Gerd Kaspar in Esch: „Mal über den letzten Kölner Bürgersteig hinausschauen“

Gerd Kaspar in Esch: „Mal über den letzten Kölner Bürgersteig hinausschauen“

Report-K

Gerd Kaspar ist Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverein Köln – Esch sur Alzette. Andi Goral sprach mit Kaspar mitten in Belval über den Besuch einer Abordnung von Kölner Bürger:innen mit dem Partnerschaftsverein in Esch und Belval.

Gerd Kaspar

Gerd Kaspar ist ein Kommunalpolitiker der Kölner FDP und leitet den Kölner FDP-Stadtbezirksverband Lindenthal. Zudem ist er Sachkundiger Einwohner im Ausschuss Kunst und Kultur des Rates der Stadt Köln für die FDP. Er ist Vorsitzender des Städtepartnerschaftsverein Köln-Esch sur Alzette. Geboren wurde Kaspar in Fontainebleau in Frankreich. Er ist Partner und Kreativ-Geschäftsführer einer Werbeagentur in Köln. Für die Kölner FDP war er von 2009 bis 2020 der kreative Kopf im Wahlkampfteam aller Wahlkämpfe der Partei. 2019 war er Spitzenkandidat des FDP-Bezirksverbands Köln für die Europawahl. Seit Mai 2021 ist er Vorsitzender des FDP-Stadtbezirksverbands Lindenthal. Mitglied der Bezirksvertretung Lindenthal war er von 2017 bis 2022. Seit 2022 ist er Sachkundiger Einwohner im Kulturausschuss des Rates der Stadt Köln.

Report-K: Herr Kaspar Sie waren mit dem Städtepartnerschaftsverein hier in Esch. Was hat Sie am meisten begeistert und was haben Sie überhaupt hier gemacht?

Gerd Kaspar: Ja, wir sind gleich am ersten Tag – das war schon ein Highlight – dabei gewesen als der Erbgroßherzog von Luxemburg Guillaume Jean Joseph Marie von Nassau in Esch war. Also das kommende Staatsoberhaupt hat uns am Nationalfeiertag mit einer Delegation im Rathaus empfangen. Wir führten ein sehr nettes und persönliches Gespräch. Wir stellten fest, dass er und seine Frau sich in Köln kennengelernt haben und er am 11.11. Geburtstag hat.

Also da sollten wir Kölner doch einmal etwas draus machen. Das Fest fand in einem echt tollen und schönen Rahmen auf luxemburgische Art und Weise statt. Alles nicht so formell und Menschen in Jeans und Jackett waren ebenso herzlich willkommen im Beisein des Thronfolgers mit seiner Frau. Die sind ein Teil ihrer Bevölkerung und das imponiert: Die Menschen hier sind alle sehr nah beisammen. Das ist etwas, was vielleicht ein bisschen an Köln erinnert. Da kann man, wenn man sich denn trifft, immer gut miteinander sprechen

Zudem haben wir das frisch renovierte Resistance Museum besucht. Dort haben sie extra für uns am Nationalfeiertag geöffnet. Aktuell zeigen sie eine ganz fantastische Ausstellung. Wir knüpften erste Kontakte, weil von deren Seite Interesse daran besteht, mit dem NS-DOK in Köln zusammenzuarbeiten. Gestern besuchten wir die Europäische Investitionsbank, die extra für uns öffnete.

Da gibt es doch eine Kölner FDP-Connection?

Genau. Werner Hoyer ist Präsident der Europäischen Investitionsbank, seine Frau ist bei uns stellvertretende Vorsitzende. Er ist auch Mitglied in unserem Städtepartnerschaftsverein, da er viel mit Luxemburg zu tun hat, schließlich ist sein Arbeitsplatz hier. Dort hörten wir wirklich drei tolle Vorträge in denen man merkte, wie mit europäischem Geld umgegangen wird. Das geschieht sehr, sehr zukunftsorientiert, vorsichtig und gründlich.

Wir denken ja immer, da schieben wir unser deutsches Geld nach Brüssel oder nach Europa und das wird dann irgendwo verpulvert. Das ist nicht der Fall und hier wurden wir sehr gut anhand ganz konkreter Beispiele informiert.  Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben: Biontech. Die Europäische Investitionsbank hat vor der Bundesregierung mit Biontech gesprochen und das Unternehmen gefördert. Also die Entwicklung des Impfstoffs, lange bevor die damalige schwarz-rote Bundesregierung überhaupt auf die Idee kam. Also da sieht man, dass die wirklich am Puls der Zeit sind und viel Gutes in Europa tun, aber auch außerhalb Europas.

Jetzt stehen wir heute mitten im Belval und hatten eine ziemlich eindrucksvolle Führung mit eindrucksvollen Themen gesehen. Könnte Köln ein bisschen was von davon lernen?

Ja, wir sammeln ganz verschiedenen Eindrucke. Das hier in Belval ist umwerfend. Wir stehen mitten auf dem Gebiet eines ehemaligen Eisenhüttenwerks. Wir kennen solche Beispiele aus Deutschland, etwa aus dem Ruhrgebiet. Da müssen wir gar nicht weit fahren. Auch in Köln gibt es genügend alte Industriebrachen.

Klöckner Humboldt Deutz?

Zum Beispiel.  Aber das hier hat schon ein anderes Format – das größte Städtebauprojekt Europas. Dieses Belval und was hier laut Plan in 20 Jahren geschaffen wurde ist ist eine Wucht. Ich würde mir wünschen, dass Menschen, die in Köln in der Politik aber auch in der Verwaltung mit Stadtentwicklung zu tun haben, hier einfach mal herkommen, um sich das darstellen zu lassen. Allein der Führer, der heute dabei war, hat so viel Input gegeben. Der Bürgermeister der Stadt Esch, Herr Weiß, der uns heute begleitete hat das Thema richtig drauf. Man merkt wie sich die Politik und Verwaltung in Esch sind mit Inbrunst der Sache widmet und etwas ganz Großartiges schafft.

Bei der Führung durch Belval haben wir auch gelernt, wie nachhaltig und sensibel hier die Entwicklung von Belval vorangestrieben wurde. Etwa Rücksichtnahme auf kulturelles oder eben die Wiederverwertung bereits am Ort vorhandener Baustoffe. Müsste, wenn Köln schon keine offizielle Delegation nach Esch schickt der Rat der Stadt Köln nicht einmal Bürgermeister Weis einladen, ihm zuhören und von Esch lernen?  

Ich kann Ihnen versprechen, dass die Menschen in der Escher-Verwaltung immer dazu bereit sind. Wir haben jetzt schon verschiedene Gespräche geführt. Der Bürgermeister war bei uns. Wir hatten einen Kölner Infostand am Nationalfeiertag und er ist zu uns gekommen. Die Menschen hier, auch die Verantwortungsträger, sind unwahrscheinlich offen und natürlich, gerade auch zur Partnerstadt Köln.

Ich glaube nur, dass die Perspektive vielleicht etwas verrutscht. Man denkt immer so von Köln aus: Wir sind eine große Stadt, Millionen von Menschen. Was wollen wir mit Esch? Das ist hat 30.000 Einwohnern, so wie Lindenthal. Ich glaube es ist den Kölner:innen die Verantwortung tragen nicht bewusst, was hier geleistet wird. Es wäre allerdings bewusster geworden, wenn OB Reker sich aufgemacht hätte und zur Eröffnung des Jahres der Kulturhauptstadt nach Esch gekommen wäre.

Die Themen gerade bei Stadtentwicklung sind bei beiden Städten – es sind ja beides europäische Städte – nicht weit auseinander. Welche Rollen müssen kommunale Politik, Stadtverwaltung, das Büro für Internationales und Städtepartnerschaftsvereine einnehmen?

Die Stelle Internationales ist ja neu mit  Frau Dr. Klemm mittlerweile besetzt, nachdem Frieder Wolf, der sich hier lange engagierte, verstarb. Klemm haben wir nun bei der Mitgliederversammlung der Cologne Alliance, der Dachorganisation aller Kölner Städtepartnerschaftsvereine, kennengelernt. Die Aufgabe der Städtepartnerschaftsvereine sehe ich im Bürgerdialog, also Begegnungen der Bürger miteinander zu ermöglichen.

Ich glaube, dass die Stadtverwaltungen durchaus eine eigene Ebene haben. Köln ist nächstes Jahr 65 Jahre lang Partnerstadt von Esch, Teil der Ringpartnerschaft, die sich damals gründete.  Ich glaube, dass wir sowohl auf der bürgerschaftlichen Ebene als auch auf den Verwaltungsebenen hier mehr kooperieren könnten. Und Köln sagt ja immer gerne von sich eine europäische Metropole zu sein. Dann muss Köln auch mal über den letzten Kölner Bürgersteig hinausgucken, um einfach mal zu sehen was ist so ringsum los. Und das hier ist noch keine drei Stunden von Köln. Das ist nah. Kontakte zu knüpfen wäre also einfach. Wie ich schon sagte sind die Menschen hier sehr offen, ein Naturell, dass Menschen in Esch und Köln auszeichnet. Da wäre mehr möglich.

Wir haben den War of Talents und haben gerade die Bibliothek der Universität angeguckt. Ich würde mal sagen da setzt Esch echte Maßstäbe und hat mehr drauf als Köln?

Definitiv. Diese Unibibliothek ist ja sagenhaft, also wirklich. Und ja Sie haben vollkommen recht. Wenn die mal später bei Arbeitgebern landen und dann vergleichbare Arbeitsbedingungen haben wollen, dann guckt man ein bisschen in die Arbeitslandschaft von morgen.

Ihr Appell ist alle Kölner:innen egal ob Stadtrat oder Bürger*in sollten sich auf nach Esch machen und gerade auch Belval auf sich wirken lassen?

Genau. Lassen Sie mich noch ein wenig Werbung machen: Das alte Esch ist ein bisschen wie ein kleines Stückchen Paris. Man hat dort das französische Flair und als modernen Kontrast Belval. Nur eine Zugstation von Esch Mitte entfernt, keine 10 Minuten und der Nahverkehr in Luxemburg ist kostenlos. Das muss man sich vorstellen! Wir sind gestern gratis mit der Straßenbahn durch die Stadt Luxemburg gefahren genauso wie wir hier gratis von Esch nach Belval gefahren sind. Und das ist eine knallmoderne Straßenbahn mit höchstem Mobilitätskomfort.

Herr Kaspar, ich danke Ihnen für das Gespräch.

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