Corona: Nein, der Deutsche Ärztetag hat keine Zwangsimpfungen für Kinder beschlossen

Corona: Nein, der Deutsche Ärztetag hat keine Zwangsimpfungen für Kinder beschlossen

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In einem Video, das auf Facebook verbreitet wird, behauptet der Arzt Bodo Schiffmann, dass der Deutsche Ärztetag beschlossen habe, die Regierung solle Kinder „noch vor Beginn des Winterhalbjahres“ in der Schule gegen Covid-19 impfen – auch gegen ihren Willen und den der Eltern. Man solle sich, so Schiffmann ab Minute 1:55 im Video, „nicht wundern […], wenn ihr eure Kinder eines Tages aus der Schule abholt und diese euch sagen, dass sie gegen ihren Willen geimpft wurden.“ Das sei ein „Verbrechen“, man müsse die Kinder „jetzt in Sicherheit bringen.“ Der Ärztetag hat solche Zwangsimpfungen jedoch weder gefordert, noch trifft der Ärztetag überhaupt politische Entscheidungen; er spricht lediglich Empfehlungen an die Bundesregierung aus.

Der Deutsche Ärztetag ist das „Parlament“ der Bundesärztekammer, so heißt es auf der Webseite des Organs. Der Ärztetag findet jährlich statt und war 2021 eine Online-Veranstaltung, die am 4. und 5. Mai abgehalten wurde. Das Beschlussprotokoll der diesjährigen Veranstaltung ist hier einsehbar. Darin ist von angeblichen Zwangsimpfungen gegen den Willen des Kindes oder der Eltern jedoch kein Wort zu lesen.

Ärztetag hat keine Impfungen gegen den Willen der Eltern beschlossen

Neben Schiffmann taten sich einige dutzend Ärzte zusammen, die den Beschluss des Ärztetages unter dem Hashtag #nichtmeinÄrztetag in Videos kritisieren. Viele von ihnen beziehen sich darin auf einen Abschnitt des Beschlusses, der ab Seite 31 im Protokoll zu finden ist. Er lautet wörtlich: „Das Recht auf Bildung mit Kita- und Schulbesuch kann im Winter 2021/2022 nur mit einer rechtzeitigen Covid-19-Impfung gesichert werden. […] Die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe erlangen Familien mit Kindern nur mit geimpften Kindern zurück.“

Diese Sätze sollen als angeblicher Beleg für die Behauptung dienen, der Ärztetag habe Zwangsimpfungen von Kindern und Jugendlichen beschlossen, die an Schulen durchgeführt werden sollen. Davon war aber nicht die Rede – Schiffmann und einige andere Ärzte interpretieren also etwas in den Beschluss, das so nicht darin steht.

Bundesärztekammer widerspricht Behauptungen

Wir haben auch bei der Bundesärztekammer nachgefragt, ob sich der betreffende Abschnitt doch so interpretieren lässt, dass der Ärztetag Zwangsimpfungen oder eine Impfpflicht gefordert habe. Samir Rabbata, Pressesprecher der Bundesärztekammer, erklärt uns per E-Mail: „Diese Meldung ist falsch. […] Eine Impfpflicht für Kinder und Jugendliche, wie nun fälschlicherweise behauptet wird, hat der 124. Deutsche Ärztetag nicht gefordert.“

Die tatsächlichen Forderungen des Beschlusses werden explizit genannt und beziehen sich darauf, „unverzüglich eine Covid-19-Impfstrategie für Kinder und Jugendliche zu entwickeln und vor Einsetzen des Winters 2021/2022 umzusetzen“.

Es existiert in Deutschland zwar eine Impfpflicht, aber nicht gegen Covid-19 sondern lediglich gegen die Masern. Diese betrifft neben Angestellten bestimmter Berufe auch Schul- und Kindergartenkinder. Aber „Zwangsimpfungen“, so wie Schiffmann sie in seinem Video andeutet, bei denen Kinder gegen ihren oder den Willen ihrer Eltern geimpft würden, gibt es auch im Zusammenhang mit der Masernschutzimpfung nicht – das wurde bereits öfter fälschlich behauptet. Auch der Präsident der Bundesärztekammer und des Ärztetages, Klaus Reinhardt, hat sich erst im Januar gegen eine Impfpflicht ausgesprochen.

Redigatur: Till Eckert, Uschi Jonas

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