Den Gürtel enger schnallen: Kölner Verwaltung hat keine Kapazitäten für die Planung des Ausbaus der Linie 13

Den Gürtel enger schnallen: Kölner Verwaltung hat keine Kapazitäten für die Planung des Ausbaus der Linie 13

Rundschau |

Den Gürtel enger schnallenKölner Verwaltung hat keine Kapazitäten für die Planung des Ausbaus der Linie 13

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Eine Vision für den Raderthalgürtel: So könnte die Linie 13 dort geführt werden, wenn es zum Ausbau käme.

Copyright: Stadt Köln

Die geplante Verlängerung der Kölner Bahnlinie 13 ist ins Stocken geraten, da sowohl die städtische Verwaltung als auch die Kölner Verkehrs-Betriebe unter Personal- und Finanzmangel leiden.

Was eine richtige Großstadt sein will, brauche eine Ringbahn. Das war unter anderem ein Argument für den kreisrunden Ausbau der Linie 13. Wer dieses Argument konsequent weiterführt, muss nun leider sagen: Aus Köln wird wohl nie eine Großstadt. Denn schon bei dem ersten Schritt hin zur Ringbahn, dem sogenannten Gürtelschluss zwischen Sülzgürtel und Rheinufer, muss das Mobilitätsdezernat das Handtuch schmeißen. Für ein solches Großprojekt fehlten schlichtweg die Kapazitäten in der Verwaltung, heißt es in einer Mitteilung an den Verkehrsausschuss.

Bereits viele Vorleistungen

Dabei war das Projekt „Gürtelschluss“ schon recht weit gediehen. Drei Varianten waren ausgearbeitet für die Strecke vom Sülzgürtel über den Klettenberggürtel, unter dem Güterbahnhof Eifeltor her, um dann über den Zollstock-, Raderthal- und Bayenthalgürtel zum Rhein zu gelangen. Auch eine Öffentlichkeitsbeteiligung hat es bereits gegeben. Wer wollte, konnte sich zu den Abschnitten und Varianten über eine Internetbefragung äußern. Wünsche und Kritik wurden von der Verwaltung bereits gesammelt. Die Förderfähigkeit des Projektes wurde schon geprüft. Auf dieser breiten Basis empfiehlt das Mobilitätsdezernat: „Die linksrheinische Verlängerung der Linie 13 weiterzuverfolgen und mit der konkreten Planung zu beginnen.“

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Für das Großprojekt Ringbahn fehlt es in Köln schlichtweg die Kapazitäten in der Verwaltung

Copyright: Quelle: Stadt Köln, Grafik: Harald Woblick

Doch nur einen Satz weiter rudern die städtischen Experten mit voller Kraft zurück. Um ein solches Großprojekt weiter zu verfolgen, brauche es eine verwaltungsinterne Projektgruppe. Jedoch: „Die zur Koordinierung der Planung und Umsetzung dieser Maßnahme erforderlichen Stellen und Personalkapazitäten sind in den beteiligten Ämtern im Dezernat Mobilität nicht vorhanden“, heißt es in der Mitteilung. Um dennoch eine Projektgruppe auf die Beine zu stellen, müssten zusätzliche Stellen geschaffen werden. Aber. „Das Mehrstellenbudget 2024 ist bereits komplett ausgeschöpft, für den Doppelhaushalt 2025/26 ist kein weiteres Mehrstellenbudget zu erwarten.“

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Auch bei der KVB auf der Streichliste

Dabei ist der sogenannte Gürtelschluss nicht nur ein Imageprojekt. Er ist auch ein Punkt in der Projektliste der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) für die Verkehrswende. Doch auch bei der KVB befindet sich der Linienausbau auf der Roten Liste. Wie die Rundschau berichtete, hat der Betrieb vor dem Hintergrund des Geldmangels ein „Minimalszenario“ für die Verkehrswende entworfen. Einst wurden 11 Maßnahmen ins Auge gefasst, um den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn attraktiver zu machen. Dazu zählt auch der Ausbau der Linie 13 . Doch für die 11 Maßnahmen bräuchten die KVB ab 2035 rund 339 Millionen Euro an jährlichem Zuschuss. Doch Stadt und Stadtwerkkonzerne stehen unter allgemeinem Spardruck. Darum das Minimalszenario. Würde diese Streichliste tatsächlich zum Tragen kommen, blieben von den 11 lediglich drei Projekte über. Auch der Ausbau der Linie 13 wäre damit zu den Akten gelegt.


Unbesetzte Stellen im Mobilitätsdezernat

54 Stellen waren zum Stichtag 1. April 2024 im Mobilitätsdezernat nicht besetzt. Insgesamt sind 786 Stellen vorgesehen. In 2022 gab es 49 Abgänge aus den Fachämtern des Dezernates. Im Jahr 23 gingen 46 Mitarbeitende. In 2024 haben im ersten Quartal 6 Mitarbeitende dem Mobilitätsdezernat den Rücken gekehrt. Allerdings konnten bis April 2024 auch sechs neue Kräfte gewonnen werden.

Als einen Hauptgrund für Kündigungen konnte in Personalgesprächen eine höhere Bezahlung außerhalb der Verwaltung herausgehört werden. Dicht gefolgt von einer als zu hoch empfundenen Arbeitsbelastung. Auch die Flexibilität der Arbeitszeit spielte eine Rolle. (ngo)

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