Hamburg: Nein, die zweite Bürgermeisterin rast nicht regelmäßig mit dem Ferrari durch die Stadt

Hamburg: Nein, die zweite Bürgermeisterin rast nicht regelmäßig mit dem Ferrari durch die Stadt

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In einem Bild, das auf Facebook seit Mitte Mai mehr als 1.100 Mal geteilt wurde, wird behauptet, Katharina Fegebank, die grüne zweite Bürgermeisterin von Hamburg, rase regelmäßig im Ferrari durch die Stadt. Das sei „grüne Doppelmoral in Reinkultur“. Die Behauptung beruht auf einem drei Jahre alten Bericht der Bild. Laut einer Sprecherin der Grünen ist die „Darstellung des Sachverhalts […] weder in dem Facebook-Post noch in dem ursprünglichen Artikel der Bild-Zeitung korrekt.“

Das auf Facebook verbreitete Bild von einem Ferrari und Katharina Fegebank
Das auf Facebook verbreitete Bild von einem Ferrari und Katharina Fegebank (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir haben das Bild und die Behauptungen zurückverfolgt: Auf dem Bild ist zu lesen, dass es von dem Nutzer „Roland till Bredabronna“ gepostet wurde. Eine Google-Suche führt zu einem gleichnamigen Profil auf Pinterest und zu einem Ordner namens „Grün und Dumm“. Darin findet sich dasselbe Bild wie auf Facebook – und ein Hinweis auf die Quelle: ein Link zu einem Text von Anonymous News vom 9. Februar 2020 mit dem Titel „Verlogene Doppelmoral: Grüne Bürgermeisterin rast regelmäßig mit dem Ferrari durch Hamburg“.

Als Quelle in dem Artikel von Anonymous News ist ein Artikel der Bild vom 15. Januar 2018 verlinkt. Dass die Politikerin „regelmäßig“ in einem Ferrari durch Hamburg „rast“, wird darin jedoch gar nicht behauptet. Der Bericht trägt den Titel: „Fegebanks Ferrari-Geständnis“. Darin wird Fegebank so zitiert: „Wir sind mit einem Mini-Urlaub an Nord- und Ostsee ins neue Jahr gestartet. Leider konnten wir nicht Mathias‘ Ferrari nehmen, weil der in der Werkstatt ist. Mit dem fahre ich doch so gern!“ Fegebank spricht hier von ihrem Lebensgefährten Mathias Wolff. Laut der Antwort einer Pressesprecherin der Grünen auf unsere Anfrage besitze dieser einen Ferrari. 

Die Sprecherin schrieb uns per E-Mail, das Zitat in der Bild beruhe auf einem Gespräch zwischen Fegebank und einem Bild-Reporter, gebe den Inhalt aber nicht korrekt wieder. Das Zitat, so die Sprecherin der Grünen, sei von dem Bild-Reporter zudem nicht zur Autorisierung vorgelegt worden. Wir haben diesbezüglich beim Axel-Springer-Verlag nachgefragt. 

Christian Senft, Pressesprecher beim Axel-Springer-Verlag, erklärt, dass das Gespräch Fegebanks mit dem Reporter auf dem Roten Teppich des Ahoi-Neujahrsempfangs im Hyperion-Hotel Hamburg stattgefunden habe. „Es wurde weder von Frau Fegebank noch von [Mathias Wolff] oder von einer Pressesprecherin gefordert, dass Zitate vorgelegt werden müssen. Das ist für Live-Interviews am Roten Teppich auch eher unüblich“, so Senft. Es gelte in der Regel das gesprochene Wort. Katharina Fegebank oder die Pressestelle der Grünen habe den Zitaten zudem nie widersprochen oder bei Bild um Richtigstellung gebeten, erklärt Senft.

Grünen-Sprecherin: Fegebank hat den Ferrari nie selbst gefahren

Die Sprecherin der Grünen schrieb uns, Fegebank sei in dem Ferrari hin und wieder als Beifahrerin mitgefahren. „Weder war sie selbst als Fahrerin oder als Beifahrerin mit dem Wagen im Urlaub, noch war oder ist sie regelmäßig damit in der Stadt unterwegs.“

Auszug aus der E-Mail der Pressesprecherin der Grünen Hamburg
Auszug aus der E-Mail der Pressesprecherin der Grünen Hamburg (Screenshot und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Bei dem Ferrari handelte es sich um einen Wagen des Lebensgefährten von Katharina Fegebank, der Oldtimer-Fan sei. „Sie saß dort zudem niemals am Steuer und ist auch als Beifahrerin nur hin und wieder mitgefahren.“

Redigatur: Sarah Thust, Till Eckert

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