Ausverkaufte Show: „Lord Huron“ beendet Konzert in Köln frühzeitig

Rundschau | Ausverkaufte Show„Lord Huron“ beendet Konzert in Köln frühzeitigVon Susanne Schramm02.07.2024, 12:14 UhrLesezeit 3 MinutenSänger Ben Schneider beim Konzert in KölnCopyright: Thomas BrillStatt 21 Stücken, wie am Vorabend in Paris, spielte die Band am Montagabend in der Live Music Hall nur zehn.Mitten durch Okemos im US-Bundesstaat Michigan führt der Highway M-43, und die größte Attraktion ist die Meridian Mall, ein in die Jahre gekommenes Einkaufscenter. Es gibt weder Berge in Okemos, noch große Seen, und wer sagen kann, wem diese fast schon Kleinstadt ihren Namen verdankt, ohne das vorher zu googeln, bekommt 100 Gummipunkte. Warum also, in drei Teufels Namen, sollte man sich Okemos merken? Wegen Ben Schneider.Schneider ist Mastermind, Gründer und Frontmann von Lord Huron und, aus dem Blickwinkel sexistischer Menschen betrachtet, ein echtes Sahneschnittchen. Montag um kurz nach 21 Uhr steht die Band in der ausverkauften Live Music Hall auf der Bühne. Leider nur eine Stunde. Ben Schneider hat Probleme mit seiner Stimme, so ernste, dass er meint, er würde womöglich zum ersten Mal ein deutsches Krankenhaus von innen sehen. Statt 21 Stücken, wie am Vorabend in Paris, gibt es nur zehn. Und, als Zugabe „Not yet dead“ (Noch nicht tot). Was in diesem Zusammenhang nachgerade beruhigend klingt.Aber selbst nach diesem abgespeckten, den Umständen abgetrotzten, Konzert müsste man nimmermüde werden, Okemos zu preisen. Weil das der Ort ist, wo Ben Schneider herkommt. Geprägt vom väterlichen Gitarrenspiel, von Folkrock, Country und den Mythen des Wilden Westens, studierte er Bildende Kunst in Michigan und in Paris, ehe er via New York in Los Angeles landete. Lord Huron (benannt nach dem Huronsee in Michigan) war ursprünglich ein Soloprojekt, das dann in der Bandversion seine volle magische Blüte entfaltete.Gute Besserung Ben SchneiderStücke wie „Ends of the Earth”, „La belle fleur sauvage” oder „Secret of life” haben eine immense atmosphärische Dichte. Sie bewegen sich an der Grenze zum Filmischen, kurbeln ordentlich das Kopfkino an und pflücken sich das Beste aus so unterschiedliche Genres wie (siehe oben) Folk, Country und Western, Rock`n’Roll, Pop und Rock heraus. Gepaart mit einem Sound, der mitunter an den der Beach Boys erinnert, sphärischen Klängen, einem Spritzer Pulp Fiction und dem nostalgisch-düsteren Gepräge eines Film Noir wird daraus eine musikalische Wunderwaffe. Aber das, was Schneider zusammen mit Mark Barry, Miguel Briseno, Tom Renaud, Brandon Walters und Keyborderin und Sängerin Misty Boyce live so traumhaft rüberbringt, ist auch ungemein tanzbar. Findet das Publikum auch – und nutzt das redlich aus.Schön ist die Idee mit dem öffentlichen Fernsprecher, der, von blauem Licht geisterhaft illuminiert, aus dem Dunkel auftaucht und ein Klingeln von sich gibt, um zum Zweit-Mikrofon im Bühnenhintergrund zu mutieren: Schneider singt dann in den Hörer.Meistens bewegt er sich aber da, wo er hingehört: an der Front. Was bleibt noch zu sagen, über diesen, leider, viel zu kurzen Abend? Gute Besserung Ben. Und: Okemos war ein Indianerhäuptling aus der Region. 1859 wurde die Stadt nach ihm umbenannt. Vorher hieß sie nach einem US-Präsidenten. Auch das ist eine Geschichte aus dem Wilden Westen. Aber eine wahre.
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