich anderes Bild als gerade noch in der Altstadt. Große Gruppen ziehen laut singend bzw. grölend in Richtung Zülpicher Viertel. Auch der eine oder andere Wildpinkler ist zu entdecken. Vor dem Zugang zur Zülpicher Straße vom Barbarossaplatz aus, hat sich eine große Menschenmenge versammelt, die auf Einlass wartet. Auch hier steht man eng auf eng und trägt keine Maske – die Pflicht dazu wurde während des Straßenkarnevals für Straßen und Plätze offiziell aufgehoben. Die Bahnschienen der KVB sind im Bereich Zülpicher Platz komplett mit Gittern abgesichert. Der direkte Zugang zur Zülpicher Straße ist nicht möglich. Auf der anderen Seit in Richtung Rudolfplatz hat sich eine lange Warteschlange gebildet. Kurz vor 14 Uhr ist die Partyzone so voll, dass der Zugang gesperrt werden muss.

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