„Eine Ära geht zu Ende“: Ehrenfelder Tanzschule für gleichgeschlechtliche Paare schließt nach 21 Jahren

Rundschau | „Eine Ära geht zu Ende“Ehrenfelder Tanzschule für gleichgeschlechtliche Paare schließt nach 21 JahrenVon Katharina Kampen26.06.2024, 10:32 UhrLesezeit 3 Minuten Claudia Reger ist deutsche Meisterin, Europa- und Weltmeisterin in „Equality Dancing“. Vor 21 Jahren gründete sie die Tanzschule „Swinging Sister“ an der Venloer Straße.Copyright: Katharina KampenWeltmeisterin leitet eine Tanzschule für Frauen in Köln. Wegen einer Mieterhöhung muss sie umziehen. Passende Räume gibt es kaum. Claudia Reger steht vor einer Vitrine voller Medaillen und Pokale. Ihre Augen strahlen, doch da ist auch Schmerz in ihrem Blick. „Eine Ära geht zu Ende. All die Frauen, die hier getanzt haben. Da ist Geschichte hinter“, sagt sie. Sydney, Kopenhagen, Barcelona. Reger reiste um die Welt und gewann unzählige Titel in Standard und Latein. Sie ist mehrfache Deutsche, Europa- und Weltmeisterin. Seit 21 Jahren leitet sie die Tanzschule „Swinging Sister“ für Frauen in Ehrenfeld. Doch damit könnte bald Schluss sein.Weltmeisterin unterrichtet in Ehrenfeld gleichgeschlechtliche PaareSchon früh lernte sie den musikalischen Rhythmus kennen. Ihre Großmutter gab im privaten Raum Tanzstunden. Ihr Vater war Musiker. Mit 13 Jahren besuchte Reger ihren ersten Tanzkurs. Nach ihrem Abitur kam die gebürtige Freiburgerin für ihr Studium nach Köln. Nebenbei fing sie wieder an, zu tanzen. Schnell nahm die damals 26-Jährige an ihren ersten Wettkämpfen teil. Den Raum sanierte sie auf eigene Kosten und gestaltete ihn in ihren Lieblingsfarben, Orange und Pink. Sie wollte, dass sich alle wohlfühlen.Copyright: Katharina KampenMit ihrer damaligen Tanzpartnerin belegte sie die ersten Plätze im „Equality Dancing“. Es war eine aufkommende Disziplin für gleichgeschlechtliche Paare. „Man kann sich die Rolle aussuchen und sie auch wechseln“, sagt Reger. In dem Schwulen-Lesben-Zentrum „Schulz“ in der Südstadt gab sie Tanzkurse für Frauen, was 2003 schließen musste.Einzige queere Tanzschule für Frauen in Köln„Dann habe ich den Sprung ins kalte Wasser gewagt“, sagt sie. Reger brach ihr Studium ab und eröffnete eine Tanzschule. Auf eigene Kosten sanierte sie den 165-Quadratmeter-großen Raum. Sie baute eine Theke ein, verlegte Parkett. „Ich steckte mein ganzes Herzblut rein“, sagt sie. Nun erhöhe der neue Eigentümer nach auslaufendem Vertrag die Miete um 1300 Euro, berichtet Reger. Der Vertrag wäre befristet auf fünf Jahren, mit beidseitiger Option einer Verlängerung um drei Jahre. Auch die Nebenkosten seien angestiegen, so dass Reger unter diesen Konditionen die Schule an dem Standort nicht mehr finanzieren könne.Bis Juli kann sie noch bleiben. Als Übergang weicht sie auf Räumlichkeiten wie eine Turnhalle aus. Ihr eigenes Mobiliar kann sie nicht mitnehmen, muss es verkaufen. „Ich habe versucht, irgendwas zu kriegen“, sagt sie. Doch es gebe kaum Räume, die bezahlbar und groß genug seien. Sie brauche eine langfristige Lösung, denn Reger weiß nicht, wie lange sie die Schule unter den Umständen erhalten kann.Corona kostete die „Swinging Sisters“ SchülerinnenBereits während der Corona-Pandemie verlor sie Schülerinnen. Langsam baut sie sich ihren Kundenstamm wieder auf. Derzeit unterrichtet sie fast 100 Frauen. „Claudia ist eine so engagierte Frau. Wir haben immer eine schöne Zeit hier. Ich finde gut, dass es weitergeht, aber es ist etwas anderes“, erzählt die Schülerin Corinna Kosmal.Ihr geht es nicht nur ums Tanzen. Es ist die einzige Tanzschule für gleichgeschlechtliche Paare in Köln. Das Coming-out fiel Reger damals nicht leicht. Man habe das Gefühl, anders zu sein. Daher schaffte sie für queere Frauen einen sicheren Raum, in dem sie sich austauschen können. „Das Tanzen stärkt alles. Für mich ist das Besondere, die Frauen in allen Facetten zu stärken“, so Reger.
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