Euro 2024: Köln sagt Tschö als Austragungsort

Euro 2024: Köln sagt Tschö als Austragungsort

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Die Schotten sind da. | Foto: Eppinger

Köln | Für Köln ist Schluss. Gestern fand im „Cologne Stadium“ das letzte Spiel der Euro 2024 mit dem Achtelfinale Spanien gegen Georgien statt. Damit sind alle Spiele, die in Köln stattfinden sollten, gespielt. In Düsseldorf wird es noch das Viertelfinalspiel geben zwischen der Schweiz und England.

Schotten ins kölsche Hätz geschlossen

Der große Rummel ist vorbei. Die schottischen Fans waren das Highlight dieser EM und Köln freute sich über die Fans aus dem Norden der Insel. Sogar Henriette Reker, Kölns Oberbürgermeisterin, ließ auf „X“ schwärmen: „Dear Scots, those have been a wonderful couple of days with you. I could not be a happier mayor. You are always welcome to come back to Cologne!” („Liebe Schotten, das waren ein paar wunderbare Tage mit Ihnen. Ich könnte keine glücklichere Bürgermeisterin sein. Ihr seid jederzeit herzlich eingeladen, wieder nach Köln zu kommen!“ Versehen mit den entsprechenden Hashtags.

Menschen aus Ungarn, der Schweiz, Belgien, Rumänien, England und Slowenien sowie Spanien und Georgien kamen nach Köln, um am Spielort ihre Mannschaften zu unterstützen. Es kamen aber weit weniger Fans aus England nach Köln, als noch zur WM 2006, als auf der Deutzer Werft rund 60.000 Menschen Fußball auf Großleinwand schauten. Da sah es am Konrad-Adenauer-Ufer dieses Mal anders aus. Aber das ist keine Köln-Spezifik, sondern auch beim Public Viewing in Gelsenkirchen, wo sich England für das Viertelfinale qualifizierte, waren nicht so viele Fans erschienen.

Agent Provocateur auch in Köln unterwegs

Jetzt spielen die Engländer gegen die Schweiz in der Landeshauptstadt Düsseldorf im Viertelfinale. In Köln wird es kein Viertelfinale mehr geben. Mal sehen was Food-Blogger Paul Brown über Düsseldorf sagen wird, der mit seinen „Shithole“-Aussagen seine Bekanntheit steigerte. Nun glauben wir nicht, dass Brown im Auftrag seiner Majestät als Agent Provocateur arbeitete, aber im eigenen Auftrag konnte er fein seine Reichweite steigern und alle – vor allem klassische Medien des öffentlichen Rundfunks – sprangen und springen über sein Stöckchen.  Als Botschafter Gelsenkirchens provozierte Brown bei seinem Kölner Besuch und gab den „Shithole“-Titel an Köln weiter, nachdem er sich zunächst über Dom und Domtreppe beeindruckt zeigte. Er wird die Story, wie gestern schon mit seinem Freischnaps weiterspinnen. Daher: Mal sehen was er tut, wenn er Düsseldorf sieht oder das Alt-Bier probiert.

„Guardian“ lobt die Kölner Athmo

30.000-40.000 Fans der Three Lions befanden sich nach medialen Angaben in der Stadt und waren vom sportlichen Unentschieden ihres Teams wenig begeistert. Der „Guardian“ wird das später poetisch beschreiben und die Stadtbahnen der Kölner Verkehrsbetriebe „silver sausages of Cologne´s tram“ nennen. Sie reisten in einer Flotille von Lime-E-Scootern zum „Cologne Stadium“ an oder wackelten auf Leihfahrrädern nach Müngersdorf.

Die parkähnliche Landschaft rund um das „Cologne Stadium“ wurde vom „Guardian“ gelobt und dass die Fans dort auf dem Rasen sitzend verweilen konnten. Ansonsten klagten die Briten vor allem über die Deutsche Bahn und ihre Unpünktlichkeit. Die Deutschen klagten über das Singen des Liedes „Ten German Bombers“, welches die UEFA als diskriminierend einordnet. Englische Fußballfans nutzen das Lied als Schlachtgesang. Der Text stammt aus dem Zweiten Weltkrieg von britischen Schulkindern und basiert auf der Form des bekannten britischen Kinderliedes „Ten Green Bottles“ und die Melodie basiert auf „She´ll Be Coming ´Round the Mountain“ zu Deutsch „von den blauen Bergen kommen wir“. Es bezog sich im Zweiten Weltkrieg auf die deutschen Luftangriffe auf England und dass die Royal Air Force die Maschinen der Deutschen abschoss.  

Hohe Bierpreise

Kritik gab es an den Bierpreisen und nicht wenige junge Kölner:innen fanden die Preise beim Public Viewing zu hoch. Aber immerhin gab es Kölsch in Kölle und nicht nur Pils. Köln hatte immerhin eine Sonderlizenz für das Obergärige und konnte so Düsseldorf ausstechen, denn dort gab es kein Alt in den Fanzonen. Und sonst? Die Fanzonen waren immer besonders voll, wenn Deutschland spielte, die Deutzer Brücke oft stadteinwärts gesperrt. Das bleibt in Erinnerung: Also viele Menschen in der Stadt für einen Tag.

Ruhige EM für die Polizei

Die Kölner Polizei bilanziert die Spiele, die in Köln stattfanden, mit Worten wie: „das zehntausende Fans im Stadion und in der Stadt wieder fröhlich und in den allermeisten Fällen sehr friedlich gefeiert haben.“ Beim Spiel zwischen Spanien und Georgien ist der einzige Vorfall, dass Beamte einen 26-jährigen Mann beim Filmen im Stadion feststellten, der sich nicht ausweisen konnte und kein Ticket hatte. Er wurde wegen Hausfriedensbruch angezeigt.

Und nun?

Es gab also viele Menschen vornehmlich Männer mittleren Alters, die sich biertrinkend in der Stadt aufhielten. Jüngere Kölner lehnten neben dem Argument der hohen Bierpreise, daher den Besuch der Fanzonen mit den alten weißen Männern mit Bierbauch ab. Es gab Fan Walks durch die Stadt. Es gab Rudelglotzen auf großen Leinwänden mit besagten Männern mit Bierbauch. In den sozialen Netzwerken der Fans, deren Teams in Cologne spielten gibt es jede Menge Fotos von sich selbst beim Biertrinken mit anderen Fans. Es blieb friedlich. Es gibt Bilder, Bilder und noch mehr Bilder.

Im städtischen Archiv dürften sich Ordner analog und digital mit viel Foto- und Filmmaterial sammeln zu den Tagen der Euro 2024 in Köln und langsam verstauben. So wie das Material von 2006.

Bilanz nach der EM?

Offen bleibt dabei, was hat Köln die EM gebracht? Wir wissen von den Beratungen im Stadtrat vor dem Beginn der EM, dass die Stadt viel mehr Geld für die Ausrichtung plötzlich einstellen musste – unter anderem für die Sicherheit – als zunächst geplant. Dies sollte unter anderem zu Lasten des Breitensports gehen.

Wird es den Versuch geben einmal herauszufinden, was eine solche EM einer Stadt Köln bringt, wie viel sie real kostet und ob es am Ende einen Ausgleich gibt etwa in Form höherer Gewerbesteuereinnahmen oder real einen Zuwachs an Imagegewinn, mehr Tourismus oder was auch immer?

Auch wenn die Frage sicher schwierig zu beantworten sein wird, es wäre richtig ihr nach- und auf den Grund zu gehen. Also was bringen Großevents wie die EM Köln, was kosten sie und haben sie langfristig eine Wirkung und wenn ja, welche? Also eine Art Verwendungsnachweis für städtische Mittel, die für Großevents dieser Art eingesetzt werden.

Eines muss zudem gesagt werden: Es bleiben schöne Erinnerungen für viele Kölner:innen und die Gäste aus Europa.

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